Sellner, B.R. & Ramsch, B. 1996: Umkehrosmoseanlagen - Wie wichtig ist die Wartung? Das Aquarium 1 (319): 40-48.
von Beate R. Sellner* und Burkhard Ramsch*
Alles auf der Erde vorkommende Leben ist abhängig von Wasser in
ausreichender Menge und Qualität. Der gesamte Wasservorrat der Erde wird auf
1,5 Milliarden Kubikkilometer geschätzt - das ist ein gedachter Würfel mit der
Kantenlänge 1100 Kilometer. Der größte Anteil ist in der Gesamtheit der Weltmeere
gespeichert (94%). Vom verbleibenden Rest - Süßwasser - ist jedoch nur ein Bruchteil
für die Wasserversorgung verwendbar. (Schwoerbel 1987)
Der komplette Wasservorrat zirkuliert in einem gewaltigen Kreislauf, so dass Verunreinigungen in Boden, Luft oder Wasserkörper früher oder später auch in allen
Gebieten eintreffen, die zur Trinkwasserversorgung genutzt werden. Die
Wasserversorgungsunternehmen sind durch die Leitsätze für die zentrale
Trinkwasserversorgung, Eigenversorger durch die Leitsätze für die Einzelwasserversorgung
(DIN 2000 und DIN 2001) angehalten, eine Mindestqualität des Trinkwassers einzuhalten.
Dabei spielen sowohl ernährungsphysiologische Gesichtspunkte eine zentrale Rolle als auch
Aspekte wie Korrosionsschutz und Steinablagerung. (Aurand et
al. 1991)
Die Qualität der für die Trinkwassernutzung zur Verfügung stehenden Gewässer ist sehr
unterschiedlich. Deswegen müssen einige Methoden und Zusätze angewendet werden, um die
Richtlinien einhalten zu können. Neben Filterung und Flockungen werden dem Wasser
Zusatzstoffe wie Chlor, Chlordioxid, Ozon, Kaliumpermanganat, Wasserstoffperoxid,
Natriumperoxidsulfat und Kaliummonopersulfat zur Oxidation organischer und anorganischer
Inhaltsstoffe sowie zur Desinfektion zudosiert. Als Korrosionsschutz für das
Metallrohrleitungssystem dient eine Reihe von Phosphaten und Silikaten.
Viele der gesetzlich erlaubten Trinkwasserinhaltsstoffe sind für die Aquaristik nicht
akzeptabel. So sind Phosphat, Silikat und Nitrat Stoffe, die ein starkes Algenwachstum
verursachen können - sie wirken eutrophierend. In Weichwasseraquarien sind ebenfalls die
- meist geogene - Karbonathärte (Säurekapazität bis pH 4,3) und Gesamthärte
(Summe Erdalkalien) unerwünscht. Ist zu viel an Karbonathärte vorhanden, kann der für
die meisten Weichwasserfische erforderliche niedrige pH-Wert schlecht eingestellt werden.
Weiterhin sickern Pestizide wie Atrazin, Simazin und Lindan, die seit den 50er und 60er
Jahren eingesetzt wurden, langsam, aber sicher in die Grundwasserleiter. Das belastete
Grundwasser wird durch Förderbrunnen in unser Trinkwassernetz eingespeist.
Die steigende Konzentration schädlicher Stoffe bringt die Beschäftigten einiger
Wasserwerke an den Rand der Verzweiflung. Der Gesetzgeber verhindert weder die Eintragung
dieser Schadstoffe noch reduziert er sie entschieden. Statt dessen passt er die Gesetze
den Wünschen der verursachenden Industrien an. Seit Jahren lebt Deutschland mit einer
Sondergenehmigung: Nitrat darf in der Bundesrepublik bis 50 mg/l im Trinkwasser
enthalten sein - der EG-Wert liegt bei nur 25 mg/l. Europaweit versuchen Lobbyisten,
die erlaubten Konzentrationen an Pestiziden zu erhöhen. Die sinnvolle Regelung, das
Einzelpestizid auf 0,1 µg/l und die Summe der Pestizide auf 0,5 µg/l zu
begrenzen, soll nach Meinung der EU-Landwirtschaftsminister durch die Festlegung der
Grenzwerte eines jeden Pestizids abgelöst werden; die Summierung würde damit ignoriert
werden.
Es ist richtig, dass sich die Stoffkonzentration, bei der Wirkung auf einen bestimmten
Organismus erkennbar ist, von Pestizid zu Pestizid um weit mehr als den Faktor 1000
unterscheiden kann. So erscheint es sinnvoll die Grenzkonzentration für jeden Stoff zu
ermitteln. - Gewaltige Probleme wird es mit der propagierten Lösung bei der Analyse des
Trinkwassers geben. Nach der alten Verfahrensweise können auch kleinere
Wasserversorgungsunternehmen die Summe der Pestizide in einem Gesamttest erfassen.
Müsste
jeder Stoff einzeln detektiert werden, stiege der analytische Aufwand immens. Nachteilig
ist ebenfalls, dass die Industrie nicht verpflichtet ist, die Nachweismethode für neu
entwickelte Stoffe den Wasserwerken mitzuteilen.
Die Trinkwasserproblematik verschärft sich noch. Es sind Bestrebungen im Gange, in Europa
die heute verbotenen Stoffe DDT und Lindan wieder als Pestizide zuzulassen. In der
jüngsten Zeit sollen Rückstände von Medikamenten im Trinkwasser aufgetaucht sein. Auch
die Pflanzenschutzmittel, die in den 80er und 90er Jahren eingesetzt wurden, sind eines
Tages im Grundwasser wiederzufinden. Die Liste der unerwünschten Stoffe steigt stetig an.
Als Folge unseres unverantwortlichen Verhaltens gegenüber dem wichtigsten Rohstoff
steigen die Konzentrationen hunderter organischer und anorganischer Verbindungen. Ihre
Einzelwirkung auf den Menschen ist kaum, die Folgen ihrer Summierung noch gar nicht
erforscht. Grenzkonzentrationen für das Hältern oder die Zucht von Fischen sind
äußerst rar und beziehen sich ausschließlich auf Nutzfische im Kaltwasser (Ramsch
1994). Untersuchungen bei tropischen Zierfischen oder gar den empfindlichen
Meerwasserorganismen gibt es nicht.
Der Aquarianer steht meist vor dem Problem: "Wie kann ich aus Leitungswasser für
mein Aquarium vernünftiges Wasser machen?"
Neben Ionenaustausch (Vollentsalzung), Aktivkohlefilterung und Destillation hat die Umkehrosmosetechnik einen festen Platz bei der Wasseraufbereitung eingenommen. Die Vorteile liegen in der hochgradigen Entfernung von allen Wasserinhaltsstoffen sowie in der einfachen und sicheren Handhabung (siehe Tab. 1).
Methode |
Ionenaustausch |
Aktivkohle |
Destillation |
Umkehrosmose |
Anschaffungskosten |
mittel |
niedrig |
hoch |
hoch |
Betriebskosten |
mittel |
niedrig |
sehr hoch |
hoch |
Stromkosten |
nein |
nein |
hoch |
(nein) |
Abwasser/Spülwasser |
ja |
(nein) |
ja |
ja |
Wartungsaufwand |
hoch |
niedrig |
niedrig |
niedrig |
Kontrolle möglich |
ja |
nein |
ja |
ja |
pH-Veränderung |
ja |
nein |
ja |
ja |
Entfernung von: Härte |
ja |
nein |
ja |
ja |
Entfernung von: Nitrat |
ja |
nein |
ja |
ja |
Entfernung von: Phosphat |
ja |
nein |
ja |
ja |
Entfernung von: Kieselsäure |
(ja) |
nein |
ja |
ja |
Entfernung von: Salzkonzentration |
ja |
nein |
ja |
ja |
Entfernung von: organische Spurenstoffe |
nein |
ja |
ja |
ja |
Tab. 1: Vergleich einiger Wasseraufbereitungsmethoden
Die Umkehrosmosetechnik (englisch: reverse osmose) ist einer extrem
feinen Filtration vergleichbar und wird daher auch als Hyperfiltration bezeichnet. Die
bekannte "gröbere" Filtriertechnik - wie sie z.B. in jedem Aquarienfilter
verwirklicht wird - benötigt im Gegensatz zur Umkehrosmosetechnik keinen Druck. Die
Umkehrosmosemembranen besitzen eine so feine Struktur, dass sie semipermeable
(halbdurchlässige) Eigenschaften besitzen. Dieses besondere Charakteristikum trägt zur
technischen Umkehrung des in der Natur weit verbreiteten Prinzips der Osmose bei.
Osmose - d.h. selbsttätige Stoffwanderung durch Membranen - tritt immer dann auf, wenn
zwei wässrige Lösungen mit unterschiedlichen Ionenkonzentrationen (unterschiedlich
vielen Salzteilchen) durch eine halbdurchlässige Membran voneinander getrennt sind. Die
semipermeable Membran lässt nur das Lösungsmittel, nicht aber die gelösten Substanzen
durch. Denn damit kann zum einen der Wasserhaushalt einer jeden Zelle reguliert und zum
anderen der stabilisierende Innendruck (Turgor, osmotischer Druck) aufrecht gehalten
werden.
Physikalisch gesehen, sind Teilchenlösungen, die voneinander durch Membranen getrennt
sind, immer bestrebt, ihre Konzentration auszugleichen. Also wollen Teilchen der
hochkonzentrierten Seite auf die Seite der niedrigeren Konzentration gelangen. Da die
Membran eine Barriere darstellt, die die größeren Teilchen nicht ohne weiteres
durchwandern können, strömen statt dessen die kleineren Wassermoleküle von der niedrig
konzentrierten Seite auf die höher konzentrierte. Dabei fließen die Wassermoleküle so
lange, bis entweder die Teilchenkonzentrationen der beiden Seiten ausgeglichen sind oder
ein Druck auf der hochkonzentrierten Seite aufgebaut wird - der sogenannte osmotische
Druck. Dabei gehorcht der osmotische Druck einer stark verdünnten Lösung den Gesetzen,
die für ideale Gase gelten. Er steigt proportional zur Konzentration der Lösung an und
nimmt proportional zur Temperatur zu.
Osmoseprozesse sind uns allen schon einmal begegnet. Wir ernten z.B. nach einem
Regenschauer reife Kirschen und stellen fest, dass sie eingerissene oder vernarbte Stellen
bekommen haben. Hier hat die Kirschhaut die Funktion einer semipermeablen
(halbdurchlässigen) Membran übernommen. Auf der Innenseite dieser Membran befindet sich
der Kirschsaft mit einer hohen Teilchenkonzentration in Form von Zucker, außen hängen
die Regentropfen, die als ideales Lösungsmittel fungieren. Da die Zuckermoleküle
aufgrund ihrer Größe nicht durch die Membran nach außen wandern können fließen statt
dessen die Wassermoleküle ins Innere der Kirsche. Eine reife Kirsche kann jedoch ihr
Volumen nicht wesentlich vergrößern, um das zusätzliche Wasser aufzunehmen. Folglich
steigt der Innendruck der Kirsche so weit an, bis die Kirschhaut schließlich einreißt.
Bei der Umkehrosmosetechnik wird das Osmoseprinzip umgekehrt. Auf der Seite mit den hohen
Ionenkonzentrationen (Leitungswasser, Rohwasser) wird ein Druck angelegt
(Wasserleitungsdruck), der das Wasser in die andere Richtung zwingt, nämlich auf die
Reinwasserseite mit der niedrigeren Konzentration. Die unerwünschten gelösten Stoffe
können aufgrund ihrer molekularen Größe nicht durch die ultrafeine Membran gelangen.
Auf der Reinwasserseite sammelt sich somit ausschließlich gesäubertes Wasser.
Sowohl Wasserleistung als auch Qualität des Reinwassers (Permeats) werden
von einigen Größen beeinflusst. Die wichtigste Rolle spielt dabei der Wasserdruck, der
an der Umkehrosmosemembran anliegt. Je höher der Druck, desto mehr Reinwasser kann die
Anlage pro Stunde produzieren. Zum Beispiel erzeugt eine Umkehrosmosemembran, die bei
4 bar 90 Liter pro Tag liefert, bei 8 bar bereits 180 Liter. Bei
halben Druck kann mithin nur die Hälfte der Reinwasserleistung erreicht werden.
Sinkt der Wasserdruck, sinkt auch die Rückhalterate einer Umkehrosmoseanlage. Die
Rückhalterate
ist ein Maß für den Reinigungsvermögen einer Membran:
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Moderne Umkehrosmoseanlagen halten bei 4 bar Wasserdruck 95 bis 97%
der Stoffe zurück. Bei steigendem Druck kann die Rückhalterate leicht verbessert werden.
Unter 3-4 bar fällt sie jedoch weit unter 90%. Besonders kritisch sind dabei die
Stoffe, die sowieso nicht gut zurückgehalten werden.
Ammonium, Cyanid, Silicium (Kieselsäure), Bor, Borat (Salze der Borsäure) und Chromat
werden bei 4 bar Druck zu unter 90% zurückgehalten, Bromid, Nitrat und Fluorid zu
ca. 90%. - In der Praxis bedeutsam sind allerdings nur Nitrat und Kieselsäure. Sind diese
Stoffe im Leitungswasser hochkonzentriert, kann im Reinwasser ihre Konzentration immer
noch zu hoch sein - besonders bei zu niedrigem Druck. Dann muss besonders darauf geachtet
werden, dass der volle Leitungsdruck ausgenutzt oder durch Druckerhöhungspumpen
gegebenenfalls angehoben wird und die Qualität der Membran optimal ist.
In Deutschland werden für Kleinumkehrosmoseanlagen zwei Membrantypen angeboten: Zum einen
Membranen aus Celluloseacetat oder aus Cellulosetriacetat. Diese Membranen sind
preisgünstig, können aber von Bakterien zerstört werden. Zudem müssen Anlagen mit
diesen Membranen unbedingt ununterbrochen in Betrieb sein, um längere Zeit zu halten.
Eine Chlorung des Wassers ist bei diesen Typen unerlässlich. Im Gegensatz dazu sind
bakterienresistente Kunststoffmembranen zwar in der Anschaffung teuer, haben aber
zusätzlich zur langen Haltbarkeit und zur Möglichkeit des Intervallbetriebs im
allgemeinen höhere Rückhalteraten.
Vergleiche zwischen Cellulosetriacetat- und Polyamid-Polysulfon-(TFC)-Membran eines
Herstellers machen die Unterschiede deutlich. Die Rückhalteraten für Nitrat und Silikat
lagen bei der Cellulosemembran bei 4 bar bei 50-70% bzw. bei 80-90%, die der
TFC-Membran bei 90-95% bzw. 92-95%.
Ein weiterer Faktor, der maßgeblich die Reinwasserleistung einer Umkehrosmosemembranen
beeinflusst, ist die Wassertemperatur an der Membran. Je kälter die Wassertemperatur,
desto niedriger die Leistung der Membran (siehe Tab. 2). Die Rückhalterate dagegen
verändert sich nur unwesentlich bei verschiedenen Temperaturen.
Temperatur in °C |
0 |
5 |
10 |
15 |
20 |
25 |
30 |
35 |
Literleistung einer TFC-Membran in l/d |
55 |
65 |
75 |
90 |
110 |
120 |
145 |
170 |
Tab. 2: Wasserleistung einer Umkehrosmosemembran (TFC) bei steigender Temperatur.
Die Summe aller im Wasser gelösten Stoffe - im englischen bezeichnet
als total dissolved solids = TDS - beeinflusst sowohl Wasserleistung als auch Rückhalterate. Diese Tatsache ist leicht zu verstehen: zwischen Leitungswasserseite und
Reinwasserseite besteht während des Betriebs ein Konzentrationsgefälle der gelösten
Stoffe. Nach dem Prinzip der Osmose entwickelt sich der osmotische Druck, der dem
Arbeitsdruck der Anlage entgegengesetzt ist. Das bedeutet, je höher der
Konzentrationsunterschied ist, desto höher ist der osmotische Druck, und damit fällt der
effektive Arbeitsdruck an der Membran. Für den Aquarianer ist diese Tatsache jedoch kaum
relevant.
Die Salzgehalte liegen im Trinkwasser meist zwischen 100 und 500 mg/l. Die dabei
auftretenden osmotischen Drücke sind vernachlässigbar. Bei 500 mg/l Salzgehalt -
das sind ganz grob umgerechnet ca. 1000 µS/cm - sinkt der Arbeitsdruck um weniger
als 0,5 bar ab. Bei der Meerwasseraufbereitung jedoch fällt der osmotische Druck
stark ins Gewicht.
Niedrige Verhältnisse vermindern zwar die laufenden Wasserkosten, vergrößern aber die
Gefahr der Membranverblockung. Bei einigen Leitungswässern fallen bei der geringsten
Aufkonzentrierung sofort einige Salze aus und verstopfen die Membran. Ganz grob gilt die
Regel, dass bei höheren Härtegraden die Verblockungsgefahr steigt.
Leider existieren einige Ausnahmen: es gibt sowohl sehr weiche Wässer, die stark zum
Verblocken neigen, und es gibt sehr harte Wässer, die gut stabilisiert sind, d.h. die
Verblockungsgefahr ist niedrig. Aus den Wasseranalysen der Wasserwerke können nur bedingt
Aussagen über die Verblockungsgefahr gezogen werden.
Leider ist ein Test, der den sogenannten Verblockungsindex misst, sehr aufwendig und damit
teuer. Die Hersteller der Kleinumkehrosmoseanlagen vertrauen auf gemittelte
Erfahrungswerte bei der Einstellung des Abwasser-Reinwasser-Verhältnisses. Dabei legen
die einen mehr Wert auf Wassersparsamkeit (niedrige Verhältnisse), die anderen auf lange
Haltbarkeit der Umkehrosmosemembran (höhere Verhältnisse). Gute Erfahrungen wurden bei
den üblichen Umkehrosmose-Wickelmodulen (ohne Wasservorbehandlung) in Deutschland mit
Abwasser-Reinwasser-Verhältnissen von 2:1 bis 4:1 gemacht.

Abb. 1: Abhängigkeit der Reinwasserqualität von der Rohwasserqualität und des eingestellten Abwasser-Reinwasser-Verhältnisses bei einer Membran, die 95% der gelösten Salze zurückhält. (Kurven berechnet)
In der Abbildung 1 ist dargestellt, wie sich die Reinwasserqualität (ausgedrückt als Leitwert: je niedriger der Leitwert, desto reiner das Wasser) verändert. Jede Kurve steht für eine Leitungswasserqualität: die Kurve "1000 µS/cm" gilt bei sehr hartem Wasser, die Kurve "100 µS/cm" bei sehr weichem Wasser. Man sieht sehr anschaulich, dass bei Verhältnissen von 10:1 bis ca. 4:1 die Reinwasserqualität gut ist. Bei niedrigeren Verhältnissen verschlechtert sich die Reinheit des Permeats deutlich. Bei extrem salzarmem, sehr gut stabilisiertem Wasser kann das Verhältnis bis ca. 1:1 erniedrigt werden. Noch geringere Verhältnisse können auf Dauer nur mit einer vorgeschalteten Enthärtungsanlagen oder Dosieranlage für härtestabilisierende Substanzen erreicht werden. Die kostspielige Vorbehandlung des Wasser ist aber nur bei Großanlagen sinnvoll. Diese arbeiten mit höheren Drücken und gleichen durch die damit erreichte Rückhalterateerhöhung den Nachteil des konzentrierteren Ausgangswassers aus.
Bei Vergleichen zwischen verschiedenen Anlagen verschiedener Hersteller
sollten mehrere Aspekte berücksichtigt werden.
Die für den Aquarianer wichtigste Eigenschaft ist die Wasserleistung pro Tag. Wie oben
beschrieben, kann eine Leistungsangabe nur bei gleichzeitiger Angabe von Wasserdruck und
Temperatur sinnvoll sein. Realistische Arbeitsdrücke liegen bei 3-5 bar - nur in seltenen
Fällen steht dem Aquarianer mehr Druck zur Verfügung. Die Temperatur des Leitungswassers
liegt i.A. bei 10-15°C - Leistungsangaben bei z.B. 25°C spiegeln nur eine hohe
Wasserleistung vor, die im praktischen Betrieb nie erreicht wird. Eine zusätzliche
Erwärmung des Leitungswassers lohnt sich in den meisten Fällen nicht.
Der zweite wichtige Punkt ist die Rückhalterate der Anlage. Um diesen Parameter
vergleichbar zu machen, muss zumindest der Druck mit angegeben werden. Genauere Angaben
über die Rückhalterate erfordern zusätzlich Daten über die Höhe des Salzgehalts im
Ausgangswasser, das eingestellte Abwasser-Reinwasser-Verhältnis (oder die Ausbeute) und
die Temperatur.
Neben Preis und Kenndaten der Umkehrosmosemembran liefert die Ausstattung der Anlage
wichtige Anhaltspunkte. Besteht die Möglichkeit, dass zumindest zeitweise Chlor im
Leitungswasser ist, muss unbedingt ein Aktivkohlefilter vorgeschaltet werden. Der
Aktivkohlefilter entfernt Chlor und andere Oxidationsmittel wie z.B. Ozon. Die in
Deutschland meist verwendete Umkehrosmosemembran ist aus Kunststoff; und zwar aus
Polyamid-Polysulfon (TFC-Membran = Thin Film Composit) oder aus einem Derivat des
Polyvinylalkohols. Alle Kunststoffmembranen sind mehr oder weniger empfindlich gegen
Oxidationsmittel wie z.B. Chlor. Auch wenn die Membran die im Leitungswasser enthaltenen
Chlorkonzentrationen ohne Schädigungen ertragen sollte, muss unbedingt ein
Aktivkohlefilter vorgeschaltet bzw. nachgeschaltet werden. Chlor und Ozon passieren
nämlich wie alle Gase fast vollständig die Membran und reichern sich im Reinwasser an.
Wenn dieses gechlorte oder ozonisierte Reinwasser direkt ohne Nachbehandlung in das
Aquarium gegeben wird, können gefährliche Kiemenverätzungen auftreten.
Die Aktivkohle vor (Polyamid-Polysulfon-Membran) oder nach
(Polyvinylalkoholderivat-Membran) dient nur zu einem Zweck: sie zerstört die
Oxidationsmittel, adsorbiert aber keine anderen Schadstoffe. Chlor wird nicht! an der
Aktivkohle gebunden. Vielmehr wird das Chlormolekül an der Oberfläche der Aktivkohle
katalytisch zu hypochloriger Säure und Salzsäure gespalten:
Cl2 + H2O
<-> HOCl + HCl
Chlorgas + Wasser <-> hypochlorige Säure + Salzsäure
Die hypochlorige Säure reagiert weiter zu Salzsäure und einem Sauerstoffradikal:
HOCl <-> HCl + O.
hypochlorige Säure <-> Salzsäure + Sauerstoffradikal
Das Sauerstoffradikal hat bakterientötende Wirkung; deswegen wird
Trinkwasser gechlort. Das Sauerstoffradikal kann an der katalytischen Aktivkohle zu
molekularem Sauerstoff reagieren und damit unschädlich gemacht werden.
Auch organische Stoffe werden nicht (oder zu einem extrem niedrigen Grad) an der
Aktivkohle adsorptiv gebunden. Die vorgeschalteten Aktivkohlefilter haben nur wenige Gramm
Aktivkohle (ausreichend für die Chlorzerstörung). Sowohl Menge als auch Qualität der
Kohle reichen nicht aus, um organische Stoffe, wie z.B. Pestizide, aus dem Wasser zu
filtern. Dafür ist die Aufenthaltszeit des Wassers in dem Aktivkohlefilter zu gering.
Vielmehr benötigt Leitungswasser bei guten Aktivkohlen Kontaktzeiten von
20-40 Minuten, um wirksam von organischen Spurenstoffe befreit zu werden (Krause
1992, Ramsch 1992). Die Chlorzerstörung braucht dagegen nur wenige Sekunden Zeit.
Der Aktivkohlefilter hat somit nur die Aufgabe, Oxidationsmittel katalytisch zu
zerstören. Demgegenüber werden organische Stoffe von der Umkehrosmosemembran
zurückgehalten. Gerade bei den großen Pestizidmolekülen sind die Rückhalteraten sehr
hoch: 95 bis über 99% bei 4 bar. Weil der Aktivkohlevorfilter nur extrem wenig
Giftstoff adsorbiert, vielmehr die Umkehrosmosemembran diese Stoffe zurückhält, kann
kein plötzlicher Durchbruch der Stoffe erfolgen - wie bei der langsamen
Aktivkohlefilterung zur Entfernung organische Stoffe aus Leitungswasser möglich.
In bedeutenden Konzentrationen können Giftstoffe nur durch die Membran gelangen, wenn der
Arbeitsdruck nicht ausreicht (Minimum 2-3 bar) oder die Membran defekt ist. Die
Membran kann schnell geprüft werden, indem die Leitfähigkeit (oder KH oder GH) des
Leitungswassers und des Permeats gemessen und die Rückhalterate berechnet werden (Formel
siehe oben). Ist die allgemeine Rückhalterate in Ordnung, ist die Membran nicht defekt.
dass die Membran nur für einen bestimmten Stoff durchlässig wird, ist nicht möglich.
Meist beruhen solche Messergebnisse auf defekten Tests. Z.B. sind die in der Aquaristik
gebräuchlichen Nitrattests bei Überlagerung oder falscher Lagerung sehr ungenau. Sicher
sind z.B. KH-Test und GH-Test; die genaueste Methode ist die Bestimmung des elektrischen
Leitwerts (reziproker Wert des elektrischen Widerstandes).

Abb. 2: Fließschema einer Umkehrosmoseanlage (die durchgezogenen Bauelemente sind notwendig, die gestrichelten müssten nur bei gegebenen Anlass eingebaut werden).
Theoretisch würde der Aktivkohlefilter unbegrenzt halten, da sich
Katalysatoren nicht verbrauchen. In der Praxis setzen sich Partikel oder Ablagerungen aus
dem Trinkwasser auf die Aktivkohlekörnchen und legen die katalytische Wirkung der
Aktivkohleoberfläche lahm. Als Faustregel gilt: wenn der Feinfilter einer
Umkehrosmoseanlage nicht mehr funktioniert, muss auch der Aktivkohlefilter gewechselt
werden.
Der zweite unentbehrliche Vorfilter einer Umkehrosmoseanlage ist der Feinfilter. Er
filtert Partikel (z.B. auch Aktivkohlestaub des Aktivkohlefilters) aus dem Wasser, die
ohne ihn die Zwischenräume der Membranoberflächen mit der Zeit verstopfen würden.
Am Feinfilter (wie am Aktivkohlefilter) können sich zusätzlich gelöste Stoffe wie Eisen
und Mangan ausfällen. Ab Eisen- und Mangankonzentrationen von ca. 0,1 bis 0,5 mg/l
sollte Leitungswasser vorbehandelt werden, bevor es den Aktivkohle- und Feinfilter
erreicht. Ansonsten könnten Eisenoxid- und Manganoxidbeläge, die sich auf der
Oberfläche der Umkehrosmosemembranoberfläche bilden, Leistung und Qualität der Anlage
schnell senken.
Bei Feinfiltern gibt es verschiedene Typen: Oberflächenfilter haben im allgemeinen eine
sehr enge Toleranz der Porengrößen, können aber nur gering beladen werden. Bei der
Wasserfilterung für Umkehrosmoseanlagen benutzt man zumeist Tiefenfilter, dessen Poren
unterschiedlich groß sind. Deshalb wird die "Feinheit" des Filters auch
Nominalgröße genannt. Der Tiefenfilter nutzt nicht nur die Oberfläche zur Aufnahme der
Partikel, sondern kann die Teilchen im ganzen Filtervolumen verteilen und damit sehr viel
mehr aufnehmen.
Bei Umkehrosmoseanlagen sollten Filter mit der Nominalgröße bzw. Porengröße von ca. 3
bis 10 µm benutzt werden. Feinere Filter setzen den Arbeitsdruck der Membran zu
schnell herunter und sind teuerer, gröbere Filter lassen zu viel der Stoffe durch und
verschmutzen unnötigerweise die Membranoberfläche. Ein zusätzlicher Grobfilter von ca.
20 bis 50 µm Nominal- bzw. Porengröße ist ratsam bei extrem verschmutzten
Leitungswasser. In diesem Fall muss der Grobfilter vor Aktivkohle und Feinfilter
geschaltet werden. Beim Vergleich von Vorfiltern sollte ebenfalls das Volumen (bzw. die
Oberfläche) beachtet werden. Größere Filter nehmen mehr Schmutz auf und halten deswegen
länger.
Die Feinfilter sollten regelmäßig kontrolliert werden. Dazu sollte man sich Färbung und
Zustand des Filters vor dem ersten Gebrauch notieren und alle 2 bis 6 Monate je nach
Benutzung der Anlage vergleichen. Schlammige, rotbraune oder schwarze Beläge und fauliger
Geruch sind untrügliche Zeichen für einen zu weit hinausgeschobenen Vorfilterwechsel.
Alte und verstopfte Vorfilter mindern Leistung und Qualität des Reinwassers. Deswegen
sollten diese beiden Parameter regelmäßig (alle 1 bis 3 Monate) gemessen und
notiert werden. Haben sich Reinwasserqualität und -quantität erheblich verschlechtert
und ist der Zustand der Umkehrosmoseanlage genau erfasst worden, kann schnell mit dem
Hersteller der Anlage besprochen werden, ob die Membran der Anlage "repariert"
werden kann oder ausgetauscht werden muss. Vorbereitete Protokollzettel können Sie bei
seriösen Herstellern erhalten oder sind Bestandteil der Bedienungsanleitung.
Ein Spülmechanismus verlängert die Lebensdauer der Membran. Beim Spülprozess strömt das
Leitungswasser mit hoher Geschwindigkeit an der Oberfläche der Umkehrosmosemembran vorbei
und entfernt Ablagerungen und Bakterienkolonien. Als Faustregel gilt, je mehr und je
öfter gespült wird, desto länger kann die Anlage gutes Reinwasser produzieren. Bei
hartem Wasser sollte mehr gespült werden als bei weichem Wasser. Die Zeitpunkte der
Spülung sollten auf jeden Fall mit in das Protokoll eingetragen werden. Für Anwender,
die öfter einmal das Spülen vergessen oder eine extrem wartungsarme Anlage haben wollen,
gibt es die Möglichkeit, automatische Spüleinrichtungen zu installieren.
Reinwasserqualität und -mengen sollten jede Woche überprüft werden. Sobald ein Wert
deutlich abfällt, sollte die Anlage zuerst gründlich gespült werden. Bringt das keinen
Erfolg, müssen die Vorfilter gewechselt werden. Wenn dann immer noch keine Besserung
eingetreten ist, kann die Membran verblockt sein. Es sollte immer erst Rücksprache mit
dem Hersteller der Anlage oder einem anderen Anbieter gehalten werden. Einige Firmen
bieten an, Umkehrosmoseanlagen mit Säure oder anderen Chemikalien zu spülen. Oft ist
dadurch eine wesentliche Leistungs- und Qualitätssteigerung zu erreichen. Ist aber einmal
die Reinwassermenge auf unter 50% der Sollmenge abgefallen, hilft auch eine
Spezialreinigung nicht mehr - die Umkehrosmosemembran muss ausgetauscht werden. Wann dies
der Fall ist, kann sehr schlecht in einem Zeitmaß ausgedrückt werden. Je nach
vorhandener Leitungswasserqualität, Abwasser-Reinwasser-Verhältnis der Anlage, Material
der Membran, Qualität der Vorfilterung, Austauschhäufigkeit der Vorfilter, Spülzeiten
und Benutzungsdauer der Anlage halten Umkehrosmosemembranen 2 bis 8 Jahre.
Ein nicht zu vernachlässigender Faktor ist die Wartungsfreundlichkeit der
Umkehrosmoseanlage. Denn nur eine Anlage, die leicht zu warten ist, wird auch gewartet.
Die Anlage sollte nicht im letzten unzugänglichen Winkel montiert sein, in dem nur mit
Schwierigkeiten z.B. die Vorfilter gewechselt werden können. Der Zustand der Einwegfilter
kann nur beobachtet werden, wenn die Fittings abgeschraubt sind. Fittings müssen demnach
leicht und ohne Aufwand demontiert und montiert werden können. Praktischer und auch
umweltfreundlicher sind austauschbare oder sogar auswaschbare Filterkartuschen in
Filtergehäusen.
Die Schlauchverbindungen sollten leicht herzustellen sein. Falsch montiert können
Schläuche bei Druckstößen im Wasserleitungsnetz abspringen und die Wohnung unter Wasser
setzen. Selbstverständlich müssen die Zuleitungsschläuche druckfest sein.
Gebräuchliche Materialien sind Polyethylen und Polyamid. Der Reinwasserschlauch sollte
ebenfalls aus diesen Materialien bestehen. Bei Weich-PVC-Schläuchen, die man z.B. im
Heimwerkerbedarf erwerben kann, ist es möglich, dass die Weichmacher des Kunststoffes in
das Reinwasser übergehen und großen Schaden im Aquarium anrichten. Bei
Reinwasserschläuchen aus PVC mit Weichmachern auf Phosphatbasis kann es vorkommen,
dass im Reinwasser höhere Phosphatkonzentrationen enthalten sind, als im Leitungswasser. Das
Reinwasser sollte deshalb nur mit chemisch innerten Kunststoffen oder Glas in Berührung
kommen.
Bei Beachtung der oben aufgeführten Punkte ist die Umkehrosmose eine sichere und leicht
handhabbare Technik der Wasseraufbereitung. Für viele Aquarianer ist die
Umkehrosmoseanlage kaum noch mehr wegzudenken.
Aurand et al. (Hrsg.) 1991: Die Trinkwasserverordnung - Einführung und Erläuterungen für Wasserversorgungsunternehmen und Überwachungsbehörden. 3. Aufl.. Erich Schmidt.
Krause, H.J. 1992: Aktivkohlefilterung bei Verdacht auf schadstoffhaltiges Wasser - Eigenschaften und richtige Dimensionierung. Diskus Brief 4: 106-110.
Ramsch, B. 1992: Was bewirkt Aktivkohle? D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 11: 730-733.
Ramsch, B. 1994: Wasseraufbereitung als Basis für die Pflege und Zucht von
Aquarienfischen. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) 12: 802 - 807.
Schwoerbel, J. 1987. Einführung in die Limnologie. 6. Aufl. Stuttgart: Gustav
Fischer. S. 85-89.