„Hätten sonst längst das Licht ausknipsen können“

Mittelständler sind treue Seelen. Doch längst umweht sie der Duft der großen weiten Welt. Im Ausland schaffen sie neue Arbeitsplätze, um hier vorhandene zu sichern – noch.

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Ersatz in Ägypten gefunden

Aufregende Zeiten hat auch Beate Sellner, Biologin und Inhaberin des Unternehmens AquaCare Aquatic Systems Research e. K. hinter sich gebracht. Seit 2002 ist ihr Unternehmen in Ägypten vertreten. „Nachdem ein Zulieferer für Spritzguss-Teile aus Kunststoff Konkurs gegangen ist und ich in Deutschland keinen gleichwertigen Ersatz finden konnte, blieb nur eine Alternative: Selbst machen“, erinnert sich Sellner. So gründete sie in der Nähe von Kairo die Tochtergesellschaft AquaCare Plastics, die mit fünf Mitarbeitern Kunststoffteile genau nach Kundenangaben im Spritzguss-Verfahren herstellt.

Das Hauptgeschäft von AquaCare sind aber Planung, Bau und Wartung von Meerwasserentsalzungsanlagen. Der arabische Raum wird von einem zweiten Tochterunternehmen betreut, das seinen Sitz in Hurghada hat. „Ich habe die Unternehmen in Ägypten gegründet, weil von dort aus die Wege zum Kunden kurz und direkt sind“, erklärt Sellner, und fügt hinzu, dass auch die niedrigen Lohnkosten und das Engagement der arabischen Mitarbeiter eine Rolle gespielt haben. Die wirtschaftlichen Aktivitäten in Ägypten konfrontieren die Unternehmerin mit neuen Herausforderungen: „Um im arabischen Raum überhaupt am Geschäftsleben teilzunehmen, muss man die arabische Sprache beherrschen“, schildert sie ihre Erfahrungen und berichtet von der Teilnahme an einem Sprachkurs. Dass Beate Sellner mit ihrem Unternehmen komplett auswandert, steht jedoch außer Frage: „In unserem Kerngeschäft Wasseraufbereitung sind hochqualifizierte Arbeitskräfte der Schlüssel zum Erfolg – und diese finde ich am ehesten hier in Deutschland.“



Für das Delphinarium des Duisburger Zoos hat AquaCare die komplette Wasseraufbereitung einschließlich einer Denitrifikationsanlage realisiert.
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Wirtschaftsspiegel 4, 2005: 14-16.