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Aiptasia spec. (Glasrose) - eigentlich schön, aber aggressiv


 
Fortgeschrittener Befall eines Aquariums mit leicht grünlich fluoreszierenden Aiptasien.
Die ersten Korallen werden bereits vernesselt (der untere Stamm der braunen Pocillopora).
Foto: AquaCare. 


Wenn Sie um die Glasrosenplage nicht gekümmert wird, endet jedes Aquarium in einer Glasrosen-Monokultur.
Foto: AquaCare

Wenn eine Schönheit zur Plage wird
Methoden zur Bekämpfung
- Mechanische Techniken
-
Biologische "Kriegsführung"
- Calciumhydroxid
- Salzsäure
- Wasserklima
- Prophylaxe


 

Wenn eine Schönheit zur Plage wird

"Die sieht aber schön aus!" Dies oder Ähnliches hat jeder Meerwasseraquarianer beim Anblick der ersten Glasrose gesagt oder gedacht. Wenn es doch nur bei dieser einen bleiben würde!

Zweifelsohne sind Anemonen aus der Gattung Aiptasia recht hübsch anzuschauen - nicht selten werden Lebende Steine, die mit Aiptasien bewachsen sind, als "Anemonensteine" verkauft. Die Färbung variiert von weiß bis braun, teilweise sind fluoreszierenden Pigmenten eingebettet. Die Tentakellänge reicht von halber Körperlänge bis zu einem Vielfachen. Das Fressverhalten ist sehr interessant und kann bei diesen fast transparenten Tieren sehr gut beobachtet werden. Die Tiere sind äußerst robust und vertragen fast alle Fehler, die ein Aquarianer machen kann. Eigentlich sind sie die perfekten Anfängertiere. 

Aiptasien haben nur zwei entscheidende Nachteile:
1. sie können sich explosionsartig vermehren und sind in der Lage das Aquarium in eine Monokultur zu verwandeln und
2. sie nesseln sehr stark und können anderen sessilen Tieren dementsprechend aggressiv gegenübertreten. Es gibt nur wenige Niedere Tiere, die sich von Glasrosen nicht beeindrucken lassen.

Jeder Aquarianer wird früher oder später vor der Frage stehen: wie werde ich die Aiptasien wieder los.

 

Methoden zur Bekämpfung

Gerade zu diesem Thema werden Sie eine Vielzahl von Tipps und Tricks finden - einige Methoden sind zu empfehlen andere sind in der Anwendung nicht ganz so einfach und sicher.

 

Mechanische Techniken

Wir können von mechanischen Techniken nur abraten. Meist kann man die Tiere zerstören, doch aus den Überresten entwickeln sich sehr schnell jede Menge neue Tiere - und zwar im ganzen Aquarium verteilt.

Nur wenn das Tier im Ganzen entfernt werden kann, ist die mechanische Methode sinnvoll. Das schafft man aber meist nur, wenn man ein Tier auf einer glatten Fläche, z.B. auf einer Scheibe, sitzen hat. Dann kann es vorsichtig mit einem Kunststoffschaber oder Rasierklinge im Ganzen entfernt werden.

 

Biologische "Kriegsführung"

Die "einfachste" Methode, den Glasrosen Einhalt zu gebieten, ist das Einbringen von Glasrosen fressenden Tieren. Leider fressen nur wenige Tiere Glasrosen, viele von ihnen nicht ausschließlich Glasrosen, sondern auch andere Niedere Tiere. Oder die biologischen Bekämpfer werden zu groß, sind kurzlebig, sind empfindlich, sind selten im Handel zu erwerben, gehen nur an die jungen Glasrosen heran und sterben, sobald keine Glasrosen mehr vorhanden sind (aber keine Angst, die Aiptasien kommen bestimmt wieder!).

Die unten aufgeführten Tiere sind keine Garantie für eine aktive und erfolgreiche Glasrosenbekämpfung, die keine "Lateralschäden" verursacht, z.B. das Dezimieren der Korallen. Oft werden Glasrose auch nur angerührt, wenn die Tiere (gerade Fische) Kohldampf schieben - und das ist der schlechteste Weg Korallentiere zu halten. Werden Tiere in das Aquarium eingesetzt, sollten sie gut und abwechslungsreich gefüttert werden (siehe Fütterung der Meerwassertiere).

Scatophagus argus (Argusfisch): Glasrosenfresser; wird aber zu groß in normalen Riffaquarien.

Acreichthys tomentosus (Seegras-Feilenfisch): keine 100%ige Sicherheit, dass er Glasrosen frisst. Er ist aber nicht so empfindlich, wie die unten genannten Fische.

Chaetodon auriga, C. kleinii, C. lunula, C. unimaculatus, Chelmon rostratus, Forcipiger longirostris: zumeist sehr empfindliche Fisch, die trotz ausgereifter Technik nur schwer haltbar sind. Übergriffe auf andere Tiere sind möglich und Glasrosensicherheit sind bei weitem nicht gegeben. Bei diesen Arten wird die Ersatzfutterentwicklung in der Zukunft eine große Rolle spielen.

Aeolidiella Stephanieae ("Berghia verrucicornis"): diese glasrosenfressende Nacktschnecke frisst ausschließlich Aiptasien. Sind diese vernichtet verhungert die Schnecke. Aber einige wenige Zellreste der Glasrosen können sich langsam wieder erholen und zur nächsten Plage werden. Um einen dauerhaften Schutz gegen Glasrosen aufzubauen, müssen Glasrosen in einem Extrabecken gezüchtet werden, damit die "Berghia" regelmäßig gefüttert werden kann. 

Lysmata wurdemanni: diese scheue und kurzlebige Garnele frisst aktiv Glasrosen, wenn auch nur kleinere Exemplare. Der hohe Preis im Handel bei maximal 2 Jahren Überlebensdauer, lässt diese Methode schnell zu einem teuren Vergnügen werden. Diese Tiere sollten nur eingesetzt werden, wenn die Garnelen in ein ruhiges Becken gesetzt werden, damit man sie überhaupt einmal sieht. Eine Nachzucht ist relativ einfach möglich und kann bei Fans dieser Tiere zu einer (nebenbei) erfolgreichen Glasrosenbekämpfung führen. - Lysmata seticaudata soll Glasrosenpopulationen ebenfalls in Schach halten (Krause 2009).

Centropype sp.: die Zwergkaiser fressen keine ausgewachsenen Glasrosen. Jedoch die kleinen Übeltäter werden regelmäßig von zumindest einigen Arten gefressen. Wir konnten in Becken, in denen folgende Arten vertreten waren, keine Glasrosen (im Filterbecken schon) entdecken: C. loriculus, C. bispinosus, C. multispinis, C. eibli, C. potteri. 


Die auf Glasrosen spezialisierte Aeolidiella stephanieae kurz vor dem Schlüpfen.
Foto: AquaCare

Calciumhydroxidmethode

Aiptasien können mit Calciumhydroxid zersetzt werden. Dazu werden zuvor die Strömungspumpen im Aquarium ausgestellt. Nun kann ein Brei aus Calciumhydroxid und Umkehrosmosewasser (einige Sekunden in der Mikrowelle erhitzen erhöht die Wirkung) in eine Einwegspritze aufgezogen werden. Mit einer sehr dicken Kanüle können nun einzelne Tiere schnell angestochen und mit dem weißen Brei gefüllt werden. Die Glasrose zieht sich schnell zusammen wird aber trotzdem verätzt - oft mit nachhaltigem Erfolg. Ganze Kolonien können mit dem Brei abgedeckt werden. Nach ca. 1/4 Stunde darf die Strömung wieder in Betrieb genommen werden. Meist reicht eine "Behandlung" nicht aus. Gerade sehr große Glasrosen können sich wieder aus kleinsten Resten regenerieren. Dann wachsen aber zu Beginn nur sehr kleine Exemplare, die mit einer zweiten Behandlung meist vollständig zerstört werden können. Die Bekämpfung muss regelmäßig durchgeführt werden, um dauerhaft Erfolg zu haben. Bei Glasrosen, die direkt an oder auf anderen Tieren sitzen kann die Methode natürlich nicht angewendet werden. Die erwünschten Tiere werden durch das Calciumhydroxid ebenso geschädigt oder getötet.

 
Achtung! Calciumhydroxid und dessen wässrige Lösung ist stark alkalisch. Es sollten nie zu große Flächen auf einmal behandelt werden. Überwachen Sie den pH-Wert im Aquarium und beachten die Benutzungshinweise auf der Verpackung.

 
Set zur Bekämpfung von Glasrosen mit Calciumhydroxid

Salzsäure

Um die Glasrosen mit Salzsäure zu zerstören, muss Salzsäure (nicht über 10%ig) mit einer Einwegspritze und einer großen Kanüle direkt in die Tiere injiziert werden. Bei dieser Methode muss ebenfalls auf den pH-Wert - besonders bei niedriger Karbonathärte - geachtet werden. Auf keinen Fall sollte eine andere Säure benutzt werden. Phosphorsäure lässt den Phosphatwert drastisch ansteigen; Schwefelsäure ist extrem gefährlich in der Handhabung; organische Säure belasten das Wasser und können zu einer Bakterienblüte führen. 


Salzsäure ist ätzend und muss mit Vorsicht benutzt werden. Beachten Sie die Sicherheitshinweise auf der Salzsäureflasche.


Wasserklima

Alle Faktoren, die ein üppiges Wachstum und Vermehrung der Aiptasien verursachen, sind nicht bekannt. Die Glasrosen können sowohl im Dunklen (heterotroph) als auch bei starkem Licht (autotroph) wachsen und gedeihen. Die Fütterung zu vermindern, nur um den Glasrosen weniger Chancen einzuräumen, ist nicht die richtige Methode. Ihre Fische werden ohne gute Fütterung abmagern, aggressiv und krank werden. Leider sprechen Glasrosen auch auf partikuläres Futter (z.B. Plankton) sehr gut an. Die Korallen können leider nicht so gefüttert werden, dass nichts mehr für Glasrosen übrig bleibt. 

Es sollte darauf geachtet werden, dass die allgemeinen Wasserparameter sich im normalen Rahmen befinden. Gerade Nitrat und Phosphat sollte nicht als Dünger in großen Mengen vorliegen. Auch Glasrosen wachsen mit diesen Nährstoffen wesentlich schneller und kräftiger heran. Es wird aber nicht möglich sein, die Nährstoffe so im Aquarium herunterzufahren, dass Glasrosen verkümmern und absterben. Die anderen Niederen Tiere sterben garantiert eher ab.

Prophylaxe

Ist ein Aquarium glasrosenfrei - durch welche Umstände auch immer -, sollten neue sessilen Niedere Tiere, die fast immer auf kleinen Steinchen angewachsen sind, nicht direkt in das Aquarium gesetzt werden. Zur allgemeinen Prophylaxe gegen Glasrosen, aber auch gegen die ebenfalls sehr vermehrungsfreudigen Turbellarien, sollte jedes neue Tier für ca. 10-15 sec. in Umkehrosmosewasser (25°C) getaucht werden. Die unerwünschten Gäste, die oft nicht zu sehen sind, sterben meist ab. Fast alle Stein-, Weich- und Lederkorallen vertragen die Prozedur gut.

Kategorie: Tiere