Ramsch, B. & Sellner, B.R. 1999: Meerwasser und seine Herstelllung. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ), Praxis 8: 4-5.

Meerwasser und seine Herstellung

von Burkhard Ramsch und Beate R. Sellner, Diplom-Biologen von AquaCare, Herten

Natürliches Meerwasser
Künstliches Meerwasser
Wie setze ich künstliches Meerwasser an?


 

Natürliches Meerwasser

Der erste Gedanke ist, natürliches Meerwasser zu benutzen. Das wird von Aquarianer an den Küsten - wenn diese noch nicht verschmutzt sind - auch noch praktiziert. Auch einige Großaquarien lassen sich natürliches Meerwasser zu den Aquarien transportieren. Für die meisten Aquarianer ist diese Methode nicht durchführbar. - Salzmischungen aus natürlichem Meerwasser sind nicht möglich. Sobald man Meerwasser verdunsten lässt, fallen zuerst einige Stoffe als feste Verbindungen aus, die anschließend nicht mehr mit Wasser gelöste werden können. Lediglich der Kochsalzanteil kann aus Meerwasser hergestellt werden. Die vielen anderen Verbindungen jedoch müssen bei Meersalzmischungen künstlich dazugeführt werden. Das "natürliche Meersalz" ist somit ein reiner Werbegag.

Künstliches Meerwasser mit Meersalzmischung

Um künstliches Meerwasser herzustellen, braucht man einerseits eine gute Salzmischung und gutes Wasser, um das Salz ansetzen zu können. Gutes Wasser ist mit Umkehrosmosetechnik oder Ionenaustauscher leicht hergestellt. Salzarmes Wasser wird für die Meerwasseraquarien sowieso für den Ersatz von verdunstetem Wasser benötigt.

Bei den Salzmischungen ist das schon nicht mehr ganz so einfach. Die Unterschiede können erheblich sein. Generell gilt, dass man seine eigenen Erfahrungen machen muss. Denn das beste Salz für den einen ist die schlechteste Lösung für den anderen Aquarianer. Dieser Zwiespalt beruht nicht nur auf subjektive Erfahrungen. Denn die Aquarien weisen erheblich unterschiedliche Stabilität auf. So schwankt die Phosphat- und Nitratkonzentration in Hobbyaquarien von nicht nachweisbar (in diesen Becken kann das Fehlen dieser Stoffe zum einem Wachstumsstop der Tiere führen; phosphat- bzw. nitratlimitierte Systeme) bis zu stark erhöhten Werten von weit über 100 mg/l Nitrat bzw. einige 10 mg/l Phosphat (in diesen Becken ist das Überleben von z.B. Riesenmuscheln und empfindlichen Steinkorallenarten unmöglich - aber ein herrlicher Weichkorallenbesatz ist durchaus möglich). In dem nährstofflimitierten Aquarium kann ein Wasserwechsel mit nitrat- und phosphathaltigem frischem Meerwasser zu einem Aufblühen der Tiere führen; im stark belasteten Aquarium kann es jedoch zur Katastrophe (Eutrophierung) führen.

Für die meisten Aquarien gelten jedoch einige Grundsätze für das Meersalz:

  • Das Salz sollte frei von düngenden Stoffen wie Nitrat, Phosphat und Kieselsäure (Silikat) sein. Nährstoff werden meist im Aquarium genügend produziert - von reinen Steinkorallenaquarien mit fast keinem Fischbesatz und sporadischer Fütterung einmal abgesehen.
  • Das Salz sollte sich bei korrekter Anwendung schnell auflösen. Es sollten sich keine oder nur wenige Reste am Boden sammeln. Liegt nach jedem Auflösen eine dicke Schicht auf dem Boden, hat der Hersteller aus Kostengründen nur technische Qualität der Ausgangsstoffe verwendet. Die Verunreinigung können so stark sein, dass zu hohe Konzentrationen an Schwermetallen im Wasser vorliegen können.
  • Die Konzentration an Calcium und Karbonathärte sollte nach dem Auflösen so hoch wie möglich sein. Diese Substanzen sind in fast allen Becken Mangelstoffe.
  • Der pH-Wert sollte nach dem Auflösen des Salzes und Bewegung (Belüftung) des Wassers bei ca. 8,0 bis 8,5 liegen. Niedrigere oder höhere Werte sollte nicht akzeptiert werden.
  • Aufgedruckte Analysen der Inhaltsstoffe sind leider keine Hilfe, da kaum beurteilt werden kann, ob z.B. 0,09 oder 4 µg/l Selen die richtige Konzentration ist. Außerdem schwankt die Zusammensetzung der Spurenstoffe produktionstechnisch erheblich.
  • Ob das Salz in feuchter oder trockener Form vorliegt spielt keine Rolle. Bei beiden Varianten gibt es gute und schlechte Salze.
  • Nach dem Wasserwechsel sollten keine negativen Erscheinungen an den Tieren zu bemerken sein (z.B. Zusammenziehen der Polypen).

 

Wie setze ich künstliches Meerwasser an?

Aufgrund der chemischen und physikalischen Eigenschaften von Lösungen mit hohen Salzkonzentrationen gelten bestimmte Vorschriften für das Ansetzen von Meerwasser. Zuerst sollte in einem separaten Behälter aus Glas oder Kunststoff (kein Metall) die gewünschte Wassermenge an Umkehrosmose- oder vollentsalztem Wasser zur Verfügung stehen. Die Temperatur sollte nicht unter 15°C liegen, damit auch Calcium und Carbonat in der gewünschten Konzentration gelöst werden können. Die besten Ergebnisse werden bei Aquarientemperatur erzielt.

In das Wasser wird die entsprechende Salzmenge (ca. 35 g pro Liter) bei guter Durchmischung (Pumpe im Behälter) eingefüllt. Bis das Salz aufgelöst ist, sollten nur wenige Minuten vergehen. Anschließend muss die Dichte oder elektrische Leitfähigkeit überprüft und ggf. mit Wasser oder ein bisschen mehr Meersalz angepasst werden. Auch sollte der pH-Wert überprüft werden.

Gute Salze sind direkt nach dem Auflösen für den Wasserwechsel (maximal 20% auf einmal; besser öfter und weniger) zu gebrauchen. Für die Neueinrichtung muss das Wasser auf jeden Fall einige Tage bis Wochen "reifen". Während der "Reifezeit" stellt sich das Gleichgewicht der verschiedenen Salze und deren Struktur ein. In Lösungen mit hoher Salzkonzentration "kämpft" nämlich jedes Salzteilchen um sein Wasserhülle (Solvathülle). Außerdem sinkt während der "Reifezeit" die Konzentrationen von Radikalen, die den Tieren Schaden zuführen können.

Zur Lagerung sollte Meerwasser immer gut bewegt (Pumpe) und/oder belüftet (Ausströmerstein) werden.