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Nitrat - muss ein Filter her?



  autotropher Nitratfilter ("Schwefel-Nitrat-Filter") versus
heterotropher Nitratfilter ("Alkoholfilter").
Fotos: AquaCare

Welcher Nitratwert ist richtig?
Wann sollte ein Nitratfilter eingesetzt werden?
Pro und Contra der Nitrat-Systeme


Wenn es um das Thema Nitratfilter geht, gibt es - wie für fast alle aquaristische Themen - eine Vielzahl von Meinungen und Erfahrungen. Grundsätzlich muss vor dem Einbau eines Filtersystems klar sein, ob es überhaupt nötig ist, und sind Wirkungen und Nebenwirkungen bekannt. Nur weil eine Neuentwicklung alles mögliche verspricht oder ob das Filtersystem gerade "in" ist, sollten keine Gründe für den Einbau des Systems sein.


Welcher Nitratwert ist richtig?

"Mein Aquarium sollte genau den Nitratwert haben, der in der Natur zu finden ist!" Diese Wunsch spiegelt zwar den Willen wider, die Natur zu kopieren und den Tieren ideale Bedingungen zu schaffen, führt aber oft in der aquaristischen Praxis zu Problemen. Dem Aquarianer muss immer bewusst sein, das das Heimaquarium nie in einem natürlichen Gleichgewicht steht, und das Messwerte aus der Natur nicht unbedingt richtig für das Aquarium sind. Gerade Nitrat und auch Phosphat müssen im Riffaquarium zu übernatürlich hohen Konzentrationen angeboten werden, um Mangelerscheinungen zu verhindern. In der Natur übernimmt das Plankton die Aufgabe der Stickstoff- bzw. Phosphorquelle. Im Aquarium fehlt jedoch Plankton, so das die Tiere Stickstoff und Phosphor aus dem Wasser nehmen müssen. Alternativ kann mit organischen Suspensionen (organische Additive) gefüttert werden.

Nitrat wird in letzter Zeit - ebenso wie das Phosphat - als Schadstoff verurteilt. Bei hohen Konzentrationen stimmt diese Aussage sogar. Aber im niedrige Konzentrationsbereicht sieht die Sache schon anders aus. Um zu entscheiden, ob Nitrat gut oder schlecht ist, muss zunächst einmal erkannt werden, welche Wirkungen Nitrat auf Lebewesen hat.

Nitrat führt zu Algenwachstum:
Je mehr Nitrat im Aquarium ist desto leichter fällt es Schmier- und Grünalgen sich gegenüber den sessilen Niederen Tiere, die ebenfalls Nitrat als Stickstoffquelle aufnehmen, durchzusetzen. Dieses gilt insbesondere, wenn andere Nährstoffe (Phosphat, Kohlendioxid, Eisen, Jod) ebenfalls in Hülle und Fülle vorhanden sind. 

Nitrat schädigt empfindliche Korallen:
Nitrat schädigt insbesondere in Kombination mit Phosphat direkt Korallen. Die Empfindlichkeit gegenüber diesen beiden Wasserinhaltsstoffen schwankt von Tiergruppe zu Tiergruppe und extrem stark von Art zu Art. Auch das Verhältnis zwischen den Nährstoffen zueinander scheint eine Rolle zu spielen. 

So können einige Weichkorallen durchaus mit Nitratkonzentrationen weit über 100 mg/l fertig werden - im Gegenteile: sie erreichen extreme Wachstumsraten. Steinkorallen sind im Allgemeinen empfindlicher gegenüber Nitrat. Aber auch in dieser Gruppe können einige Korallen (z.B. Fungia) erhöhte Nitratwerte gut ertragen. Weil die Empfindlichkeit der kalkproduzierenden Systeme der Tiere unterschiedlich durch Nitrat und Phosphat gehemmt werden, ist es dementsprechend schwierig, allgemeingültige Konzentrationen für Nitrat anzugeben.

Nitratmessproblematik:
Nitrat mit Tropfen- oder Streifentests nasschemisch zu bestimmen ist von der chemischen Seite hergesehen sehr kompliziert, weil die Chemikalien leicht verderblich sind und dementsprechend falsche Ergebnisse liefern. Jeder Aquarianer muss sich darüber im Klaren sein, dass die aquaristischen Tests nur sehr grobe Ergebnisse mit zum Teil über 100% Abweichung liefern. Besser eignen sich kleine Photometer, die immerhin unter Laborbedingungen 10-20% Abweichungen aufweisen - unter aquaristischen Bedingungen sicherlich mehr. 

AquaCare-Empfehlung der optimalen Nitratkonzentration in Riffaquarien:
Aus unseren Erfahrungen empfehlen wir Nitratkonzentrationen im Riffaquarium zwischen 5 und 20 mg/l. Darunter kann es bei einigen Tieren zu Mangelerscheinungen, darüber zu Schädigungen führen.

Wann sollte ein Nitratfilter eingesetzt werden?

Mit Artemia gefütterte Tubastrea spec. verursacht hohe Nitratkonzentrationen, die auf Dauer nicht ohne aktive Nitratreduzierung zu akzeptieren sind.
Foto: AquaCare

Grundsätzlich gilt, dass jedes System vor dem Einsatz im Aquarium überprüft werden sollte. Die wichtigste Frage ist, ob ein Nitratfilter überhaupt notwendig ist. Selbst renommierte Aquarianer veröffentlichen Testergebnisse, die schon bei dieser Frage nicht korrekt durchgeführt wurden. So wurde bei einem Aquarium mit einer Nitratkonzentration von 20-30 mg/l Nitrat ein Nitratfilter mit Schwefelsubstrat eingesetzt. Innerhalb weniger Tage ist die Nitratkonzentration unter die Nachweisegrenze (0,1 mg/l) gefallen. Dass bei Nitratmangel negative Effekte auftraten ist nicht verwunderlich. Die Korallen wurden in diesem Fall auch nicht mit Plankton gefüttert, um diesen Mangel auszugleichen. Die aufgetretenen negativen Effekte auf den Nitratfilter zu schieben, ist natürlich die einfachste Lösung - den Bedienungsfehler bei sich zu suchen hingegen nicht.

Ein Nitratfilter sollte nur eingesetzt werden, wenn erhebliche Nitratkonzentrationen im Aquariumwasser vorhanden sind, die nicht durch Wasserwechsel, passive Systeme oder Futterwechsel bzw. Futterbehandlung reduzierbar sind. Ebenso sollte der Nitratfilter so eingestellt werden, dass die Nitratkonzentration nicht unter 5 mg/l fällt (außer es wird JEDEN Tag/Nacht für die Tiere verwertbares Plankton verfüttert). Sollte die Durchflussleistung des Filters nicht weiter zu drosseln sein, kann ein Großteil des Filtersubstrates aus dem Reaktor genommen werden. Auch ein Betrieb in Intervallen oder das Einsetzen einer Dosierpumpe ist machbar. Auf jeden Fall sollte der Nitratfilter nicht zu groß ausgelegt sein. In diesem Fall ist ein kleiner Filter meist besser einsetzbar als ein großer. 

In normalen Riffaquarien, in denen nur weniger Fische schwimmen und/oder nur wenig gefüttert wird (nicht zu empfehlen!) reicht meist eine passive Nitratfilterung (Bodengrund, Lebende Steine, Jaubert-System, Algenfilter etc.) aus. In Aquarien, in denen viel gefüttert wird, ist ein Nitratfilter sinnvoll, aber nur wenn die Nitratkonzentration mit anderen Mitteln nicht reduziert werden kann. In reinen Fischaquarien kann der Nitratwert natürlich bis auf Null gesenkt werden. Fische erhalten ihren Stickstoff aus dem Futter.

 

Pro und Contra der Nitrat-Systeme

In der Aquaristik sind zwei Systeme zur Nitratreduzierung bekannt: das autotrophe System mit Schwefel und das heterotrophe System mit organischen "Futter" (Alkohle z.B. "Wodka-Filter", Stärke, "Deni-Balls" = biologisch abbaubare Füllkörper, organische Säuren z.B. "Nitratkiller", etc.). Jedes System (autotroph-heterotroph) hat seine Vor- und Nachteile. In der Nachfolgenden Tabelle sind Vor- und Nachteile der aquaristischen aktiven Nitratfilter aufgeführt. Bei technischen Versionen siehe z.B. RBR sind einige Nachteile durch erhöhten technischen Aufwand (aufwendige Steuerungen, exakte Dosierpumpen, Nitratanalyzer, etc.) eliminiert.

autotropher Filter
"Schwefel-Nitrat-Filter"
heterotropher Filter "Nitratkiller"
 
benötigt keine gleichmäßige Zufuhr eines Nährmediums

benötigt gleichmäßige Zufuhr der Nährlösung (außer "Deni-Balls")

wird direkt in das Aquarium geben

Überdosierung nicht möglich

Überdosierung möglich und kann zu Trübungen und Sauerstoffmangel im Aquarium führen

Überdosierungen sehr leicht möglich und kann zu Trübungen, Sauerstoffmangel und zum Sterben der Tiere führen

Risiko zur Sulfatreduktion niedrig

Risiko zur Sulfatreduktion (stinkt nach faulen Eiern) erheblich größer

keine Sulfatreduktion (vorher sind sämtliche Tiere verendet)

lange Einfahrphasen von mehreren Wochen möglich

kurze Einfahrphase von wenigen Tagen

keine Einfahrphase

geringes Bakterienwachstum und damit geringer Verstopfungsgefahr

hohes Bakterienwachstum und damit hohe Verstopfungsgefahr

Bakterienblüten möglich

geringe laufende Kosten (eine Filterfüllung reicht für mehrere Jahre)

hohe laufende Kosten (Nährmedium)

geringe Kosten


überarbeitet: 10. September 2016

Kategorie: Wasserchemie/-physik