Ramsch, B. & Sellner, B.R. 1996: Der Kohlenstoffkreislauf. D. Aqu. u. Terr. Z. (DATZ) Teil1: 6: 398 - 401, 7: 441 - 443.
von Burkhard Ramsch und Beate R. Sellner: Diplom-Biologen der Firma AquaCare - Aquatic Systems Research
Der Kohlenstoff ist neben Sauerstoff, Wasserstoff und Stickstoff eines
der wichtigsten Elemente für das Leben auf der Erde. Sein chemisches Zeichen C kürzt die
lateinische Bezeichnung "Carboneum" ab. Im Englischen stimmt das C mit dem Wort
"carbon" überein.
Auf der Erde kommt Kohlenstoff in vielen Arten vor. In freier Form kennt man Kohlenstoff
als Grafit und Diamant. Chemisch gesehen sind die beiden Mineralien identisch; lediglich
die Struktur differiert. In gebundener Form unterscheidet man anorganische und organische
Kohlenstoffverbindungen. Zu den anorganischen C-Verbindungen zählen die Kohlensäure mit
ihren Salzen, die Oxide des Kohlenstoffs und einige andere für dieses Thema unwichtige
Verbindungen. In der organischen Chemie wird die Vielzahl von Verbindungen des
Kohlenstoffs mit den Elementen Sauerstoff (O), Wasserstoff (H), Stickstoff (N), Schwefel
(S) und Phosphor (P) behandelt. Andere Elemente werden in der lebenden Materie nur in
geringen Mengen benötigt; sie werden meist in Komplexe (salzähnliche Struktur)
eingebaut.
In der Atmosphäre kommt der Kohlenstoff hauptsächlich als Kohlendioxid (CO2) vor. Dieses Gas ist dort zwar nur in Spuren vorhanden, hat aber entscheidenden Einfluss auf unser Leben. Obwohl in der Atmosphäre nur ca. 0,04% (w/v) CO2 enthalten sind, verhindern sie, dass die Erde nachts auskühlt. In der letzten Zeit ist die Kohlendioxidkonzentration von 0,0327% (1972) auf 0,0353% (1989) (Messstelle Schauinsland, UMWELTBUNDESAMT 1992) angestiegen. Dies sieht als Zahlenwert niedrig aus - prozentual indessen ist die CO2-Konzentration in diesem Zeitraum um 8% angestiegen. Darauf beruht die feststellbare globale Erwärmung.

Abb. 1: Verhältnis der Gase Stickstoff, Sauerstoff und Kohlendioxid (einschließlich Kohlensäure) in der Atmosphäre und im Wasser bei 20°C (Daten nach SCHWOEREBEL 1987)
Wenn Kohlendioxid im Wasser gelöst ist, reagiert ein kleiner Teil (ca. 0,1%) zur Kohlensäure.
CO2 + H2O <-> H2CO3
Kohlendioxid + Wasser <-> Kohlensäure
Diese Kohlensäure kann jedoch wieder zerfallen (dissoziieren), nämlich im ersten Schritt zu Hydrogencarbonat (alter Begriff: Bicarbonat):
H2CO3 + OH- <-> H2O + HCO3-
Kohlensäure + "Lauge" <-> Wasser + Hydrogencarbonat
und im zweiten Schritt zu Carbonat (alter Begriff: Monocarbonat):
HCO3- + OH- <-> H2O + CO32-
Hydrogencarbonat + "Lauge" <-> Wasser + Carbonat
An den chemischen Reaktionsformeln kann man erkennen, dass der Zerfall
von Kohlensäure und Hydrogencarbonat stark vom pH-Wert abhängt. Entscheidend ist also,
ob das Wasser sauer oder basisch (=alkalisch) reagiert. Je höher der pH-Wert ist, desto
mehr und weiter zerfällt die Kohlensäure. Ist weniger Kohlensäure in der Lösung
vorhanden, wird erneut Kohlendioxid im Wasser gelöst und bildet wiederum Kohlensäure,
die abermals zerfällt. Bildlich gesprochen, "saugt" basisches Wasser
Kohlendioxid aus der Atmosphäre. Dieser Prozess läuft natürlich nicht ohne Ende.
Irgendwann ist so viel Kohlendioxid über Kohlensäure und Hydrogencarbonat zu Carbonat
umgewandelt, dass diese Stoffe in einem reaktionschemischen Gleichgewicht stehen. Alsdann
erfolgt die Hinreaktion, z.B. Kohlensäure zu Hydrogencarbonat, genauso schnell wie die
Rückreaktion, also Hydrogencarbonat zu Kohlensäure.
Das Gleichgewicht der anorganischen Kohlenstoffkomponenten hängt, wie schon erwähnt, vom
pH-Wert ab. Z.B. ist bei einem pH-Wert bis 4,3 (stark sauer bis sauer) im Wasser nur
gelöstes Kohlendioxid mit einem geringen Teil Kohlensäure vorhanden. Bei höheren
pH-Werten steigt der Anteil des Hydrogencarbonats (HCO3-) und erreicht bei einem pH-Wert
von 8,4 (leicht basisch) sein Maximum. Bei diesem pH-Wert ist fast kein Kohlendioxid
nachzuweisen und fast kein Carbonat. Bei noch höheren pH-Werten (basisch bis stark
basisch) liegt beinahe der ganze anorganische Kohlenstoff als Carbonat (CO32-) vor. In
Abb. 2 ist das Verhältnis der anorganischen Kohlenstoffarten in Süßwasser bei 25°C
dargestellt.

Abb. 2: Anteil der organischen Kohlenstoffverbindungen Kohlendioxid (einschließlich Kohlensäure) in der Atmosphäre und im Wasser bei 20°C (Daten nach SCHWOEREBEL 1987)
Dieses Gleichgewicht stimmt so jedoch nur für Süßwasser (bei 25°C).
Bei steigendem Salzgehalt verschieben sich die drei Kurven in den sauren Bereich - bei
35ist das bereits eine Verschiebung um ca. eine pH-Stufe. Ebenso beeinflusst die
Temperatur das Gleichgewicht. Je wärmer das Wasser ist, desto weiter verschieben sich die
drei Kurven in die niedrigen pH-Werte. (ADEY & LOVELAND 1991)
Ebenso kann durch Hinzufügen und Entfernen einer der drei Komponenten des
Kohlendioxid-Hydrogencarbonat-Carbonat-Gleichgewichts der pH-Wert verändert werden.
- pH-Wert-Senkung -
Im Süßwasserpflanzenaquarium versucht der Aquarianer, durch Hinzufügen von Kohlendioxid
den pH-Wert zu senken, um den Pflanzen und Fischen optimale Bedingungen anbieten zu
können. Im Meerwasserriffaquarium säuert der Kalkreaktor (HEBBINGHAUS 1994) das
Aquariumwasser an, um Kalkgranulat zu lösen.
Zur Kohlendioxidanreicherung können verschiedene physikalische Gesetzmäßigkeiten
ausgenutzt werden. Der Eintrag von CO2 in das Aquariumwasser ist umso intensiver, je
größer die zur Verfügung stehende Oberfläche (Kohlendioxidphase / Wasserphase) und je
höher der Kohlendioxidpartialdruck ist. Bei den einfachen Systemen wird im Aquariumwasser
ein Behälter mit der Öffnung nach unten angebracht und CO2 hineingeleitet. Weil im
Behälter mehr Kohlendioxid vorhanden ist als im Wasser gelöst, diffundiert (wandert) ein
Teil des Gases in das Wasser. Diese einfachen Systeme können aber nur bei kleinen
Aquarien mit geringem CO2-Bedarf (geringe Beleuchtung) benutzt werden.
Zur Steigerung des Kohlendioxideintrags kann der CO2-Behälter mit einem Wasserstrahl
(Filterkreislauf) durchströmt werden. Der turbulente Wasserstrahl erzeugt im Wasser feine
Gasblasen, die eine große Oberfläche besitzen und somit für einen hohen Gasaustausch
sorgen. Ebenso ist der Eintrag kohlendioxidangereicherter Luft durch Ausströmersteine
oder durch Injektordüsen am Filterauslassmöglich. Der CO2-Verlust dieser Systeme kann
erheblich sein, so dass sich der Einsatz nur für kleine Aquarien lohnt.

Abb. 3: Möglichkeiten der Kohlendioxidanreicherung in Wasser
Eine andere Variante ist die Erhöhung des Gasdrucks. Der CO2-Behälter
im Aquarium wird mit einer porösen Schicht oder einer gasdurchlässigen Membran
verschlossen und das Kohlendioxid mit leichtem Druck in den Behälter eingebracht. Im
Falle der porösen Schicht steigen sehr feine Blasen im Aquarium auf und lösen einen
Großteils ihres Gasinhalts im Aquariumwasser. Zusätzlich wird ein Teil des Kohlendioxids
direkt durch die poröse Schicht in das Wasser abgegeben. Bei Verwendung einer
gasdurchlässigen Membran löst sich das Kohlendioxid direkt im Wasser, ohne Gasblasen
abzugeben. Mit diesem System geht dem Aquarianer auch bei niedrigen pH-Werten im Wasser
kein Kohlendioxid verloren. Die Eintragsleistung dieser beiden Systeme ist gut und kann
auch bei großen Aquarien und intensivem Pflanzenwuchs eingesetzt werden. Gerade die
membranbedeckten Systeme können bei höheren Arbeitsdrücken auch Großanlagen versorgen.
Eine pH-Wert-Regelung ist bei diesen Systemen zwingend notwendig, da man hierbei leicht zu
hohe Übersättigungen erreichen kann.
Maximaler Eintrag wird mit Druckpumpensystemen erreicht. Hierbei werden das anzureichernde
Wasser mit einer Druckpumpe und Kohlendioxid aus einer Druckflasche in einen Behälter
geleitet. Bei dem hohen Druck löst sich das Gas schnell und in hohen Konzentrationen. Das
Wasser wird anschließend durch ein Reduzierventil, das den Druck im Behälter aufrecht
erhält, aus dem System entlassen. Die Drucksysteme werden u.A. bei der Herstellung von
kohlensäurehaltigem Mineralwasser angewendet. In der Aquaristik ist das Verfahren zu
aufwendig und bei Fehlfunktion auch zu gefährlich. Auch bei diesem System ist eine
aufwendige pH-Wert-Steuerung unabdingbar. Die Anschaffung lohnt sich evtl. bei sehr
großen Pflanzenschaubecken.
- pH-Wert-Erhöhung -
Der Austrag von Kohlendioxid ist wichtig bei Aquarien, in denen viele Fische und wenig
Pflanzen gehältert werden. Das ist z.B. bei intensiver Fischzucht oder Aquakulturanlagen
der Fall. Aber auch in früheren Zeiten, als Aquarien noch nicht mit ausgereifter
Beleuchtungstechnik ausgestattet waren, erschien der CO2-Austrag problematisch.
Grundsätzlich gelten für den Austrag von Gasen aus Flüssigkeiten dieselben
physikalischen Gesetzmäßigkeiten wie für den Eintrag von Gasen.
Die einfachste Methode ist die "Belüftung" von Aquarien oder Zuchtanlagen mit
Ausströmersteinen oder -schläuchen. Mit der Methode wird versucht, das Gleichgewicht,
das zwischen Gasphase (Luft) und Wasserphase besteht, so schnell wie möglich
einzustellen. Bei einem reinen Fischbecken wird somit überschüssiges Kohlendioxid
ausgetragen und fehlender Sauerstoff eingetragen. - Die Konzentrationen anderer Gase
(Stickstoff, Argon) können als konstant angesehen werden.
An einigen Stellen der Erde können die Folgen der Diffusion von Kohlendioxid aus Wasser
beeindruckend beobachtet werden. Eine Reihe von Quellen enthält soviel Kohlendioxid und
gelöstes Hydrogencarbonat / Carbonat, dass CO2
aus dem Wasser in die Atmosphäre
diffundiert. Als Folge wird der pH-Wert nach oben verschoben. Bei höherem pH-Wert jedoch
wandelt sich ein Großteil des gelösten Hydrogencarbonats in Carbonat um. Carbonate -
besonders Calciumcarbonat - sind jedoch schwer wasserlöslich. Ist die Grenze der
Löslichkeit überschritten, fällt CaCO3 als feste Kruste aus. Unterstützt wird die
sogenannte chemische Entkalkung durch das Abkühlen des übersättigten Wassers. An
solchen Gewässern sind häufig Sinterterrassen zu finden. Auch die Stalaktiten und
Stalagmiten der Tropfsteinhöhlen und die hydrothermalen Schlote (white vent) der
mittelozeanischen Rücken sind auf diesen Fällungsprozess zurückzuführen.

Foto: Kokoscha
Abb. 4: Sinterterrassen (Mamoth Hot Springs) im Yellowstone Nationalpark in den USA.
Zu viel an CO2 kann auch ein Problem bei der Aufbereitung von
Leitungswasser zu gebrauchsfähigem Aquarienwasser sein. Bei der Vollentsalzung werden
Hydrogencarbonat und Carbonat durch andere Ionen ersetzt (Hydroxylionen). Der gesamte
anorganische Kohlenstoff besteht danach zu 100% aus Kohlendioxid plus Kohlensäure. Das
hat zur Folge, dass der pH-Wert nach der Vollentsalzung extrem niedrig sein kann. Auch bei
der Umkehrosmosetechnik werden Hydrogencarbonat und Carbonat von der Umkehrosmosemembran
zurückgehalten. Kohlendioxid - wie alle anderen Gase auch - diffundiert durch die Membran
und verursacht somit den niedrigen pH-Wert des produzierten Reinwassers.
Statt der Belüftung kann das angesäuerte Wasser auch über Calciumcarbonatgestein
geführt werden. Die Kohlensäure, die bei Anwesenheit von gelöstem Kohlendioxid immer zu
einem geringen Anteil vorhanden ist, reagiert mit dem Calciumcarbonatgestein nach
folgender Formel zu Hydrogencarbonat:
H2CO2 + CaCO3 <-> Ca2+ + 2
HCO3-
Kohlensäure + Kalk <-> Calcium-Ion + Hydrogencarbonat-Ion
Das gelöste Calcium ist dann als Gesamthärte und das Hydrogencarbonat
als Karbonathärte messbar - die Reaktion härtet das Wasser auf. Ist die Umsetzung der
Kohlensäure vollständig, liegt der anorganische Kohlenstoff zu 100% als Hydrogencarbonat
vor - der pH-Wert mußsomit im Süßwasser bei 8,4 (siehe Abb. 2) liegen.
Im praktischen Betrieb eines solchen Calciumcarbonatfilters (auch Aufhärtungsfilter oder
Mineralienfilter genannt) stellen sich normalerweise pH-Werte zwischen 7 und 8 ein. Die
Umsetzungsgeschwindigkeit von Kohlensäure zur Härte ist sehr langsam. Durch einen 1
Liter fassenden Calciumcarbonatfilter können bei 15°C maximal 90 bis 100 Liter
kohlendioxidhaltiges Wasser geleitet werden; das gewährleistet eine hohe Umsetzung. Bei
Umkehrosmoseanlagen kann die Technik des Calciumcarbonatfilters zur Erzeugung eines
höheren pH-Wertes bzw. zur Erzeugung von Härte sehr gut angewendet werden, weil die
Wasserleistungen der Umkehrosmoseanlagen im Hobbybereich diesem Leistungsbereich
entsprechen.
Hydrogencarbonat kann auch direkt in das kohlensaure Wasser dosiert werden.

Foto: Hebbinghaus
In Meerwasseraquarien wird diese Methode zur "Kalk"-Versorgung von Organismen genutzt, die Stütz- oder Schutzgebilde aus Kalk produzieren. Bei der direkten Zugabe von Hydrogencarbonat und Calcium können zwei Methoden unterschieden werden. Bei der "Kalkwasserzugabe" auf Calciumoxid- bzw. Calciumhydroxidbasis (FOSSÄ & NILSEN 1992) wird Calciumoxid in Wasser gelöst, das nach folgender Formel Calciumhydroxid bildet:
CaO + H2O <-> Ca2+ + 2
OH-
Calciumoxid + Wasser <-> Calciumion + 2 Hydroxylionen
Oder es wird direkt Calciumhydroxid in Wasser gelöst:
Ca(OH)2 + H2O <-> Ca2+ 2
OH- + H2O
Calciumhydroxid + Wasser <-> Calciumion + 2 Hydroxylionen + Wasser
Der pH-Wert dieser Lösung ist extrem hoch (über 12 bei einer gesättigten Lösung). Nach längerem Stehen lassen der Lösung fällt unter Lufteinfluss Calciumcarbonat aus, das im Meerwasseraquarium meist nicht genutzt werden kann. Bei dieser Kalkwassermethode darf der Bodensatz der frischen Lösung auf keinen Fall in das Aquarium gelangen, weil dadurch dessen pH-Wert extrem ansteigen kann.
Die zweite "Kalkwasserzugabe" auf Calcium-Hydrogencarbonatbasis (BALLING 1994) besteht aus zwei Lösung:
CaCl2 + H2O <-> Ca2+ + 2
Cl- + H2O
Calciumchlorid + Wasser <-> Calciumion + 2 Chloridionen + Wasser
und
NaHCO3 + H2O <-> Na+ + HCO3- + H2O
Natriumhydrogencarbonat + Wasser <-> Natriumion + Hydrogencarbonation + Wasser
Diese Methode der "Kalk"-Zugabe ist sicherer anzuwenden, weil
kein Bodensatz aus extrem basischem Material vorhanden ist. Die Empfindlichkeit der
Lösungen gegenüber Kohlendioxid, das bei hohen pH-Werten ins Wasser "gesaugt"
wird, ist niedriger bzw. nicht vorhanden.
Calciumchloridlösungen sind neutral und bilden keinen Bodensätze;
Natriumhydrogencarbonatlösungen (pH 8-9) bilden bei Kohlendioxidabgabe das ungefährliche
Natriumcarbonat. Diese zweite Methode wird von BROCKMANN (1993) als problematisch
angesehen, weil neben der Zugabe von Calcium- und Hydrogencarbonationen auch Natrium- und
Chloridionen zudosiert werden. Calcium und Hydrogencarbonat werden von den kalkbildenden
Organismen verbraucht, die anderen Ionen jedoch reichern sich im Meerwasseraquarium im
Laufe der Zeit an und erzeugen eine Ionenverschiebung. BROCKMANN (1993) gibt für ein
Korallenbecken eine Erhöhung der Chloridkonzentration von 4,8% jährlich an - wohlgemerkt
ohne Wasserwechsel.

Abb. 5: Theoretische Zunahme der Chloridkonzentration im Laufe der Jahre bei einer Dosierung von 1g Ca-Ionen pro Woche in einen 100 Liter Aquarium ohne und mit monatlichem Teilwasserwechsel (1%, 2% und 5%).
Abbildung 5 zeigt den theoretischen prozentualen Anstieg der
Chloridkonzentration in einem 100-Liter-Meerwasseraquarium (35Salzgehalt), das
wöchentlich mit 1 g Calcium in Calciumchloridform versorgt wird. Ohne Wasserwechsel
steigt die Chloridkonzentration linear pro Jahr um ca. 4,5% an - nach 10 Jahren sind das
45%! Wird ein regelmäßiger Teilwasserwechsel durchgeführt, steigt die
Choridkonzentration nicht mehr linear, sondern nähert sich einem Sättigungspunkt. Das
ist folgendermaßen zu erklären: Je höher konzentriert das Wasser ist, desto mehr
Chlorid wird bei jedem Wasserwechsel aus dem Becken genommen - nachgefüllt wird aber mit
der Ausgangskonzentration von 35-Meerwasser (ca. 19 mg Chorid pro Liter). Je höher
der monatliche Teilwasserwechsel ist, desto niedriger ist die Sättigungskonzentration.
Nach 10 Jahren sind bereits sehr deutliche Unterschiede in der Aufkonzentrierung von
Chlorid bei verschieden hohen Teilwasserwechseln zu erkennen.
Im praktischen Betrieb wird die Gesamtkonzentration an gelösten Salzen (Dichte bzw.
Leitwert konstant) im Meerwasseraquarium gleichbleibend gehalten, indem immer ein
bisschen
mehr Wasser dem Aquarium entnommen wird, als frisches Meerwasser zugegeben wird. Die
Differenz wird genauso wie das Verdunstungswasser mit vollentsalztem oder
Umkehrosmosewasser aufgefüllt. Daraufhin bleibt die Chloridkonzentration (sowie die
Natriumkonzentration, wenn gleichzeitig zum Calciumchlorid auch Natriumhydrogencarbonat
zugeführt wird) im Laufe der Jahre konstant; hingegen nehmen alle anderen
Hauptkomponenten (Magnesium, Sulfat, Kalium) im Vergleich ab. Über eine eventuelle
Auswirkung dieses Effektes im Langzeitversuch ist nichts bekannt.
Nach KIPPER (1989) kann eine vollständige Kohlenstoffversorgung der niederen Tiere bzw.
deren Zooxanthellen mit einer kontrollierten CO2-Dosierung erfolgen. Das
CO2 wird
anschließend von den Zooxanthellen verbraucht. Kritisch anzumerken ist die Tatsache,
dass Korallen das Enzym Carboanhydrase besitzen, die Hydrogencarbonat in Kohlendioxid
umwandelt (siehe weiter unten im Text); es ist fraglich, ob dieses Enzym bei genügend
CO2-Angebot von außen inaktiv ist und somit nicht den Hydrogencarbonatpool angreift. Auch
KIPPER reguliert die Karbonathärte nach Bedarf durch Aufhärtungspräparate (KH). Der
Calciumvorrat wird bei dieser Methode jedoch nicht ergänzt.
Eine sehr naturnahe Methode verzichtet (weitgehend) auf externe Zugaben von anorganischem
Kohlenstoff. ADEY & LOVELAND (1991) benutzen als Hauptelemente zur
Wassermilieusteuerung eine starke Turbulenz (Wellen- und Brandungsgeneratoren) und die
Algenrasenfilterung (algal turf scrubber), die in den Nachtstunden in Betrieb ist. Bei
kleinen Becken (unter einigen hundert Litern Volumen) soll eine einfache Filterung über
Calciumcarbonatgranulat (Aragonit-Form) hilfreich sein.
Mit allen Methoden zur "Kalk"-Anreicherung bzw. zur Erhaltung der Balance wurde
bei den empfindlichen Steinkorallen und Kalkrotalgen ausgezeichnetes Wachstum erzielt, so
dass die Diskussion über die bessere Methode sich fast erübrigt. Unangenehm bei diesem
Thema ist die Verwendung von gleichen Begriffen bei unterschiedlichen Methoden. So
verwenden (FOSSÄ& NILSEN 1992) für die automatische Dosierung von
Calciumhydroxidwasser den Begriff "Kalkreaktor". Ebenfalls berichtet HEBBINGHAUS
(1994) über einen Kalkreaktor, der allerdings mit kalkhaltigen Materialien gefüllt
wurde.
Wir schlagen vor, dass die in der Aquaristik üblichen Methoden folgendermaßen benannt
werden, um allen Mißverständlichkeiten aus dem Weg zu gehen:
"Kalkreaktor" sollte für die Apparatur stehen, in der Kalk (CaCO3-Granulat,
Korallenkalk) mit Hilfe von Kohlensäure gelöst wird. "Kalkwasser" sollte aus
historischen Gründen für die Dosierung von Calciumhydroxid bzw. Calciumoxid stehen. Für
die Mischung aus Calciumchlorid und Natriumhydrogencarbonat könnte der Name
"Calcium-Hydrogencarbonatwasser" stehen.
Ein weiterer Prozess, der durch Kohlendioxidentzug den pH-Wert im Aquarium hebt, ist die
biogene Entkalkung. Alle Wasserpflanzen und autotrophe Bakterien (z.B. Nitrifikanten)
verbrauchen Kohlendioxid, um wachsen zu können. Genau wie bei der chemischen Entkalkung
steigt der pH-Wert durch die sinkende Konzentration an CO2. Das anorganische
Kohlenstoffgleichgewicht verschiebt sich in Richtung Hydrogencarbonat/ Carbonat. Wenn die
Löslichkeitsgrenze an Carbonaten erreicht ist, fällt Carbonat meist als Calciumcarbonat
aus. Als Folge bilden sich Kalkkrusten an den Aquariumscheiben in Höhe der
Wasseroberfläche oder an allen aus dem Wasser herausragenden Gegenständen.
Die Kohlendioxidaufnahme von Pflanzen ist mit großen Energieaufwand verbunden, den alle
Pflanzen durch die Photosynthese decken. Photosynthese kann nur tagsüber erfolgen, wenn
die Sonne scheint bzw. die Aquarienbeleuchtung eingeschaltet ist. In der Nacht wird kein
Kohlendioxid aufgenommen, im Gegenteil: die Pflanzen atmen nachts und produzieren geringe
Mengen CO2. Die Abwechslung von CO2-Aufnahme am Tag und CO2-Abgabe
in der Nacht ist anhand des pH-Wertes ersichtlich. Wenn viel Kohlendioxid im Wasser
vorhanden ist (am frühen Morgen) hat der pH-Wert seinen Tiefststand. Im Laufe des Tages
wird CO2 verbraucht, so dass der pH-Wert ansteigt. Am Abend, wenn kein Licht mehr zur
Verfügung steht, hat der pH-Wert sein Maximum. In der Nacht produzieren Fische und auch
Pflanzen CO2 - der pH-Wert sinkt wieder. Eine Verminderung der pH-Wert-Schwankungen kann
durch das nächtliche Einschalten von Makroalgenfiltern oder Algenrasenfiltern erreicht
werden (ADEY & LOVELAND 1991).
Die Höhe der pH-Tagesschwankungen hängt einerseits von CO2-Verbrauch
und CO2-Produktion ab andererseits aber auch von der Pufferkapazität. Ist z.B. bei
CO2-Zugabe (oder Zugabe einer Säure) viel Hydrogencarbonat und Carbonat also
Pufferkapazität im Wasser vorhanden, kann der pH-Wert nur wenig fallen, da sofort Teile
vom Carbonat in Hydrogencarbonat übergehen. Ist das Carbonat bzw. das Hydrogencarbonat
verbraucht, liegt ausschließlich CO2 im Wasser vor; alsdann kann bei weiterer
Kohlendioxidzugabe der pH-Wert erheblich fallen - die Pufferkapazität ist zerstört. Im
Aquarium ist dieser Effekt als Säuresturz bekannt.
Bei zerstörter Pufferkapazität lassen schon kleine Belastungen mit Säure (CO2 oder
Säure durch Nitrifikanten im Biofilter) oder Lauge (durch Photosynthese, Verbrauch von
CO2) den pH-Wert stark schwanken. Der Aquarianer muss dafür sorgen,
dass für den
jeweiligen Aquariumtyp genügend Pufferkapazität (messbar als Karbonathärte = KH)
vorhanden ist. Die folgende Tabelle gibt Näherungsangaben für stabile Wasserwerte:
Anorganische Kohlenstoffassimilation - autotrophes Wachstum
Wie oben schon erwähnt, verbrauchen Pflanzen und einige Bakterien Kohlendioxid. Sie benötigen diese anorganische Kohlenstoffverbindung, um ihre Zellmasse aufzubauen. Alle Organismen - ob Alge, Pflanze, Nitrifikant oder Schwefelbakterium -, die ihren Kohlenstoffbedarf hauptsächlich aus Kohlendioxid oder Hydrogencarbonat (oder Kohlenmonoxid) decken, werden zu den autotrophen Organismen gezählt; im Gegensatz dazu die heterotrophen Lebewesen, die ihren Kohlenstoff aus organischen Verbindungen (Fette, Eiweiß, Kohlenhydrate u.a.) beziehen.

Abb. 6: Der kleine Kohlenstoffkreislauf zwischen anorganischem CO2 und Anorganischer Biomasse.
Autotrophe Organismen brauchen zuerst einmal Energie, um anorganischen
Kohlenstoff fixieren zu können. Die verschiedenen Lebewesen haben dabei sehr
unterschiedliche Wege eingeschlagen. Die sogenannte photoautotrophe Lebensweise nutzt die
Sonnenenergie. Die Photonen des Lichts "laden" bestimmte Moleküle (Chlorophyll)
mit Energie auf, die anschließend durch komplizierte Reaktionsketten in die allgemeine
biologische Energiewährung - das ATP - umgewandelt wird. ATP (Adenosintriphosphat) kann
für fast alle energieverbrauchenden Reaktionsschritte verwendet werden, z.B. auch für
die Zuckersynthese. Dabei wird in der sogenannten Dunkelreaktion Kohlendioxid und Wasser
mit Hilfe des ATPs zu Glukose verbunden. Glukose kann wiederum für andere Reaktionen
eingesetzt, zum Speicherstoff Stärke umgesetzt oder als Zellaufbaumaterial verwendet
werden. Zu den photoautotrophen Organismen zählt man alle grünen Pflanzen, Algen,
Cyanobakterien (Blaualgen) und einige Schwefelbakterien.
Andere autotrophe Lebewesen können anorganische Verbindungen zur Energieerzeugung
verwenden. Diese sogenannten chemolithoautotrophen Organismen können Ammonium / Ammoniak
(Nitritanten*), Nitrit (Nitratanten*), Schwefel (Schwefeloxidanten = Sulfurikanten) oder
auch Eisen (Eisenbakterien) oxidieren und die in den Verbindungen enthaltene Energie
nutzen.
Heterotrophe Prozesse - die Freßkette
Alle autotroph lebenden Lebewesen (Pflanzen, einige Bakterien) binden
anorganischen Kohlenstoff (CO2 oder HCO3-) zu organisch gebundenem Kohlenstoff. Sie bilden
als Produzenten somit das erste Glied von Fressketten. Ihre primären Konsumenten sind
pflanzenfressende bzw. bakterienfressende Tiere. Der organische Kohlenstoff der Beute wird
in die Pflanzenfresserbiomasse eingebaut. Ein Teil des Kohlenstoffs geht jedoch durch die
Atmung des Konsumenten wieder als CO2 an die Atmosphäre bzw. an das Wasser zurück. Die
primären Konsumenten werden ihrerseits von sekundären Konsumenten als Nahrung
aufgenommen. Die sekundären Konsumenten wiederum werden gefressen von tertiären
Konsumenten u.s.w.. Bei jedem Schritt wird ein Teil des organischen Kohlenstoffs als
CO2
wieder frei. Am Ende einer Kette zersetzt die Gruppe der Destruenten die Reststoffe der
Konsumenten (Kot) oder ihre Leichen vollständig zu anorganischem Kohlenstoff. Die
Destruenten können wiederum von spezialisierten Konsumenten gefressen werden.
Die meisten natürlich produzierten organischen Kohlenstoffverbindungen können leicht von
Destruenten abgebaut werden. Doch gibt es auch C-Verbindungen, die z.B. als Schutz vor
Mikroorganismen in Pflanzen produziert oder während der Zersetzung unter
Sauerstoffabschlußfreigesetzt werden. Diese Gerb-, Humin- und Fulvinsäuren bleiben
länger im Biotop erhalten. Man spricht auch von inaktiven organischen Kohlenstoff. Im
Aquarium sind diese schwer abbaubaren Stoffe - auch Gelbstoffe genannt - unerwünscht. Bei
ausschließlich biologischer Filterung können sich die Gelbstoffe anreichern. Sie müssen
mit Hilfe von Aktivkohle herausgefiltert werden; denn ein biologischer Abbau erfolgt nur
sehr langsam im Rahmen der sogenannten Co-Oxidation, d.h. der Stoff wird nur zufällig von
dem einen oder anderen Enzym gespalten (MEYER-REIL 1993). Im Aquarium ist dieser
Prozessvernachlässigbar.
In einigen speziellen Aquarien sind die Huminstoffe jedoch erwünscht. In sogenannten
Schwarzwasserbiotopen sorgen Humin- und Gerbstoffe für einen niedrigen pH-Wert. Dieser
verhindert zusammen mit der bakteriziden Wirkung der Humin- und Gelbstoffe weitgehend ein
übermäßiges Bakterienwachstum. Die Fische aus Schwarzwasserbiotopen haben sich zum Teil
sehr an das saure, bakterienarme Wasser gewöhnt.
Das beste Beispiel ist der Diskus (Symphysodon). Die Haut dieser Fische unterscheidet sich
sehr stark von der Haut anderer Fische. Die bakterienhemmenden Mechanismen sind weitgehend
unterentwickelt. An deren Stelle haben sich Nährzellen gebildet, die den Diskuslarven als
Nahrung dienen. Die Jungfische von Symphysodon picken als erste Nahrung die Nährzellen
von der elterlichen Haut. (BREMER & WALTER 1986)
Karbonathärte |
pH-Wert |
|
| Süßwasser | ||
| Gesellschaftsbecken mit Pflanzen | 2 - 3°dH |
6,5 - 7,5 |
| Weichwasser (z.B.Amazonasbecken) | 1 - 4°dH |
6,0 - 7,0 |
| Schwarzwasserbiotop (Diskus) | 1 - 2°dH |
5,5 - 6,5 |
| Zuchtbecken Weichwasserfische | < 1°dH |
je nach Art |
| Ostafrikanische Buntbarsche | 5 - 10°dH* |
8,0 - 8,5 |
| Meerwasser | > 8°dH |
(8,0) 8,1 - 8,3 (8,4) |
* nicht notwendig, aber zum einstellen des pH-Wertes nützlich.
Kohlenstoff wird von der belebten Natur (Produzenten, Konsumenten,
Destruenten) in einem kleinen Kreislauf stetig von der anorganischen Form (CO2) in die
organische Form (Biomasse) und zurück umgewandelt. Treibende Kraft ist letztendlich in
(fast) allen Biotopen die Sonnenenergie.
Wie viele Glieder die Fresskette hat, kann von Biotop zu Biotop sehr unterschiedlich sein.
Die kleinsten Ketten bestehen aus einem Produzenten, einem Konsumenten und Destruenten.
Dabei kann der Unterschied in der Körpergröße von Produzent und Konsumente enorm sein.
So frisst das größte Landsäugetier - der Elefant - neben Baumteilen auch wenige Gramm
wiegende Gräser. Noch krasser liegen die Größenverhältnisse im Ozean. Der bis 18 m
lange Walhai z.B. frisst mikroskopisch kleines Plankton.
Die Beziehungen zwischen Produzent und Konsument können sehr eng sein. So haben einige
Tiere autotrophe Organismen (Zooxanthellen) in ihre Körper eingelagert. Beide Arten
profitieren voneinander; hier kann von Fresskette kaum noch gesprochen werden. So leben
einige Wurzelfüßer (Rhizopoda) und Wimperntierchen (Ciliata) immer mit Algen der Gattung
Chlorella oder mit Cyanobakterien (Blaualgen) eng zusammen. Lockere Verbindungen gibt es
z.B. bei Süßwasserschwämmen, die mit Chlorella zusammenleben können. Der grüne
Flagellat Platymonas convolutae lebt symbiontisch im Gewebe des Turbellars
Convoluta roscoffensis. Convoluta convoluta nimmt die Kieselalge
Licmophora spec. auf; diese verlässt ihre eigene Kieselschale und überlebt als Zooxanthell im Turbellarkörper. Auch
Pilze (meist Ascomyceten) können mit Algen (Cynophyceen = Cyanobakterien und
Chlorophyceen) in enger Symbiose zusammenleben und einen neuen Organisationstyp bilden:
die Flechten.
Einige einzellige Algen der Dinoflagellaten = Dinophyceae leben in einer ganzen Reihe
verschiedener Tiere. Man findet diese in Radiolarien, in Anemonen, in einigen
Strudelwürmern (Turbellaria), in der Mördermuschel Tridacna, in der Knollenqualle
Cotylorhiza tuberculata und nicht zuletzt in einer Vielzahl von Korallen.
Korallen haben viele Strategien entwickelt, um Nahrung aufzunehmen und zu wachsen.
Einerseits können die Einzelpolypen eines Korallenstocks kleine Partikel (Plankton) mit
ihren Fangarmen aufnehmen und in ihre Mundöffnung transportieren. Andererseits können
bestimmte organische Verbindungen, die im Meerwasser vorhanden sind, direkt durch das
Gewebe des Polypen aufgenommen und verwertet werden. Die für die meisten Korallen
wichtigste Nahrungsbeschaffung ist jedoch die Symbiose mit den Dinoflagellaten. Diese
einzelligen Algen leben im Gewebe der Korallenpolypen und geben dem Polypen einen Teil der
produzierten Stoffe und den durch Photosynthese entstandenen Sauerstoff ab. Der Polyp
wiederum versorgt die Algen mit Mineralien, die im Meerwasser in geringen Konzentrationen
vorkommen (Stickstoff, Phosphor), und mit ausgeatmeten Kohlendioxid. Weiterhin erhöht der
Polyp die Kohlendioxidkonzentration im Gewebe durch Spaltung von Hydrogencarbonat mit
Hilfe des Enzyms Carboanhydrase:
H2CO3 <-> CO2 + H2O
Kohlensäure <-> Kohlendioxid + Wasser
Das Kohlendioxid wird von den Zooxanthellen verbraucht, so dass das anorganische Kohlenstoffgleichgewicht in Richtung Carbonat verschoben wird. Carbonat kann in hohen Konzentrationen nicht mehr im Wasser gelöst sein. Daraufhin fällt Carbonat als Kalk aus. Der Polyp lagert den Kalk hochgeordnet in seiner Basis als Kalkskelett ab. Im Laufe der Zeit bildet die Gesamtheit der Steinkorallen große Riffe.
Abb. 7: Der symbiontische Kohlenstoffkreislauf in der Koralle zwischen Korallenpolypen und Zooxanthelle.
Es gibt noch weitere Lebewesen, die Kalk bilden und damit Schutz- oder
Stützkonstruktionen bauen. Bei den Algen gibt es die Gattung Halimedia (Pfennigalge,
Kaktusalge), die an ihren "Blatt"-rändern Kalk abscheidet. Kalkröhrenwürmer
(Spirobranchus) bilden Röhren aus Kalk, die sie als Schutz gegen Fressfeinde nutzen. Zum
Stützen der gesamten Struktur lagern einige Schwämme (Porifera) Sklerenelemente aus
Calciumcarbonat ein. Schalen als Schutzorgan bilden Foraminiferen, Brachiopoden, Muscheln
(Bivalvia), Schnecken (Gastropoda) und Muschelkrebse (Ostracoda). Skelette sind in der
Tierwelt sehr weit verbreitet: Außenskelette (Ektoskelett) werden z.B. von den Krebsen
gebildet; Innenskelette aus Kalk von Seeigeln (Echinoida), Seesternen (Asteroida),
Schlangensternen (Ophiuroida) und von den im Wasser lebenden Wirbeltieren.
Wenn diese Tiere gefressen werden oder sterben, sinken die Überreste der kalkhaltigen
Skelette dem Meeresgrund entgegen.
In flachen Meeren sinken die Skelette der Pflanzen und Tiere, aber auch
die Kalkpartikel, die durch bohrende Organismen im Korallenriff entstehen, auf den
Meeresboden und sedimentieren. In tiefen Meeren dagegen lösen sich die
Calciumcarbonatteilchen wieder auf. In gelöster Form erreicht der Kalk eines Tages wieder
die oberen Schichten, wo er erneut in Organismen eingebaut werden kann.
Der Auflösungsprozess von Kalk in der Tiefe wird durch einige Faktoren begünstigt. In
oberflächennahen Wasserschichten liegt der pH-Wert bei ca. 8,1, an besonders
photosyntheseaktiven Stellen (z.B. Korrallenriffen) aufgrund des CO2-Mangels bis 8,4. Das
Oberflächenwasser ist kalkübersättigt. In tiefen Meeren überwiegen die
dissimilatorischen Prozesse (Abbau), so dass viel CO2 frei wird - der pH-Wert sinkt und die
Kalklöslichkeit erhöht sich. Zusätzlich wirken der hohe statische Druck und die tiefen
Temperaturen in der Tiefsee lösungsfördernd. Die tiefen Meere sind somit alle
kalkuntersättigt, so dass absinkende Kalkpartikel sich auflösen können. Die Schicht
zwischen übersättigtem Oberflächenwasser und untersättigtem Tiefenwasser wird
Lysokline genannt und liegt bei ca. 4000 Metern Tiefe. Liegt der Meeresboden über der
Lysokline, lagern sich die Kalkskelette am Meeresboden ab, bei tiefer liegenden Böden
können sich nur noch kieselhaltige Skelette ablagern, da die Kalkkomponenten aufgelöst
sind. (BROECKER 1991)
Im Laufe der Erdgeschichte haben sich riesige Mengen an kalkhaltigen Sedimenten gebildet.
Sie stammen maßgeblich von ausgestorbenen Stromatoporen und Ammoniten sowie der rezenten
Foraminiferen. Unter Druck werden nach langer Zeit die erst lockeren Sedimente zu
Kalksteinschichten verfestigt. Ist neben Calciumcarbonat auch Magnesiumcarbonat in den
Sedimenten enthalten, bildet sich Dolomitgestein.

Abb. 8: Der große Kohlenstoffkreislauf der Erde.
Die Erdkruste ist keine stabile Schicht, sie ist in große
Kontinentalplatten aufgeteilt, die sich gegeneinander verschieben. Stoßen zwei Platten
aufeinander, bilden sich an der Berührungsstelle große Faltungsgebirge, z.B. Anden,
Rocky Mountains, Himalaya, Alpen. Dabei kann es passieren, dass ehemalige Meeresböden zum
Gebirge aufsteigen. Enthalten die Meeresböden Kalk, bilden sich Kalksteingebirge.
Wie alle Gebirge werden auch Kalksteingebirge von den Erosionskräften Wind und Wasser
wieder abgetragen. Dabei löst sich der Kalkstein durch kohlensäurehaltiges Wasser
besonders schnell auf. Das Wasser, das sich nach der Passage von kalkhaltigem Gestein in
Bächen und Flüssen sammelt, kann sehr hohe Härtegrade aufweisen - Hartwässer. Gebirge
mit nur sehr wenig Kalkanteil reichern die in ihnen entspringenden Gewässer nur gering
oder gar nicht mit Karbonat- und Gesamthärte an - Weichwässer.
Münden Hartwässer im Meer, wird dieses wieder mit gelöstem Kalk angereichert. Die von
dieser Substanz abhängigen Organismen können so konstant mit Calcium und
Hydrogencarbonat versorgt werden. Der Kohlenstoffkreislauf ist geschlossen.
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