Eine kleine Übersicht der mechanischen Filtrationsmöglichkeiten in der Meerwasseraquaristik mit Hinblick auf die zukünftige Rolle der Mikrofiltration.

Zum Artikel: Koralle_106 Seiten 66-69.pdf

Ramsch, B. & Sellner, B.R. 2017: Ultra- und Mikrofiltration für die Meerwasseraquaristik. Korallen 106, 18 (4): 66-69.


 

Die elektronische Bestimmung der Aquarienparameter ist schon seit geraumer Zeit ein fester Bestandteil der routinemäßigen Kontrollarbeiten bei Hobbyaquarien. Oft werden allerdings die Geräte, insbesondere die Messketten, nicht oder nicht ausreichend gewartet, und viele Messwerte sind dadurch fehlerhaft, so dass sie gefährlich falsche Korrekturen der Wasserparameter nach sich ziehen.

Zum Artikel: Koralle_93_Kolorimetrische Messverfahren.pdf

Ramsch, B. & Sellner, B.R. 2015: Kolorimetrische und ionenselektive Messverfahren für die Aquaristik. Koralle 93, 16 (3): 30-36.

Im Meerwasseraquarium - wie in allen Aquarientypen - werden abhängig vom Besatz und dessen Fütterung mehr oder weniger Abfallstoffe produziert. Diese können wie im Süßwasseraquarium durch Bakterien und anderen Einzellern mineralisiert (abgebaut) werden. Im Meerwasserbereich gibt es jedoch eine zusätzliche Technik - die Flotationstechnik oder Abschäumtechnik. Dieses Verfahren entfernt eine Gruppe von Abfallstoffen, ehe diese von Bakterien mineralisiert (zersetzt) werden können, und erniedrigt somit den Sauerstoffverbrauch (die Bakterien brauchen Sauerstoff, um die Stoffe zu zersetzen) und den Eintrag von Nährsalzen (beim Zersetzungsprozess durch die Bakterien werden Nitrat, Phosphat, etc. frei).



Die Geschichte der Aquaristik reicht mehrere tausend Jahre zurück. Die Chinesen begannen wohl als erste mit der Hälterung von Fischen, die nicht zur Ernährung sondern ausschließlich zur Freude des Besitzers dienten. Der jüngste Zweig der Aquaristik - die Pflege und Zucht von Rifforganismen - fand erst in den 70er Jahren seine ernsthaften Anfänge (Fosså 1995). Der Erfolg der Aquarianer hing früher ausschließlich von Erfahrungen und Glück ab. Erst später begann man damit, Faktoren, die für das Überleben und zur Vermehrung von Fischen, Pflanzen und niederen Tieren ausschlaggebend sind, zu messen und Gesetzmäßigkeiten aufzustellen. Die ältesten Parameter - Temperatur, Trübung und Geruch - werden durch immer mehr Faktoren ergänzt. Heute sind Parameter wie pH-Wert, Redoxpotential, Ammonium/Ammoniak, Nitrit/Salpetrige Säure, Nitrat/Salpetersäure, Phosphat, Sauerstoff, Spurenelemente, Lichtfarbe, Lichtstrom und Wasserströmung für die meisten Aquarianer keine Fremdworte mehr. Aber auch die elektrische Leitfähigkeit wird von immer mehr Aquarianern als gut messbarer und reproduzierbarer Parameter eingesetzt.

 

Elektronische Messgeräte funktionieren immer nach dem gleichen Prinzip. Um einen Parameter (Temperatur, pH-Wert, etc.) messen zu können, wird ein Sensor benötigt. Dieser Sensor gibt ein Signal zu einem Messgerät. Das Signal wird elektronisch verarbeitet und der Messwert auf eine Anzeige geben. Kann zusätzlich bei einem bestimmten Wert ein Kontakt geschlossen werden, spricht man von Mess- und Regelgerät. Schaltuhren (Timer), Wasserwechselautomaten, Niveaukontrollen gehören nicht zu den Messgeräten - sie werden den Steuergeräten zugeordnet.

Licht ist physikalisch gesprochen eine Vielfalt von Photonen („Lichtteilchen") mit unterschiedlichen Wellenlängen und unterschiedlicher Intensität (Energie). Bestimmte Wellenlängen nimmt der Mensch (und die meisten Tiere) als Farbeindrücke wahr. So nehmen wir Licht mit der Wellenlänge 660 nm (Millionstel Millimeter) als rot, mit 530 nm als grün und mit 420 als blau wahr. Licht mit einer Wellenlänge von über 780 nm sehen wir nicht mehr, sondern spüren es als Wärmestrahlen; man nennt es auch Infrarot (oder Ultrarot). Hat das Licht eine geringere Wellenlänge als 380 nm sehen wir es ebenfalls nicht mehr, sondern bekommen einen Sonnenbrand, wenn wir zu lange dieser Strahlung ausgesetzt sind. Dieses sogenannte Ultraviolett oder kurz UV wird in drei Abschnitt geteilt: UV A (380 bis 320 nm), UV B (320 bis 280 nm) und UV C (280 bis 200 nm).

 

Der pH-Wert ist im Diskus-Aquarium von entscheidender Bedeutung. Zum einen sind die Fische an niedrige pH-Wert gewöhnt, zum anderen wird das Bakterienwachstum in sauren Wässern gehemmt. Schwarzwasser, ein typisches Biotop für den Diskus, kann pH-Werte von pH 3,8-4,9 aufweisen (Stawikowski 1994). Diese extremen Werte sind indessen weder für die Haltung noch für die Zucht erforderlich und zu empfehlen. Zu leicht besteht überdies die Gefahr, dass das ungepufferte Wasser durch säurebildende Bakterien (z.B. Nitrifikanten) noch saurer wird (Säuresturz) und die Diskusbuntbarsche tötet. Im allgemeinen werden pH-Werte von 5,5 bis 6,5 von Jung- und Altfischen gut vertragen. Wesentlich höhere Werte sollten aufgrund des vermehrten Bakterienwachstums und der Ammoniakvergiftungsgefahr auf keinen Fall im Aquarium eingestellt werden. Es wäre riskant auszuprobieren, welche extremen pH-Werte die Fische noch ertragen. Das Ziel sollte vielmehr die optimale Hälterung sein.

 

Der pH-Wert ist einer der wichtigsten Parameter, der einen aquatischen Lebensraum charakterisiert. Das Leben spielt sich im allgemeinen bei pH-Werten von ca. 5 bis 10 ab. Jedoch gibt es auch extreme Ausnahmen: z.B. wächst das Bakterium Thermoplasma acidophilum bei pH-Werten von 1-2 und einer Temperatur von 59°C optimal, das Schwefelbakterium Sulfolobus acidocaldarius bei pH 2-3 und 70-75°C (Schlegel 1985).