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Sellner, B.R. & Ramsch, B. 1996: Die pH-Wert-Messung in ionenarmen Wässern (Weichwasser / Zuchtwasser). DISKUS BRIEF 3: 86 - 89, 4: 132 - 134.

Die pH-Wertmessung in ionenarmen Wässern (Weichwasser / Zuchtwasser)

von Beate R. Sellner & Burkhard Ramsch



Definition des pH-Wertes
Prinzip der pH-Wertmessung mittels pH-sensitiver Membranen
Verschiedene pH-Messketten
Das richtige Kalibieren des pH-Messgerätes
Das richtige Messen des pH-Werts
Die richtige Lagerung der pH-Messkette
Das Prüfen und Warten der pH-Messkette
Entscheidungshilfen zum Kauf von pH-Messsytemen
Literatur


Definition des pH-Wertes

Reines Wasser besteht aus der Verbindung H2O; an jedem Sauerstoffatom sind zwei Wasserstoffatome gebunden. Ein geringer Anteil des Wassers dissoziiert (zerfällt) jedoch spontan in geladene Ionen, nämlich in ein Hydroxidion OH- und ein Proton H+. Deswegen weist reines Wasser immer eine geringe Leitfähigkeit (25°C, pH 7,0 = 0,0548 µS/cm) auf. Bei neutralem Wasser - das entspricht einem pH-Wert von 7,0 - zerfällt nur jedes 555-millionste Wassermolekül.

Wird das Wasser saurer, steigt der Anteil der Protonen (Wasserstoffionen) bei jeder pH-Stufe um den Faktor 10, bei steigendem pH-Wert fällt der Anteil um den Faktor 10.

Früher wurde der pH-Wert definiert als der negative dekadische Logarithmus der molaren Protonenkonzentration:

pH = - log c (H+)

Als Anhaltspunkt kann diese Definition dienen. Für sehr genaue pH-Wertmessungen wurde jedoch vereinbart (pH-Konvention), dass bestimmte Puffersubstanzen bei genau definierter Konzentration in reinem Wasser bei definierter Temperatur einen bestimmten pH-Wert besitzen. Nach diesen DIN- oder NBS-Pufferlösungen werden pH-Messgeräte kalibriert (Weast et al. 1985). Für einfache Messungen reichen technische Pufferlösungen aus.

 

Prinzip der pH-Wertmessung mittels pH-sensitiven Membranen

Neben chemischen Tests zur pH-Wertbestimmung haben sich vor allem pH-Messketten mit Anzeigegerät (pH-Meter) bewährt. Bestimmte Gläser können, wenn sie in eine Messprobe getaucht werden, zwischen Innen- und Außenseite eine pH-Wert-abhängig Spannung bilden. Da man im pH-Glas keine elektrische Ableitung (Anschluss) vornehmen kann, wird die Spannung "nass" mittels Ableitelektrode plus Elektrolyt abgenommen (siehe Abb. 1, linker Teil). 

Abb. 1: Schematischer Aufbau eines pH-messenden Elektrodensystems. 

Als Gegenpol muss eine Referenzelektrode (siehe Abb. 1, rechter Teil) eingesetzt werden, weil ein Metall, das direkt in die Messprobe eingetaucht würde, abhängig von der Probe ebenfalls unterschiedliche Spannungen erzeugen könnte. Die elektrische Verbindung von Referenzelektrode zur Messprobe wird durch eine kleine Öffnung (Diaphragma) gewährleistet. Die Referenzelektrode wird vorzugsweise aus den gleichen Materialien (meist mit Silberchlorid beschichtetes Silber) gefertigt wie die Ableitelektrode. Elektrodenmetall und Elektrolyt der beiden Elektroden erzeugen die gleiche Spannung und heben sich somit auf. Übrig von der Gesamtspannung bleibt nur die pH-abhängige Spannung des pH-sensitiven Spezialglases. Mit dem passenden Messgerät (hochohmiges Millivoltmeter mit Umrechnung) kann direkt der pH-Wert mit Hilfe der Spannung gemessen werden. (Ramsch 1996)



Abb. 2: Aufbau einer pH-sensitiven Messkette: "pH-Elektrode"

Für die meisten praktischen Anwendungen werden Bezugs- und Messelektrode in einem Gehäuse untergebracht (Abb. 2). Dabei wird der Bezugselektrolytraum meist um das Glasrohr des Innenelektrolytraumes geschweißt. Die Konstruktion Mess- plus Bezugselektrode wird Messkette genannt. Der Begriff "Kette" bezieht sich auf die elektrische Schaltung, bei der beide Elektroden in Reihe, also hintereinander wie in einer Kette geschaltet sind. Der Begriff "Elektrode" wird in der Aquaristik meist synonym mit Sensor oder Messkette verwendet. Man muss sich aber vergegenwärtigen, dass diese Sensoren immer aus zwei Elektrode bestehen - Bezugs- und Messelektrode.


Verschiedene pH-Messketten

Die wohl gebräuchlichsten pH-Messketten sind Flüssig-Elektrolyt-Messketten mit Keramikdiaphragma. Diese Systeme können über lange Zeit erfolgreich benutzt werden, weil der Bezugselektrolyt, der sich mit der Zeit verbraucht, ausgewechselt bzw. nachgefüllt werden kann. Man sollte bei den üblichen Ag/AgCl/Cl--Elektroden immer nur silberchloridgesättigte 3 M Kaliumchloridlösung verwenden. Wird nur eine Kaliumchloridlösung verwendet, ist die Messkette nicht so schnell einsetzbar und altert bei jeder Auffüllung schneller.

Zu beachten ist, dass der Elektrolytstand der Bezugselektrode nie tiefer als der Wasserstand der Probe sein darf - unabhängig von der Leitfähigkeit der Probe. Ansonsten fließt Probe durch das Diaphragma in das Innere der Messkette und kann die Messung zunichte machen oder sogar die Messkette zerstören. Ebenso darf die Nachfüllöffnung bei der Messung nie geschlossen sein, weil der Elektrolyt frei durch das Diaphragma abfließen muss. Druckunterschiede zwischen Bezugselektrolyt und Probe haben die gleiche negative Wirkung wie eine zu weit eingetauchte Messkette. Leider sind die meisten Messkettenhalter in der Aquaristik unbrauchbar, weil die Messkette viel zu weit eintaucht.

Im Gegensatz zur Flüssig-ElektrolytMesskette mit Keramikdiaphragma sind Gel-ElektrolytMessketten mit Lochdiaphragma zwar nicht für die pH-Dauermessung einsetzbar. Sie sind aber wesentlich robuster im Einsatz (Kunststoffgehäuse, Armierung) und verschmutzen nicht so schnell. Ist der Elektrolyt verbraucht oder die Messkette stark verschmutzt, muss die Messkette ausgetauscht werden. In ionenarmen Proben kann sie nicht verwendet werden. Unter ca. 300 µS/cm zeigt die Messkette falsche Werte (durch extreme Ansprechzeiten) an. Die gebräuchlichen Flüssig-ElektrolytMessketten können immerhin noch bis Leitfähigkeiten von 50 µS/cm eingesetzt werden. Darunter müssen Elektroden mit Schliffdiaphragma benutzt werden.

In sehr salzarmem Wasser (unter 50 µS/cm) finden Flüssig-Elektrolyt-Messketten mit Schliffdiaphragma Verwendung. Auf Grund der schlechten Leitfähigkeit der Probe muss eine hohe Menge an Elektrolyt aus der Bezugselektrode fließen. Nur so ist eine elektrische Verbindung zwischen Bezugs- und Ableitelektrode möglich.

 

Das richtige Kalibrieren des pH-Messgerätes

Um den pH-Wert einer Lösung messen zu können, müssen einige Dinge beachtet werden. Zuerst ist die pH-Messkette zu kalibrieren (früher als "eichen" bezeichnet). Denn alle Elektroden haben eine bestimmte, von Bauart, Alter, Benutzungshäufigkeit und Messlösung abhängige Charakteristik. Die sogenannte Kennlinie wird erhalten, indem man bei steigendem (oder fallendem) pH-Wert die Spannung der Messkette misst. Bei einer neuen und guten Messkette ist diese Kennlinie in einem großen Bereich (über mehrere pH-Stufen) linear. Die Kennlinie wird gekennzeichnet einmal durch die Steilheit und zum anderen durch die Spannung bei pH 7,0.

Die Steilheit der Kennlinie einer neuen Messkette beträgt bei 25°C 56 bis 59 mV/pH und steigt pro 5°C Temperaturerhöhung um ca. 1 mV. Messketten mit Ag/AgCl/Cl--Bezugselektroden sollten in diesem Bereich liegen, andernfalls können keine genauen Messungen vorgenommen werden. Die Spannung bei pH 7,0 - auch Asymmetriepotential genannt - liegt bei neuen Messketten theoretisch bei 0 mV, praktisch im Bereich von -25 bis 25 mV. (WTW 1989)

Aus diesen Fakten ergibt sich, dass die Messketten bei unterschiedlichen Temperaturen, unterschiedliche Kennlinien besitzen. Folglich ist der pH-Wert nur bei einer bekannten Kennlinie bestimmbar. Infolgedessen muss das pH-Messgerät für eine bestimmte Temperatur kalibriert werden.

Man achte darauf, dass Probe und Kalibrierpufferlösungen die gleiche Temperatur haben (verschlossene Pufferlösungen können in das Aquarium gehalten und ca. 5 min temperiert werden). Die Messkette wird mit destilliertem, vollentsalztem oder Umkehrosmosewasser gründlich abgespült. Die pH-Membran sollte nicht abgetrocknet werden; gutes Abtropfen genügt, um Verunreinigungen zu vermeiden. Danach wird die Messkette in die erste Pufferlösung (pH 7) getaucht. Sowohl Membran als auch Diaphragma müssen voll eingetaucht sein. Nach einigen Minuten ist die Anzeige des Gerätes stabil, und der Regler des Asymmetriepotentials "pH" wird auf den aktuellen pH-Wert gestellt. Zu beachten ist, dass die Pufferlösungen - abhängig von der Temperatur - leicht unterschiedliche pH-Werte besitzen. Bei guten pH-Pufferlösungen (Markenfirma) gibt es dazu Angaben auf den Pufferflaschen. Während der Kalibrierung und der pH-Messung darf die Messkette nicht in den Lösungen bewegt werden oder in einer starken Strömung sein. Ist nach 5 Minuten immer noch kein stabiler Messwert zu erkennen, ist die Messkette für die pH-Messung nicht mehr zu gebrauchen.

Nach dem Einstellen des Asymmetriepotentials wird die Messkette wieder gründlich abgespült und abgetropft. Nun stellt man sie in die zweite Pufferlösung (meist pH 4 oder pH 10, je nach dem gewünschten Messbereich: sauer oder basisch) und wartet ein stabiles Messsignal ab. Ist der angezeigte Wert stabil (wieder nach 5 Minuten), wird der Steilheitsregler "mV/pH" auf den Pufferwert justiert. Nach erneutem gründlichen Spülen kann der pH-Wert gemessen werden.

Bei der Kalibrierung ist zu beachten, dass Pufferlösungen Verbrauchsmaterialien sind. Für die Kalibrierung wird in einem kleinen Gefäß ein wenig Lösung abgefüllt, so dass die pH-Membran inkl. Diaphragma bedeckt ist. Nach der Kalibrierung muss die Pufferlösung weggeschüttet werden. Es ergibt wenig Sinn, ein teures pH-Messgerät zu kaufen und dann mit gebrauchten oder überalterten Pufferlösungen das Gerät falsch zu kalibrieren und damit falsche pH-Messungen durchzuführen. Die pH-10-Lösung ist sehr empfindlich gegenüber Kohlendioxid aus der Luft. Wird die Pufferflasche z.B. nur einen Tag versehentlich unverschlossen gelagert, kann der pH-Wert am nächsten Tag schon um mehr als 0,5 pH gefallen sein (Ramsch 1996). Die Lösung ist dann natürlich nicht mehr zu gebrauchen. Neue Pufferlösungen sollten immer ein Verbrauchs- bzw. Herstellungsdatum tragen. Nur so ist eine einwandfrei Qualität zu sichern.

Wird bei unterschiedlichen Temperaturen von Pufferlösung und Probe gemessen, muss das Messgerät bei genauen Messungen temperaturkompensiert werden. Das kann entweder durch einen Regler am Gerät oder automatisch mit einem Temperaturfühler geschehen. Der Regler muss immer - ob nun in den Pufferlösungen oder in der Probe - auf die gerade aktuelle Temperatur eingestellt sein: also beim Kalibrieren in der ersten Pufferlösung auf die Temperatur des ersten Puffers, in der zweiten Pufferlösung auf dessen Temperatur und schließlich in der Probe auf Probentemperatur. Bei automatischer Temperaturkompensation wird selbstverständlich der Temperaturfühler immer zusammen mit der pH-Messkette in die jeweilige Lösung getaucht. Bei großen Temperaturunterschieden muss der Temperatursensor genügend Zeit bekommen, um sich an die Temperatur anzugleichen. Besonders praktisch sind pH-Messgeräte, die die Temperatur parallel zum pH-Wert anzeigen. Da alle Lösungen bei unterschiedlichen Temperaturen unterschiedliche pH-Werte besitzen, ist eine pH-Wertangabe nur gleichzeitig mit der Temperaturangabe sinnvoll.

mussten beim Kalibrieren einer oder beide Regler sehr weit verstellt werden, sollte danach ein weiteres Mal kalibriert oder zumindest der angezeigte pH-Wert in den Pufferlösungen kontrolliert werden. Abweichungen von 0,1 pH bei Geräten mit einer Stelle hinter dem Komma (Normalanwendung) und von 0,01 pH bei zweistelligen Anzeigen (wissenschaftliche Anwendung) sind vertretbar.

Das richtige Messen des pH-Wertes

Auch bei der pH-Messung müssen einige Faktoren genau eingehalten werden, um zu sicheren Messwerten zu kommen. Wie oben erwähnt, muss das pH-Meter sorgsam kalibriert sein und sich die Messkette in gutem Zustand befinden (s.u.).

Proben mit mittlerer und hoher Pufferkapazität ("Karbonathärte") - ab ca. 5°dH - sind einfach zu messen. Die Elektrode wird in die Lösung gehalten, bis der Messwert konstant ist - ein Messkettenhalter leistet dazu gute Dienste. Der pH-Wert kann als konstant angenommen werden, wenn die Anzeige um weniger als 0,01 pH pro Minute schwankt. Hat das Messgerät nur eine Anzeige, die auf 0,1 pH anzeigt, muss diese für 10 Minuten konstant sein. Verändert sich der pH-Wert selbst noch nach 20-30 Minuten, kann der abgelesene Wert nicht akzeptiert werden. Die Messkette muss überprüft werden.

Bei Proben, die eine geringere Pufferkapazität besitzen, wähle man erstens die richtige Messkette (unter 50 µS/cm Flüssig-Elektrolytelektrode mit Schliffdiaphragma, ab 50 µS/cm Flüssigelektrolytelektrode mit Keramikdiaphragma, ab 300 µS/cm kann auch eine Gelelektrode mit Loch- oder Keramikdiaphragma benutzt werden). Zum zweiten achte man darauf, dass sich die Wasserproben nicht verändern. Aufgrund der geringen Pufferkapazität beeinflusst das Kohlendioxid der Luft die Proben. CO2 diffundiert in die Proben, bildet Kohlensäure, die den pH-Wert erniedrigt. Bei nicht gepuffertem Wasser ("KH-Wert" ca. 0-1) kann der pH-Wert bei leicht bewegtem Wasser um 1,2 pH-Einheiten pro Stunde abfallen - bei starken Bewegungen sogar in den ersten zwei Minuten um 1,8 Einheiten, das sind theoretisch 53 Einheiten pro Stunde (Ramsch 1996). Die Wasserproben müssen deswegen sehr vorsichtig genommen werden: Gefäß vorher 2-3mal mit dem Probenwasser spülen und dann die Proben vorsichtig, d.h. ohne Turbulenzen, einfüllen.

Um die Beeinflussung durch Kohlendioxid zu eliminieren, muss entweder in einem geschlossenen Gefäß ohne Atmosphäre gemessen werden oder direkt im Aquarium. Das Wasser einer Umkehrosmose- oder Vollentsalzungsanlage ist vorzugsweise in Durchflussgefäßen zu messen.

Werden diese Punkte beachtet, kann auch in ungepuffertem Wasser der pH-Wert bestimmt werden. Es muss aber mit Messzeiten von über 10 Minuten gerechnet werden. Erst wenn die Anzeige stabil ist, gibt die Anzeige des Messgerätes den pH-Wert wieder. Mikroprozessorgeräte mit automatischer Driftanzeige (Autoread-Funktion) zeigen erst dann den pH-Wert an, wenn er stabil ist.

Die richtige Lagerung der pH-Messkette

Korrekt lässt sich der pH-Wert natürlich nur messen, wenn die Messkette einsatzfähig ist. Die richtige Lagerung spielt dabei eine wichtige Rolle. Wird die Messkette nicht benötigt, sollte sie vom Gerät getrennt und die Nachfüllöffnung des Bezugselektrolyten verschlossen werden (nicht bei Gelmessketten) - sie altert sonst nur unnötig schnell. Die pH-sensitive Membran und das Diaphragma müssen unbedingt in einer 3 M Kaliumchloridlösung (mindestens Analysenqualität) gelagert werden. Praktisch sind kleine mit der Lösung gefüllte Gummikappen, die auf die Messkette geschoben werden können. Dennoch "kriecht" Kaliumchlorid oft aus der Kappe und bildet weiße Ablagerungen. Die Kaliumchloridlösung sollte deswegen ab und zu, besonders nach sehr langen Lagerzeiten, durch frische Lösung ersetzt werden. Bei trockener Lagerung, altert die Messkette sehr schnell. Bei kurzfristiger Austrocknung kann geholfen werden, indem man die Messkette für mindestens 1 Tag in frischer Kaliumchloridlösung lagert.

Auf keinen Fall darf eine pH-Messkette (und übrigens auch eine Redoxmesskette) in Trinkwasser oder gar destilliertem Wasser gelagert werden. Die Messkette wird bei dieser Behandlung falsch konditioniert und reagiert mit extrem langen Ansprechzeiten. Eine Messung mit falsch konditionierten Messketten ist fast unmöglich. Erst nach mindestens 1 Tag Lagerung in frischer 3 M Kaliumchloridlösung, kann die Messkette wieder normal reagieren.

Bei pH-Dauermessungen in z.B. weichem Diskuswasser wird die Messkette falsch konditioniert. Solange solch eine Messkette in diesem Wasser verbleibt, macht die verlangsamte Ansprechzeit nichts aus - die pH-Schwankungen im Aquarium sind normalerweise sehr langsam. Sobald aber diese falsch konditionierte Messkette für andere Aquarien oder andere Proben eingesetzt werden soll, sind die Ansprechzeiten sehr lang (oft über 10 Minuten) und eine genaue Messung ist kaum durchzuführen, weil man nicht weiß, ob der pH-Wert am Messgerät konstant angezeigt wird. Sollen verschiedene Proben hintereinander gemessen werden, muss die Messkette über Nacht in Kaliumchloridlösung erneut konditioniert werden.

Man lagere das Messgerät in einem trockenen Raum, also nicht in den meist feuchten Aquarienkellern. Pralle Sonne sollte nicht darauf fallen. Bei langer Lagerung ist es besser, die Batterien zu entfernen. Denn "auslaufsicherer" Batterien halten nicht immer, was sie versprechen und können Schäden anrichten.

Das Prüfen und Warten der pH-Messkette

Wird eine Messkette erworben oder nach langer Lagerung in Betrieb genommen, sollte sie geprüft werden.

Zeigen sich keine Besonderheiten wie Glasbruch der Membran, Feststoffablagerungen, Schmutz- oder Fettreste, so wird festgestellt, ob die Messkette kalibrierbar ist. Außerdem sollte das Gerät nach spätestens 10 Minuten in einer Pufferlösung einen stabilen pH-Wert anzeigen.

Verunreinigte pH-Messketten können wieder gesäubert werden. Biologische Ablagerungen (Biofilm) werden mit einem sauberen Tuch und einem Haushaltsspülmittel von der Membran gewischt, hartnäckigere Ablagerungen mit Pepsin-HCl (nicht bei Gelelektroden!). Kalkablagerungen können mit verdünnter Salzsäure entfernt werden. Sulfidhaltige Niederschläge (zum Beispiel in "umgekippten" biologischen "Nitratfiltern" = Denitrifikationsfiltern) werden mit Thioharnstoff entfernt. Salzsäure, Thioharnstoff und Pepsin-HCl gibt es bei den Herstellern.

Ist die Messkette nicht mehr kalibrierbar, sollte zuerst überprüft werden, ob die Pufferlösungen nicht überaltert sind. Auch ein fehlerhafter Anschluss der Messkette kann die Ursache sein (wackeliger Stecker, korrodierte oder feuchte Anschlüsse). Danach kann es sinnvoll sein, den Elektrolyten der Bezugselektrode (meist silberchloridgesättigte 3 M Kaliumchloridlösung) zu wechseln. Sollte die Messkette immer noch nicht kalibrierbar sein, liegen das Asymmetriepotential und / oder die Steilheit außerhalb des tolerierbaren Bereiches. Die Kennlinie der Messkette ist dann nicht mehr linear und eine korrekte pH-Messung nicht mehr möglich. Die Messkette muss ersetzt werden.

Sollte eine zweite Messkette die gleichen Symptome zeigen, wird der Fehler wahrscheinlich beim Messgerät liegen. Es sollte mit einem pH-Simulator beim Hersteller überprüft werden.

Entscheidungshilfen zum Kauf von pH-Messsystemen

Soll nur ab und zu der pH-Wert bestimmt werden? Reicht eine Messgenauigkeit von 0,3-0,5 pH aus? pH-Teststreifen; pH-Testtropfen; wenn vorhanden, Reflektometertest; beim Zoofachhändler oder Aquarienfreund messen; für Dauermessungen gibt es chemische pH-Dauertests
Soll nur Wasser mit einer Leitfähigkeit von über 300 µS/cm gemessen werden? Wird keine Dauermessung vorgenommen? Gelmesskette reicht vollkommen aus*
Wird Wasser mit einer Leitfähigkeit von 50 bis 300 µS/cm gemessen oder ein Regelgerät benutzt? Flüssigmesskette mit Keramikdiaphragma reicht aus*
Wird Wasser mit einer Leitfähigkeit von unter 50 µS/cm gemessen? Flüssigmesskette mit Schliffdiaphragma ist unbedingt erforderlich; Messung im geschlossenen Probensystem oder direkt im Aquarium*
Wird keine Dauermessung durchgeführt? Batterie- oder akkubetriebenes Gerät ist sinnvoll
Soll der pH-Wert kontinuierlich gemessen werden? Gerät mit Netzanschlumm erforderlich
Soll der pH-Wert geregelt werden? Gerät mit Regelausgang erforderlich
Soll das Gerät in der Natur oder an sehr feuchten Orten eingesetzt werden (z.B. Expedition) oder besteht die Möglichkeit, dass das Gerät Wasser oder Staub ausgesetzt wird? Wasserdichte (IP 66) und stoßfeste Geräte sind sehr sinnvoll. Speicher für Messwert ist bequem.
Sollen Messwerte automatisch protokolliert werden? Schreiberausgang oder Computerschnittstelle erforderlich
Soll auch das Redoxpotential gemessen werden? Gerät muss von pH auf mV umschaltbar sein
* für folgende Spezialmessungen müssen andere Messketten verwendet werden: hohe Temperaturen, Feststoffmessungen, Oberflächenmessungen, Lösungen mit Quecksilber-II-, Silber-, Blei-, Sulfid- und Perchlorationen, unter pH-Werten von 0 oder über 12, pH-Werte von über 10 bei Natrium-reichen Proben, Messungen bei Überdruck, extrem verschmutzte Wässer (Abwasser). Beim Kauf sollte auf die mechanische Stabilität der Messkette geachtet werden: Kugelmembranen sind sehr empfindlich gegenüber leichten Stößen, besser sind Zylinder- oder Konusmembranen. Bei vielen billigen Messketten diffundiert aus der pH-Membran schnell der Innenelektrolyt. Dieser kann nicht nachgefüllt werden; die Messkette ist dann nicht mehr zu gebrauchen.


Literatur

Degner, R. & Leibl, S.: pH messen - so wird's gemacht! Weinheim, New York, Basel, Cambridge, Tokyo: VCH.

Ramsch, B. 1996: Der pH-Wert und seine Messverfahren. Das Aquarium. DAS AQUARIUM. Teil 1: Definition und Pufferkapazität 3: 50-54. Teil 2: Chemische Bestimmung des pH-Wertes mit Indikatoren. 4: 50. Teil 3: Potentiometrische Bestimmung des pH-Wertes mit pH-sensitiven Messketten. 5: 50-52. Teil 4: Besondere Messsituationen - eine Frage der Messketten und des Messsystems. 6: 51-54. Teil 5: Wartung von Messketten.7: 26-28. Teil 6: Qualitätskriterien für pH-Messketten und -Messgeräte. 8: 52-53.

Stawikowski, R. 1994: Amazonas - Der Regenwald und seine Fische. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ), Sonderheft Amazonas: 5-9.

Weast, R.C, Astle, M.J. & Beyer, W.H. (edt.) 1985: CRC Handbook of Chemistry and Physics. 65th edition. Boca Raton (Florida): CRC Press.

WTW 1989: pH-Fibel. Einführung in die pH- und Redox-Messtechnik.

Kategorie: Aquarientechnik