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Inhalt: Wasseraufbereitung vom Rohwasser Chemie: Meersalz / Zusätze / Kalkreaktoren Welche Parameter/Werte müssen überwacht werden? Mess-, Regel- und Steuertechnik
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Ausschnitt aus einem AquaCare-Steinkorallen-System (Bild: G. Baginsky)
Der hier vorgeschlagene Weg zum Riffaquarium ist nicht der einzige! Es
gibt viele Arten, ein Becken einzurichten, auszustatten und zu Betreiben. Wir gehen von
unserer Meinung - auch unser Geschmack spielt eine Rolle - aus. Von diesem Weg sind wir
überzeugt, da wir ihn für übersichtlich halten (einfache aber effektive Technik),
er fast 100%ig funktioniert (leicht zu bedienen) und optisch geschmackvoll
eingerichtet werden kann (viele Fische, die auch gut
gefüttert werden).
Der Meerwasseraquarianer muss sich bewusst sein, dass dieses Hobby Geld und Zeit kostet.
Sowohl die Investitionen als auch die laufenden Kosten der Meerwasserbecken sind höher
als die der Süßwasseraquarien. Die Methode, klein anzufangen und dann nach und nach
auszubauen, funktioniert nur im Süßwasserbereich (erst ein kleines Becken für
Kaltwasserfische, dann wird für Warmwasserfische eine Heizung eingebaut, danach wird für
guten Pflanzenwuchs eine gute Beleuchtung und eine Kohlendioxiddüngung
installiert). Im Meerwasserbereich funktioniert das jedoch
nicht - speziell im Riffaquarium. Die Tiere stellen bestimmte Bedingungen
an Wasserqualität, Licht und Strömung. Wenn ein Faktor nicht stimmt, bedeutet das fast
immer den Untergang des Systems. Es gibt zwar immer Tiere, die die schlimmsten Becken
überleben. Wenn Tiere leiden, haben jedoch die Tierschützer recht, dass die Aquaristik verboten
werden muss. Nicht nur aus diesem Grund sollte immer das oberste Ziel sein, die Tiere
optimal zu hältern und nicht auszuprobieren, wie viel die Tiere noch ertragen können.
Im Meerwasserbereich sind noch viele Fragen offen. Deshalb sollte immer eine Diskussion
zwischen Aquarianern, Händlern, Zoos, Tierschützern, Herstellern, Fangstationen
und Tauchtouristik geschehen.
Wir hoffen, dass Sie ein wenig Spaß haben und nützliche Infos erhalten.
Bild:
ab ca. 300 Liter Volumen ist ein sicheres Aquarium zu bauen, bei dem alle
Filterkomponente unten im Schrank Platz haben. (Komplettaquarium von AquaCare)
Das Aquariumbecken kann prinzipiell gar nicht groß genug sein. Auf jeden Fall gilt die Regel: je größer das Aquarium desto höher die Stabilität der Wasserwerte und der Biologie. Die Größe ist normalerweise nur vom Platz, der Stabilität des Aufstellplatzes (Statik) und vom Geldbeutel abhängig. Beachten Sie immer, dass das Volumen des Becken (Literzahl) mit dem Faktor 1,5 multipliziert werden muss, um das ungefähre Gewicht des Aquariums zu ermitteln. Ein 500 Liter-Becken kann leicht 750 kg wiegen. Erkundigen Sie sich (Hausbesitzer, Architekt, Statiker), ob der Boden die Belastung aushält. Das geplante Gestell bzw. Unterschrank muss ebenfalls für das Gewicht ausgelegt sein. In guten Zoofachgeschäften werden Sie vernünftig beraten. Leider gibt es im Meerwasserbereich sehr viele Scharlatane - wir als Hersteller von Markenartikeln haben schon einige Geschichten miterlebt. - Aquarien unter ca. 200 Liter sind gerade für den Anfänger sehr schwer zu handhaben.
Wichtig bei der Planung ist die Tiefe (nicht die Höhe) des Aquariums. Da Meerwasser einen sehr großen Brechungsindex aufweist, erscheint das leere Aquarium sehr groß. Doch wenn es mit Meerwasser gefüllt ist, wirkt es wesentlich kleiner. Muss auf die Literzahl geachtet werden, sollte lieber an der Länge oder der Höhe gespart werden als an der Tiefe. Mit tiefen Aquarien können sehr schöne räumliche Riffaufbauten verwirklicht werden. Die Riffaufbauten weniger tiefer Aquarien sehen leicht nach fadem Mauerwerk" aus - der dreidimensionale Eindruck fehlt.
Bei der Planung der Aquariengröße sollten die laufenden Kosten nicht außer Acht gelassen werden. Rechnen Sie die elektrische Leistung aller Gerät auf's Jahr oder als monatliche Kosten aus. Der Stromverbrauch hat schon einige Aquarianer unangenehm überrascht. Schauen Sie auf das Gerät nach der elektrischen Leistung (Angabe in Watt) nehmen diese Zahl mit der täglichen Betriebszeit mal (bei Beleuchtung 5 bis 10 Stunden, Filtersystem 24 Stunden, Strömungspumpen 12 bis 24 Stunden, Kühlung in den gemäßigten Breiten meist nur in den Sommermonaten etc.); die erhaltene Zahl durch 1000 teilen und schon haben Sie den täglichen Verbrauch in kWh. Sehen Sie auf Ihre Stromrechnung und multiplizieren den Verbrauch mit dem Preis einer Kilowattstunde. Den erhaltenen Werte rechnen Sie auf einen Monat bzw. auf ein Jahr hoch. Zu den laufenden Stromkosten kommen weitere Kosten, wie Futter, Pflegeprodukte, Meersalz, Wasser und Tiere (in perfekten Aquarien sind die jährlichen Tierkosten jedoch gering, weil viele Tiere lange leben, andere sich kräftig vermehren) hinzu.
Kleine bis mittlere Becken werden meisten aus Glas hergestellt. Der
Werkstoff ist preiswert, stabil und hat gute optische Eigenschaften. Glasbecken halten
jedoch nur 10 bis 15 Jahre. Danach ist die Gefahr groß, dass eine Scheibe sich
herauslöst oder platzt. Mit den Jahren wird Glas spröde und die Silikonfugen sind
weniger belastbar. Eine gute Aquarienversicherung sollte auf jeden Fall abgeschlossen sein
(die Hausratsversicherung deckt normalerweise keine Wasserschäden, die durch auslaufende
Aquarien verursacht wurden! Sie kann aber meist günstig für Aquarien erweitert werden.
Einige Aquarienvereine vermitteln günstige Versicherungen.). Die Silikonnähte sollten
immer mit schwarzem Silikon verklebt sein, um Algenwachstum in den Fugen zu verhindert.
Algen können zwischen Fuge und Glas wachsen und lösen die Verbindung. Aus
Stabilitätsgründen sollten die Scheiben nie stoßverklebt sondern wulstverklebt sein
(leider teuerer). Bei größeren Becken sollten über die Nähe innen
zusätzlich kleine Glasstreifen aufgeklebt sein, um Silikonfressern keine
Angriffschance zu bieten.
Bei kleinen Aquarien oder Süßwasseraquarien spielt die Grünfärbung
des Glases kaum eine Rolle. Bei großen Meerwasseraquarien macht sich die Eigenfärbung
(sehen Sie mal auf den Rand einer Glasscheibe) sehr wohl bemerkbar. Für diesen Zweck gibt
es Glassorten, die fast keine Färbung aufweisen - diese sind teurer als das
Normalglas. Um Kosten zu sparen, kann das Weißglas" nur für die einsehbaren
Seiten (meist Frontscheibe plus Seitenscheiben) verwendet werden. Übrigens: Glas
muss
immer geschliffen sein, nicht nur, um die Verletzungsgefahr herabzusetzen, sondern
geschliffene Gläser sind stabiler. Die Qualitätsunterschiede von Glasaquarien sind enorm
- die Preise ebenso. AquaCare empfiehlt immer den sicheren Weg - rechnen Sie einmal nur
den Anschaffungspreis (von dem ideellen Wert einmal abgesehen) von den eingesetzten Tieren
zusammen, die bei einem Glasbruch fast nie überleben und setzten Sie den Aufpreis
der besseren Qualität dagegen. Aquarienversicherungen übernehmen nur die entstandenen
Wasserschäden - Tiere werden nicht ersetzt.
Sehr große Aquarien - ab ca.1000 Liter - werden von Aquarienbauern vor Ort geklebt. Oft
wird nur die Frontscheibe aus Glas hergestellt, die anderen Seiten können aus Holz,
Beton, glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) sein (siehe auch Adey, W.H. &
Loveland, K. 1991).
Plexiglas ist optisch ein sehr attraktiver Werkstoff: die Farben der Tiere wirken
schöner, der Brechungsindex dieses Materials ist dem des Wassers ähnlicher, so
dass die
Verzerrungen geringer werden, und Kratzer sind auspolierbar. Für sehr große
Schauaquarien wird dieser Werkstoff gern benutzt. Doch die Pflege von Plexiglas ist
aufwendig. Algen können nur mit Kunststoffschabern, weicher Filterwatte oder Spezialtüchern entfernt werden,
um keine Kratzer zu verursachen. Die Becken (Vollplexibecken) halten jedoch
beliebig lang, weil es keine Silikonfugen gibt (Plexiglasscheiben werden
zusammengeschweißt) und nur wenig mit der Zeit versprödet.
Auf keinen Fall sollte eine Abdeckscheibe verwendet werden. Sie reduziert das Licht erheblich und erschwert den Gasaustausch. Der Wärmestau im Sommer kann ebenfalls zum schnellen Scheitern Ihres Riff-Traums führen.
Der elektrische Aufbau von Aquarienanlagen gleicht oft einem Gewirr von Kabeln mit
lebensgefährlichem Charakter. Wir können nicht genügend darauf hinweisen, dass viele
Geräte nur von fachlich qualifizierten Personen angeschlossen werden dürfen. Die Kombination Meerwasser
und Strom ist einfach zu gefährlich.
Um die Sicherheit für den Aquarianer zu maximieren, sollten alle Anschlüsse über einen
Fehlerstromschalter (FI) geschützt werden (in Neubauten sind diese Schalter Pflicht).
Aber auch die Tiere sollten gesichert sein. Was nützt ein Fehlerstromschalter, der bei
einem Defekt reagiert und den Strom abschaltet, wenn die Tiere dann ohne Technik
weiterleben müssen. Meist passieren diese Stromausfälle immer, wenn niemand zu Hause
ist. Ein Meerwasseraquarium kann dann sehr schnell umkippen", d.h. die
Wasserqualität wird so schlecht, dass die Tiere sterben. Nach wenigen Stunden ist oft
schon der Tod einiger Tiere zu beklagen - besonders die Tiere, die empfindlich gegenüber
Sauerstoffmangel sind (z.B. Zebrasoma spec.).
Wir empfehlen folgende Schaltung: das
Aquarium sollte mindestens zwei Stromkreise haben, die getrennte Sicherungen und getrennte
Fehlerstromschalter (FI) haben. Die Fehlerstromschalter müssen eine niedrigere Ansprechschwelle
besitzen, als die des Wohnungs-FIs. Der eine Stromkreis ist für die Kreislaufpumpe
inkl.
Abschäumer und Heizung, der andere für die Strömungspumpen und die
Beleuchtung. Alle anderen Geräte können
gleichmäßig über die beiden Stromkreise verteilt werden. Regelgeräte sollten eine
Feinsicherung haben, damit bei einem Kurzschluss des angeschlossenen Gerätes oder des
Reglers nur dieses Gerät ausfällt und nicht alle am Sicherungsautomaten
(Wohnungssicherungskasten) angeschlossenen Geräte. - Sinn dieser Schaltung ist es,
dass
zumindest die Heizung und Wasserbewegung und damit der Sauerstoffeintrag gewährleistet ist. Jedes
eingefahrene Aquarium kann z.B. einen Lichtausfall über mehrere Tage gut verkraften. Auch
die Filteranlage kann für mehrere Tage ausfallen, ohne gleich eine Katastrophe
auszulösen. Nur wenn die Wasserbewegung (Kreislaufpumpe und die
Strömungspumpen) für längere Zeit (einige Stunden) ausfällt, sinkt der
Sauerstoffgehalt schnell unter das Minimum und das Sterben beginnt. Auch zu
tiefe Temperaturen (unter 20°C) können die Tiere - insbesondere Steinkorallen
- schnell zum Absterben
bringen. Fällt ein Stromkreis aus, funktioniert zumindest die Heizung oder die
indirekte Heizung durch die Beleuchtung.
Jeder Aquarianer sollte darauf achten, dass die Verkabelung (im Meerwasserbereich sammelt
sich so einiges an Strippen" an) ordentlich und übersichtlich verlegt wird.
Stecker sollten mit einer Aufschrift versehen werden, für welches Gerät er dient - zu
schnell hat man den falschen gezogen. Gerade auch, wenn die Urlaubsvertretung
über telefonische Erste-Hilfe-Maßnahmen angewiesen werden soll, ist eine
übersichtliche Verkabelung und Steckerbeschriftung ausgesprochen
hilfreich.

Ein Schaltkasten während des Aufbaus. Auch in Hobbyaquarien sind
alle Möglichkeiten der modernen MSR-Technik machbar;
hier mit SPS und Frequenzsteuerung für Pumpen. Bild: U. Hirschberg.
Wir wissen, dass dies ein heißes Eisen ist. Wenn zwei ariophile
(Meerwasserbesessene) diskutieren, gibt es mindestens 3½ Meinungen. Unsere Empfehlung
lautet: der Abschäumer ist das wichtigste technische Gerät. Auf einen Biofilter kann,
muss aber nicht verzichtet werden. Mindestens genauso wichtig wie der Abschäumer sind
lebende Steine (für kleine und mittlere Aquarien), die auch im Filtersystem eingebaut werden können. Jedoch sind sie unserer
Meinung nach zu teuer, so dass sie besser im Aquarium als Aufbaumaterial
Verwendung finden sollten.
Auf dem Markt gibt es viele Abschäumertypen. Zu entscheiden, welcher nun der Beste ist,
kann niemand objektiv entscheiden, weil unseres Wissens noch niemand alle Typen auf einmal
getestet hat (siehe dazu "Qualitätsmerkmale von
Abschäumern"). Dass es zum Teil enorme Unterschiede in Baugröße und Leistung gibt, ist
jedem klar. Grundsätzlich gibt es Gleichstrom- und Gegenstromabschäumer und Sondertypen.
Gleichstromabschäumer sind grundsätzlich uneffektiver - sie werden kaum noch angeboten.
Sondertypen werden als Rotationsabschäumer, Diffusionsabschäumer,
Kontakabschäumer,
Fallstromabschäumer und AquaCareFlotor
angeboten. Achten Sie beim Kauf auf folgende Punkte: der Abschäumer sollte leise, leicht
zu warten und zu säubern sein. Die wichtigsten Punkte sind jedoch die produzierte
Blasengröße (je kleiner die Blasen, desto höher die Effektivität) und die
Kontaktzeit (je länger desto besser). Sehen Sie sich einige Geräte bei Freunden,
Vereinsmitgliedern oder Händlern an. Auch können bei einigen Herstellern die Geräte in
Aktion besichtigt werden.
Biofilter sollten immer hinter dem Abschäumer geschaltet werden, denn der Abschäumer
soll die Hauptarbeit leisten und alles, was der Abschäumer noch durchlässt, wird dann
biologisch im Biofilter abgebaut. Das Material im Biofilter - wenn er überhaupt
eingesetzt wird - muss extrem durchlässig sein. Am besten sind Kunststoffbiobälle mit
extrem hohem Zwischenraumvolumen (z.B. AquaCare
Kunststoffrieselfiltermaterial). Auf keinen Fall darf dichtes Material,
wie z.B. Kies, Aktivkohle, Sinterkörper, Lavagestein, etc. verwendet werden. Poröses,
dichtes Material wird mehr oder weniger schnell mit Mulm verstopft und erniedrigt das
Redoxpotential. Die negative Wirkung ist meist erst nach Monaten zu erkennen. Biobälle
müssen vor dem Einsatz gründlich heiß gespült werden. Denn
Kunststoff-Spritzgussteile
haben aus produktionstechnischen Gründen meist eine wachsige Schicht auf der Oberfläche.
Diese Wachse können die Abschäumer für viele Stunden lahm legen!
Eine Alternative für Aquarien, die kein oder nur wenig Lebendgestein haben,
sind Fließbettfilter. Diese
Filter sind die effektivsten Biofilter ohne zu verstopfen.
Lebende Steine: siehe hier.
Mit Abschäumer plus lebende
Steinen ist es im Riffaquarium leicht möglich, die Nitratkonzentration auf die
Nachweisgrenze zu reduzieren - allerdings nur bei geringem Fischbesatz.
Die speziell konstruierten Denitrifikationsfilter (Nitrat-Filter"),
die mit organischen Stoffe (Alkohol, Zucker, "Deniballs", Essigsäure)
gefüttert werden, sollten
unserer Meinung nach nicht in einem Riffbecken eingebaut werden. Wir haben sehr viele
negative Ereignisse von unseren Kunden mitgeteilt bekommen - nicht zuletzt wegen des
komplizierten Handlings der Denitrifikationsfilter. Vor allem sind sie in einem gut
gebauten Riff (lebende Steine) unnötig. In reinen Fischbecken oder Spezialbecken können
diese Filter gute Dienste leisten. Es muss bei Denitrifikationsfiltern darauf
geachtet werden, dass im Filter einen separate Umwälzung stattfindet. Überall im Filter
muss eine gute Verteilung des Wassers stattfinden. Das Redoxpotential im Filter
muss
kontrolliert werden. Ohne diese Kontrolle besteht bei zu niedrigem Zulauf bzw. zu starker
Fütterung (es werden spezielle Nitratfilter"-Nährlösungen angeboten) die
Gefahr der Schwefelwasserstoffbildung (stinkt nach faulen Eiern) und bei zu hohem Zulauf
bzw. zu schwacher Fütterung besteht die Gefahr der Nitritbildung. Beide Stoffe richten
erheblich Unheil im Aquarium an. Der Ablauf des Nitratfilters" muss unbedingt in
den Zulauf des Abschäumers eingespeist werden, damit wenigstens einige der aus dem Filter
geschwemmten Bakterien aus dem Wasser genommen werden.
Die neuen "Schwefel-Nitratfilter"
sind im Handling bedeutend einfacher. Bei Nitratkonzentrationen über 20-25 mg/l
können diese autotroph arbeitenden Filter, d.h. ohne organische Futterstoffe,
gute Dienste leisten. Die Nitratkonzentration sollte aber auf keinen Falle unter
5 mg/l absinken, damit Mangelerscheinungen nicht auftreten können.
Die Wasserströmung wird von vielen Meerwasseraquarianern hoffnungslos
unterschätzt. Fast alle Tiere benötigen eine gute Strömung, um
prächtig gedeihen zu
können. Unsere Empfehlung lautet: pro Stunde sollte mit Strömungspumpen das
Beckenvolumen mindestens 10 mal umgewälzt werden. Eine wechselnde Strömung mit einer
Intervallsteuerung hat besondere
Vorteile: "Dreckecken" werden besser vermieden; die Tiere bewegen sich
natürlicher und wachsen besser.
Pumpen, die die Motorteile über dem Wasser haben (Turbellen"), geben
wesentlich weniger Wärme an das Wasser ab, als wassergekühlte Pumpen. Besonders im Sommer spielt
diese Tatsache eine wichtige Rolle. Tauchpumpen (meist Synchronmotoren) können in ihrer
Drehzahl im allgemeinen nicht reguliert werden (nicht mit den aquaristischen
Intervallsteuerungen), Turbellen (Asynchronmotoren) sind regulierbar (Herstellerangaben
beachten). Nur in großen Aquarien (ab ca. 1000 Litern) ist es sinnvoll, die
Strömung außerhalb
mit starken Pumpen und regelbaren Stellklappen zu installieren. Bei
Show-Aquarien (>10.000 Liter) reicht Strömung durch Pumpen allein nicht mehr
aus - wesentlich sinnvoller ist der zusätzliche Aufbau einer Wellenanlage.
Die Kreislaufströmung vom Aquarium in den Filterkasten und wieder zurück sollte so stark
sein, dass die Pumpe in der Stunde das Aquarienvolumen ca. 5 mal umwälzt. Bei der
Auslegung der Pumpe muss darauf geachtet werden, dass die Förderhöhe die Literleistung
stark beeinflusst. Markenpumpen werden mit Kennkurven geliefert, auf denen die geförderte
Literleistung gegen die Förderhöhe aufgezeichnet ist. Um die Förderhöhe zu ermitteln,
muss die Höhe von Wasseroberfläche Filterkasten (dort wo die Kreislaufpumpe ansaugt) bis
zur Wasseroberfläche Aquarium ausgemessen werden. Die gemessene Meterzahl in der Kennkurve
suchen und die dazugehörige Literleistung ablesen - das ist die maximale Literzahl! In
der Praxis fördern die Pumpen wegen der Rohrwiderstände weniger - bei einigen
aquaristischen Modellen sogar erheblich weniger. Dieser Punkt sollte beachtet
werden - von einer theoretischen Pumpenleistung haben Ihre Tiere nichts.
Ganz wichtig: die Pumpen müssen meerwasserfest sein. Der Schaden durch eine korrodierende
Pumpe kann erheblich sein - es sind sogar schon Totalausfälle berichtet worden.
Heizungspumpen, die wegen der wesentlich höheren Stückzahlen kostengünstiger sind,
können im Meerwasserbereich nicht verwendet werden.
Schläuche sind die schlechteste Art, in der Aquaristik das Wasser zu
transportieren. Die meisten Schläuche bestehen aus Weich-PVC (PVC = Polyvinylchlorid).
Dieses Material ist zwar billig und flexibel, aber mit der Zeit entweichen die Weichmacher
(z.T. Phthalate, die krebserregend sein können) aus dem Material, so dass die Schläuche hart werden und von den Verbindungsstücken bei
leichten Bewegungen (Pumpenvibration) abspringen können. Die Folgen von Weichmachern im Meerwasser sind
unbekannt. Weich-PVC-Schläuche sind allenfalls für die Luftversorgung einzusetzen, wenn
die Schläuche keinen Wasserkontakt haben (z.B. Luftversorgung der Abschäumer). Silikon
kann wesentlich besser verwendet werden. Silikon ist im Allgemeinen ohne Weichmacher
hergestellt und ist dauerelastisch. Es muss jedoch beachtet werden, dass Silikon für Gase
durchlässig ist, und somit nicht für z.B. die Kohlendioxidversorgung oder
Kalkwassermischer eingesetzt werden
sollte. Silikon in der Normalausführung ist ebenfalls nicht druckfest (ebenso wie Weich-PVC). Einige Pumpen
können schon einen Schlauch zum Aufblasen bringen.
Für die Wasserführung gibt es im Meerwasser eigentlich nur eine gute Möglichkeit:
Hart-PVC auch als PVC-grau, PVC-hart, PVC-U bekannt. Dieses PVC hat keine
Weichmacher und ist absolut starr. Die Verrohrung kann leicht mit einer Handsäge
zurechtgesägt und die Fittings (Eckstücke, T-Stück, Verschraubungen, etc.) leicht
geklebt" werden. Hart-PVC ist druckfest: mit wie viel Druck die Teile
belastet werden können, steht auf den Fittings und Rohren; PN 10 heißt z.B. belastbar
bis 10 bar bei Raumtemperatur. Nachteilig ist, dass nach dem Verschweißen
(Kleben") der Einzelteile mit Spezialschweißmittel die Verbindungen nicht mehr
gelöst werden können. Deshalb sollten zwischen wichtigen Teilen (z.B. Pumpen), die ab
und zu mal ausgebaut werden müssen, Verschraubungen bzw. Kugelhähne geschweißt werden.
Ein genaue Planung (am besten mit Zeichnung) sollte unbedingt vorher gemacht werden. Wer
noch nie mit PVC gearbeitet hat, sollte sich mit Fachleuten (einige Händler und
Aquarienbauer) in Verbindung setzen. Die Verarbeitungshinweise des Herstellers
(Schweißmittel) müssen unbedingt beachtet werden. - Provisorisch können die PVC-Stücke
mit Teflonband abgedichtet werden. Das sollte aber nur dafür genutzt werden, um einmal
etwas auszuprobieren. Auf die Dauer geht jedoch diese Methode schief!
Für kleine Versuchsanlagen, bei denen oft etwas umgebaut wird, haben sich Steckfittings bewährt. Diese Verbindungen
können beliebig oft zusammen- und auseinandergebaut werden. Das Stecksystem ist ebenfalls
hervorragend für das Frischwasserversorgungssystem (Umkehrosmoseanlage,
Vorratsbehälter, Meerwassermischbecken) oder die Luftversorgung einsetzbar.
Meist ist das Leitungswasser für die Meerwasseraquaristik nicht mehr zu gebrauchen. Stoffe wie Nitrat, Kieselsäure, Pestizidrückstände, Medikamentenreste können im Meerwasseraquarium das reinste Chaos verursachen. Die in der Meerwasseraquaristik bekannteste Methode zur Wasseraufbereitung ist die Umkehrosmosetechnik. Ferner werden Ionenaustauscher und Aktivkohlefilterung verwendet. Weitere Einzelheiten über Umkehrosmosetechnik erhalten Sie hier.
Über die Beleuchtung wird ebenfalls sehr viel diskutiert und
z.T. mit Fachbegriffen herumgeschmissen, die einen Anfänger hoffnungslos
überfordern.
Wichtig ist die Regel: je tiefer und größer ein Aquarium ist, desto mehr
Beleuchtung muss aufgehängt werden. Es sollte darauf geachtet werden, dass bei
der Hälterung von den meisten Steinkorallen mehr Licht benötigt wird, als bei
pflegeleichten Tieren wie z.B. Weichkorallen, Scheiben- und Krustenanemonen
(Allerdings wachsen die meisten Tiere bei mehr Licht besser). Mehr Licht
verhilft durch die erhöhte Photosyntheseaktivität der Korallen und Algen zu
einem stabileren chemischen, physikalischen und biologischen
"Gleichgewicht".
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| Capnella spec. bei sehr schwacher Beleuchtung | das genetisch identische Tier bei guter Beleuchtungsstärke |
Für die Hauptbeleuchtung haben sich HQI-Leuchten (HQL-Leuchten dürfen auf keinen Fall benutzt werden) bestens bewährt. Sie gibt es in 70, 150, 250, 400, 1000, 2000 und 3000 Watt. Wie stark die Lampen sein sollten, hängt hauptsächlich von der Wassertiefe ab (wohlgemerkt: die Tabelle ist unsere Empfehlung und bedeutet nicht, dass mit weniger Leistung das Aquarium nicht funktionieren kann. Aber je niedriger die Leistung, desto höher wird die Wahrscheinlichkeit, dass das Mini-Riff nicht funktioniert).
| Wassertiefe des Riffaquariums | Leistung der HQI-Lampe |
| kleiner 30 cm | 70 W |
| 30 - 40 cm | 150 W |
| 40 - 50 cm | 250 W |
| 50 - 70 cm | 400 W |
| 70 -100 cm | 1000 W |
| 100 - 200 cm | 2000 W |
| größer 200 cm | 3000 W |
Eine zu schwache Beleuchtung kann nicht durch eine Verlängerung der Beleuchtungsdauer kompensiert werden. Die Anzahl der Haupt-HQI-Lampen hängt von den Maßen des Aquariums ab. Mit ca. 1 Watt HQI pro Liter Wasser ist fast jedes Becken gut ausgeleuchtet. Die Beleuchtungszeit der HQIs sollte 8-10 Stunden betragen - während der ersten Wochen weniger. Welche Lichtfarbe gewählt werden sollte, hängt viel vom Geschmack des Aquarianers ab. Die hellsten Lampen sind "Daylight"-Brenner, die "10.000-Kelvin"- oder gar "20.000-Kelvin"-Brenner sind weitaus lichtschwächer.
Als Alternative zu HQI-Lampen gibt es neuerdings die sogenannten T5-Röhren. Dies sind besonders leuchtstarke Leuchtstoffröhren, die einen ähnliche Leistung wie HQI aber eine wesentliche längere Lebensdauer haben. Nachteilig ist, dass das typische Lichtflimmern am Bodengrund oder Riffaufbauten nicht mehr zu sehen ist. Das können nur die punktförmig leuchtenden HQI-Lampen oder zusätzliche kleine Halogenspots schaffen.
Die Nebenbeleuchtung kann mit Leuchtstofflampen verwirklicht werden. Sie dient dazu, den Übergang von Nacht zu Tag gedämpfter zu gestalten. Meist werden blaue Röhre verwendet (z.B. Farbton 67). In diesem Licht kommen gerade fluoreszierende Farben voll zur Geltung. Die Nebenbeleuchtung sollte ca. 1 Stunde vor dem Hauptlicht eingeschaltet und ca. 1 Stunde nach dem Hauptlicht ausgeschaltet werden.
Ein Nachtlicht oder Mondsimulator ist notwendig, wenn das Aquarium in einem absolut dunklen Raum steht. Fische - insbesondere neu eingesetzte - können bei vollkommender Dunkelheit panikartig aus dem Aquarium springen. Die Sprungfreude der Fische ist außerdem artspezifisch, z.B. Lippfische springen sehr gerne.
Lebende Steine sind aus natürlichen Riffen herausgebrochene Rifffragmente. In und auf
ihnen befindet sich eine Vielfalt von Bakterien, Algen, Einzeller und viel, viel
Kleingetier. Nicht nur
wegen der sichtbaren Tiere, die nach und nach aus den Steinen wachsen oder herauswandern
(Schnecken, Würmer, Korallen, Anemonen, etc.) sondern auch wegen der Kleinstlebewesen wie
Bakterien, Schwämme und Einzeller, die wichtige Stoffumwandlungsprozesse (biologische Filterung:
Nitrifikation, Denitrifikation, Abbau organischer Substanzen) vollziehen, werden lebende
Steine gern im Aquarium eingebaut. Außerdem geben sie den meisten Aquarien ein fast
realistisches Aussehen. Die Gefahr bei lebenden Steinen besteht im Eintrag von unliebsamen
Gästen wie Fangschreckenkrebse, Feuerborstenwürmer, etc..
Lebende Steine sollte nach "Meer" riechen; faulig stinkende Steine
sollte auf keinen Fall gekauft werden. Mit "gut wässern" ist es nicht
getan. Beachten Sie, dass lebende Steine wie Fische oder Niedere Tiere
importiert und per Luftfracht zu uns kommen. Preise von ca. 10-15 €/kg sind
realistisch (bei guter Qualität); lebende Steine, die im Zoofachhandel für
weit unter 10 €/kg angeboten werden, können nicht aus Riffen stammen oder sind
von derart minderer Qualität (falscher Transport, falsche Lagerung), dass vom
Kauf abgeraten werden muss. Betrachten Sie lebende Steine als das perfekte
biologische Filtersystem - so werden die Kosten in ein besseres Licht gerückt.
Bei Aquarien über 1000 Liter sollte der Riffaufbau nicht mit lebenden Steinen
gestaltet werden, da er mit der Zeit zum Zusammenbrechen neigt und große Mengen
an Sedimenten produziert.
In mein Aquarium kommt keine Chemie!
Dieses Argument ist leider falsch. Im Riffaquarium findet eine derart große
Vielzahl von chemischen Reaktionen statt, dass ein Riffaquarium eigentlich als
chemischer Reaktor bezeichnet werden müsste. Auch alle biologischen Vorgänge
sind auf chemische Abläufe zurückzuführen.
Da ein Riffaquarium nie in einem natürlichen Gleichgewicht sein kann, müssen
wir ständig nachhelfen, damit es in einem künstlichen Gleichgewicht bleibt. Es
muss Wärme zu- oder abgeführt, Schadstoff entfernt und lebensnotwendige Stoffe
zugefügt werden; der pH-Wert und die Dichte (Salzgehalt) sollte nur in geringen
Maßen schwanken.
Der Ausgangspunkt ist das künstliche Meerwasser (nur wenige Aquarianer können
mit natürlichem Meerwasser arbeiten). Am Sinnvollsten wird eine Markensalzmischung
mit Umkehrosmosewasser
angerührt. Weitere Infos zum Umgang mit Meerwasser siehe hier.
Schadstoffe reichern sich im Laufe der Zeit im Aquariumwasser an. Viele kann der
Abschäumer entfernen, bevor Bakterien sie zersetzen. Die meisten anderen werden
von Bakterien abgebaut. Einige wenige werden nicht abgebaut (persistente Stoffe)
und reichern sich an, so dass es nötig ist, einen regelmäßigen Wasserwechsel
zu machen. Ca. 10% pro Monat ist eine sinnvolle Größenordnung, kann aber bei
starkem Fischbesatz auf 25% pro Monate erhöht werden. Wasserwechsel sollte
häufig mit kleinen Mengen vorgenommen werden (z.B. jede Woche 2,5%).
Viele nützliche Stoffe werden schneller aus dem Aquarium verbraucht oder
abgebaut, als man sie mit einem Wasserwechsel nachgeben kann. Diese Stoffe
müssen vom Aquarianer nachdosiert werden.
Korallen verbrauchen z.T. in erheblichen Mengen Gelöstkalk. Im Meerwasser liegt
der Gelöstkalk als Calcium-Ionen und (hauptsächlich) Hydrogencarbonat-Ionen vor. Die Korallen
nehmen beide Stoffe auf und bauen festen Kalk daraus. Ist zu wenig Gelöstkalk
im Wasser, kann die Korallen nicht mehr wachsen und geht schließlich ein.
Gelöstkalk kann mit vier verschiedenen Methode, die alle miteinander kombinierbar
sind, in das Meerwasseraquarium
gebracht werden.
1. Pflegelösungen,
mit denen man Calcium und Hydrogencarbonat ("Karbonathärte") getrennt
in das Aquarium geben kann (Methode nach Balling); bei besonders hohem
Karbonathärteverbrauch der Tiere kann anstatt der Hydrogencarbonatlösung auch
der AquaCare Super Puffer
verwendet werden. Bei wenig Wasserwechsel sollte zusätzlich zu den oben
genannten Lösungen bzw. Pulvern das kochsalzarme Mineraliensalz
von AquaCare dosiert werden.
2. Kalkwasser,
mit dem man Calcium anreichert, den pH-Wert leicht erhöht und Phosphat
ausfällen kann - im Kalkwasserreaktor
kann kontinuierlich frisches Kalkwasser produziert werden;
3. der Kalkreaktor,
der mit Kohlendioxid ein kalkhaltiges Material auflöst und so Calcium und
Hydrogencarbonat in das Aquarium bringt;
4. die CO2-Injektion
- diese kann jedoch nur für spezielle Zuchtaquarien empfohlen werden.
Spurenelemente, Jod und Strontium werden ebenfalls - vom Tierbesatz abhängig - stark verbraucht, so dass sie regelmäßig nachdosiert werden müssen. In einigen Aquarien kann eine Zugabe von Eisen ein besseres Wachstum bzw. Farbenpracht erzeugen. Bei extrem starken Wachstum von Kalkrotalgen und Gorgonien sollte Magnesium ebenfalls nicht fehlen. Natürlich kann die Dosierung der flüssigen Produkte auch mit einer Dosierpumpe geschehen.
Weil das Riffaquarium in einem sehr empfindlichen künstlichen Gleichgewicht ist, müssen einige Werte regelmäßig kontrolliert und gegebenenfalls korrigiert werden. Aber: jede Änderung sollte so behutsam wie möglich durchgeführt werden, damit unnötiger Stress für die Tiere vermieden wird. Stress - egal in welcher Form - kann Krankheiten auslösen.
Temperatur:
Die Wassertemperatur sollte im typischen Riffaquarium zwischen 25 und 27°C
liegen. Temperaturen unter 20 und über 30°C können leicht zum Massensterben
führen. Treffen Sie vorher geeignete Maßnahmen; ist die Wassertemperatur im
Sommer auf 30°C angestiegen, sind Ventilatoren oder Kühlgeräte nicht selten
ausverkauft! Die Heizung sollte immer mit doppelter Sicherheit betrieben werden:
Regler plus Regelheizer. Der Regler (mechanisch oder elektronisch) sollte auf die gewünschte Temperatur
(25°C) gestellt werden, der Regelheizer 2-3°C höher. Bei Ausfall des Reglers,
schaltet die Regelheizung bei Erreichen der oberen Temperatur ab. In sehr kühlen
Räumen sollte eine Zusatzheizung installiert werden, die bei Unterschreiten der
gewünschten Temperatur z.B. bei 23°C anspringt. Beachten Sie, dass
Meerwassertiere aus tropischen Riffe nur in einem geringen Temperaturbereich
(ca. 10 K) überleben können.
Der pH-Wert:
Dieser Wert gibt an, wie sauer oder wie alkalisch (basisch) das Wasser ist.
Werte über 7 sind alkalisch, Werte unter 7 sind sauer; der Wert 7 ist neutral
(weder sauer noch alkalisch). Im Meerwasser sollte der pH-Wert idealerweise
zwischen 8,0 und 8,5 liegen. Beachten Sie, dass der pH-Wert morgens niedriger als
abends ist. Wenn Sie keine Dauermesseinrichtung haben, messen Sie den pH-Wert
immer zur gleichen Uhrzeit, um vergleichbare Wert zu haben.
Der KH-Wert (Karbonathärte):
Die Karbonathärte hat unmittelbar Einfluss auf den pH-Wert und damit auf
das Befinden aller Tiere. Der KH-Wert sollte nie unter 7°dH fallen. Er kann mit
verschiedenen Methoden angehoben werden: AquaCare Pflegelösung "KH-plus"
bei geringem Verbrauch, Super Puffer
bei hohem Verbrauch und Turbo-Kalkreaktor
bei großen Aquarien oder starken Verbrauchern (z.B. Steinkorallen). Die Kalkwassermethode erhöht die Karbonathärte nicht
wesentlich!
Die Karbonathärte gehört für uns zu den wichtigsten Parametern; leider wird
sie oft genug nicht regelmäßig überprüft!
Salzgehalt, Dichte, Leitfähigkeit
Der Salzgehalt gibt an, wie viel Salz im Wasser gelöst ist. Dieser Parameter
wird in Promill 0/00
gemessen. Das Meerwasser sollte einen Salzgehalt von ca. 33 bis 35 0/00
haben. Sehr einfach kann dieser Wert mit einem Refraktometer
ermittelt werden. Andere Messgrößen sind die Dichte (wird mit einer "Spindel"
oder Araeometer gemessen) oder die elektrische Leitfähigkeit (wird mit einem
Leitfähigkeitsmessgerät gemessen).
Wenn der Salzgehalt im Aquarium zu hoch
sein sollte, nehmen Sie ca. 1% des Wassers aus dem Aquarium und ersetzen ihn
gegen Umkehrosmosewasser (oder lassen das fehlende Volumen durch eine automatische
Nachfüllanlage ersetzen). Ist der Salzgehalt im Aquarium zu niedrig, füllen
Sie einfach ca. 1% Meerwasser nach.
Durch die andauernd statt findende Verdunstung geht dem Meerwasser Wasser verloren,
jedoch nicht die Salze. Füllen Sie jeden Tag das verdunstet Wasser unbedingt
nur mit Umkehrosmosewasser nach (außer: der Salzgehalt soll erhöht werden).
Das Nachfüllen kann durch Schwimmerventile
oder automatische
Nachfüllanlagen stattfinden. Weitere Infos zu diesem Thema siehe hier.
Die Schadstoffe bzw. Nährstoff Ammonium/Ammoniak, Nitrit, Nitrat,
Phosphat, Silikat
Ammonium/Ammoniak wird ständig im Aquarium produziert. Es darf, wenn
überhaupt, nur in der Einfahrphase des Aquarium messbar sein. Kann es öfter
nachgewiesen werden, stimmen grundlegende Dinge im Filtersystem und Strömung
nicht mehr. Das Aquarium sollte dringend von einem Fachmann saniert werden! Das
Gleiche gilt für den Stoff Nitrit. Ammoniak und Nitrit sind hoch giftig und
können ein Aquarium in den biologischen Gau führen.
Nitrat und Phosphat sind im Riffaquarium Stoffwechselendprodukte, dass heißt,
sie reichern sich langsam aber sicher an. Je mehr gefüttert wird und je
schlechter (unterdimensioniert) die Technik ist oder weniger der regelmäßig
Wasserwechsel durchgeführt wird, desto schneller steigen Nitrat und Phosphatwerte
an. Im optimalen Riffaquarium sollte Nitrat im Bereich von 5-20 mg/l liegen,
Phosphat bei 0,05 bis 0,2 mg/l. Steigen die Werte über den Bereich oder liegen
sie permanent unter dem Bereich, müssen
Gegenmaßnahmen gestartet werden. Wird hingegen ein Parameter z.B. Nitrat
reduziert, obwohl der oben genannte Maximalwert nicht erheblich überschritten
wird, kann das Installieren eines Nitratfilters mehr schaden als nützen
(weiteres in: Nitrat: muss ein Filter her?).
| Maßnahme | erniedrigt Nitrat Phosphat |
|
| mehr Wasserwechsel | x | x |
| phosphatfreies und nitratfreies Meersalz verwenden | x | x |
| phosphatfreies und nitratfreies Wasser für Wasserwechsel und Nachfüllen verwenden (Umkehrosmosetechnik, Reinstwasserfilter) | x | x |
| weniger Füttern (besser weniger Fische, die aber richtig füttern) | x | x |
| Futter für Niedere Tiere (Plankton) auf Nitrat und Phosphat überprüfen und ggf. durch bessere Produkte ersetzen | x | x |
| Frostfutter waschen | x | |
| öfter kleine Portionen füttern als einmal große Mengen | x | x |
| phosphatfreies Granulat für Kalkreaktor verwenden | x | |
| mehr Strömung im Aquarium | x | x |
| mehr Beleuchtung (Tiere wachsen besser und nehmen mehr Phosphat und Nitrat auf) | x | x |
| Phosphatreduzierende Mittel einsetzen | x | |
| Kalkwasser (Calciumhydroxidmethode) verwenden | x | |
| Nitratfilter betreiben (Achtung! Die aquaristischen Gerät mit Dosierung einer organischen Quelle (Futter) bringen meist mehr Unheil als Lösung; autotrophe Denitrifikationssysteme ("Schwefel-Nitrat-Filter") sind sicherer) | x | (x) |
| lebende Steine verwenden | x | (x) |
| effektivere Abschäumer verwenden | x | x |
| Mehr Strömung zwischen Filtersystem und Aquarium | x | x |
Silikat oder Kieselsäure wird ausschließlich durch das Frischwasser (Verdunstungswasser, frisches Meerwasser zum Wechsel) in das Aquarium gebracht. Zum Teil sind die Kieselsäurekonzentrationen so hoch, dass sogar der Einsatz einer Umkehrosmoseanlage allein nicht ausreicht. Zusätzlich muss ein Reinstwasserfilter dahinter geschaltet werden. Ist der Nachschub mit Silikaten gestoppt, baut sich die Kieselsäurekonzentration im Aquarium von ganz allein ab und die unerwünschten Kieselalgen verschwinden.
Sehr beliebt in Deutschland ist eine aufwendige Mess- und
Regeltechnik. Sie kann die Arbeit erheblich verringern, birgt aber auch
Gefahren, weil viele aquaristische Geräte unzuverlässig arbeiten. So gilt eine
Regel:
so viel wie möglich messen aber so wenig wie möglich regeln.
Unabdingbar muss die Temperatur geregelt werden. Die Bedingungen
(Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit und damit Verdunstungskühlung,
Beleuchtungsphase) sind zu unregelmäßig, als dass auf eine Regelung verzichtet
werden kann. Sichern Sie die Regelung aber ab (siehe Kapitel "Temperatur").
Die Beleuchtung sollte automatisch gesteuert werden. Es können dafür
einfache Schaltuhren oder aufwendig aufgebaute Mikroprozessorsteuerungen
verwendet werden. Ein Ausfall der Steuerung bringt erst nach einigen Tagen
Unheil ins Aquarium.
Alle anderen Parameter sollten nicht geregelt werden. Sinnvoll ist nur eine
Notabschaltung von bestimmten Geräten:
Der Kalkreaktor sollte bei Unterschreiten eines pH-Wertes von ca. 8,00
mit einer pH-Regelung (Messkette im Aquarium!) abgeschaltet werden (CO2-Magnetventil
aus); Der Kalkwassermischer bei Überschreiten des pH-Wertes von 8,5.
Die automatische Nachfüllanlage sollte mit Hilfe eines Leitfähigkeitreglers
abgeschaltet werden, wenn der Salzgehalt unter 30 o/oo
fällt.
Bei den Mess- und Regelgeräte gibt es grundsätzlich analoge und digitale Geräte. Wird eine Computerüberwachung oder Fernabfrage vorgenommen, sollten auf jeden Fall digitale Geräte eingesetzt werden. Weitere Infos hier.
Komplettsystem (Aquaristikcomputer) sind verglichen mit Einzellösungen wesentlich preiswerter. Aber bei einem Fehler funktioniert die vollständige Mess-, Regel- und Steuertechnik nicht mehr.
Achten Sie beim Kauf auf Sicherheitshinweise.
Achten Sie auf die Bedienerfreundlichkeit. Testen Sie das Gerät vor dem Kauf und lassen Sie es sich genau vom Händler/Hersteller erklären. Erst, wenn Sie sich sicher sind, das Gerät bedienen zu können, ist ein Kauf sinnvoll.
Der wichtigste Grundsatz kann leider nicht oft genug wiederholt werden:
Traue keinem Messgerät! Wird
ein schlechter Wert gemessen, überprüfe erst das Gerät. Ein Blick in das
Aquarium ist sicherer: sind die Tiere in Ordnung, ist z.B. ein pH-Wert von 9,5 im
Aquarium nicht realistisch. Zu oft haben Aquarianer den Geräten mehr getraut
als Ihrem "salzigen Finger" und haben durch die gewaltsame Änderung
des Messwertes das empfindliche Aquariumgleichgewicht zerstört.
Oft genug hören wir Diskussionen zu, bei denen sich Aquarianer um den günstigsten Messwert streiten. Die meisten Aquarianer sind sich nicht bewusst, dass die aquaristischen Messmethoden äußerst ungenau sind. Tropfen- oder Eintauchstreifentests sind nicht mehr als ein Pi-mal-Daumen-Abschätzen. Seriöse Hersteller bringen diese Ungenauigkeit mit dem Wort "halb-quantitativ" zum Ausdruck. Bei jeden Test sollte man sich bewusst sein, wo die Nachweisgrenze liegt. Wenn ein Test z.B. als niedrigste Stufe 0,5 mg/l Phosphat anzeigt, kann bei negativer Farbreaktion (Test färbt sich nicht) nicht davon ausgegangen werden, dass kein Phosphat vorhanden ist. Es kann nur die Aussage getroffen werden, dass weniger als 0,5 mg/l vorhanden sind - wenn der Test richtig funktioniert. Im Riffaquarium sind 0,5 mg/l Phosphat für einige Tiere aber bereits viel zu viel - die einzige Schlussfolgerung ist, dass der Test nicht für die Riff-Meerwasseraquaristik geeignet ist. Der Aquarianer muss sich einen Test mit einer niedrigeren Nachweisgrenze besorgen (z.B. 0,01 mg/l). Beim Erreichen der maximalen Farbsättigung (oberer Grenzbereich), kann ebenfalls der Messwert nicht ermittelt werden. Mit einem Trick (Verdünnung der Probe und anschließendem Verrechnen des Messwertes) kann die obere Nachweisgrenze erhöht werden - zu beachten ist, dass sich die Ungenauigkeiten um den gleichen Faktor erhöhen.
Um den menschlichen Faktor (Beurteilung der Farbsättigung) einigermaßen ausschließen zu können, gibt es seit einiger Zeit kleine Photometer, die wesentlich genau messen, als die einfachen Teststreifen oder Tropfentests. Der qualifiziert Fachhändler nimmt gegen eine geringe Gebühr ebenfalls genaue Messungen durch.
Alle chemischen Tests sind sehr empfindlich gegenüber der Lagerung (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Licht). Wird ein Test falsch oder zu lange gelagert, kann mit dem Testergebnis nichts mehr angefangen werden. Tests können mit sogenannten Standards überprüft werden.
In vielen Büchern wird von einem Zeitplan gesprochen, nach dem sich der Aquarianer beim Einfahren des Aquariums richten soll. Leider gibt es sehr verschiedene Wege, ein Aquarium zu starten, so dass eine zeitliche Einteilung unserer Meinung nach nicht sinnvoll ist. Wir schlagen deshalb den Ereignisplan vor. Nach unseren Erfahrungen kann die Einfahrzeit von wenigen Wochen bis zu mehreren Jahre (einige Aquarien kommen mangels Technik, Wissen oder Fürsorge nie aus der Einfahrphase heraus!) variieren. Einige Bilder von Einfahrphasen finden Sie hier.
1. Inbetriebnahme und Testen aller Systeme
Der erste Schritt ist der komplette Aufbau der Anlage und das Befüllen mit Süßwasser. Alles kann auf Dichtigkeit überprüft werden, viele Geräte wie Pumpen, Beleuchtung, Mess- und Regeltechnik auf Funktion.
2. Füllen mit Meerwasser und Einbringen der lebenden Steine
Das Süßwasser und eventuell vorhandene Kleberreste sollte nun vollständig entfernt und gegen Meerwasser ersetzt werden. Füllen Sie zunächst nur ca. 50% des Wasser ein, damit Sie in Ruhe den Riffaufbau mit lebenden Steinen machen können. Lassen Sie sich Zeit mit dem Aufbau; er sollte stabil und abwechslungsreich mit vielen Höhlen, Überhängen, Riffpfeilern und Sandflächen sein. Nach dem Aufbau und der endgültigen Befüllung kann der Bodengrund in einer dünnen Schicht (1-2cm) eingebracht werden. Hinter den lebenden Steinen sollte kein Bodengrund verwendet werden. Nehmen Sie alle Gerät in Betrieb. Die Beleuchtung sollte erst die halbe geplante Zeit laufen. Innerhalb ca. 2 Wochen kann die endgültige Zeit eingestellt werden.
3. Null-Ammonium/Ammoniak-Nitrit
Sobald Ammonium/Ammoniak und Nitrit nicht mehr nachweisbar sind, kann das erste Versuchstier eingesetzt werden. Meist sind Schmieralgen auf den Steinen gewachsen. Keine Angst, die verschwinden wieder. Als erster Versuch sollte ein robustes Tier der Gattung Sarcophyton (Lederkoralle) verwendet werden. Wenn dieses Tiere sich wohlfühlt und seine Polypen herausstreckt, können weitere robuste Tiere eingesetzt werden: Krustenanemonen, Scheibenanemonen, etc..
4. Grünalgen erscheinen
Sobald die ersten Grünalgen erkennbar sind (ein leichter grüner Flaum reicht bereits), sollten sehr bald die ersten Algenfresser eingesetzt werden, wie z.B. Seeigel, Einsiedlerkrebse und pflanzenfressende Fische wie Seebader, Doktoren, Borstenmünder, Salarias etc. Wird zu lange gewartet, wachsen die Grünalgen zu langen Fäden, die meist nicht mehr von Algenfressern vertilgt werden. - Es sollte in dieser Phase nur sehr wenig gefüttert werden. Die Schmieralgen verschwinden langsam wieder.
5. Die Grünalgen sind im Griff - keine Schmieralgen
Wenn Sie erkennen, dass die Pflanzenfresser die Grünalgen im Griff haben und auch die Schmieralgen größtenteils verschwunden sind, können weitere niedere Tiere und sogar die ersten Steinkorallen (z.B. robuste Acropora-Arten, großpolypige Korallen sind schlechte Indikatoren) eingesetzt werden. Sobald auch diese Korallen ihre Polypen herausstrecken und Wachstumsspitzen zeigen, können alle für die Riffaquaristik geeigneten Niederen Tiere eingesetzt werden. Suchen Sie die Tiere sorgfältig aus und ermitteln den geeigneten Standort im Aquarium. Beachten Sie die Größen und die Vernesselungsgefahr. Kaufen Sie nur einwandfreie Tiere. Halb aufgelöste Tiere sind in der Anfangsphase auf keinen Fall überlebensfähig. Achten Sie darauf, dass einige Tiere giftig sind. Der Umgang sollte sehr sorgfältig geschehen.
6. Der Fischbesatz
Fühlen sich alle Niederen Tiere wohl und wachsen und auch die bereits eingesetzten Fische zeigen ein natürliches und gesundes Verhalten, können weitere Fische eingesetzt werden. Erhöhen Sie den Besatz nur langsam. Fische sollten gefüttert werden. Die meisten Rifffische - von Jägern einmal abgesehen - sind es von Natur aus gewöhnt, den ganzen Tag bzw. Nacht kleine Häppchen zu fressen. Versuchen Sie, so oft wie möglich kleine Mengen zu füttern. Erhöhen Sie den Besatz erst wieder, wenn die Schadstoffe Nitrat und Phosphat im niedrigen Bereich sind. Sobald die Stoffe sich schnell anreichern, ist die Belastungsgrenze erreicht und kann nur durch erhöhten technischen Einsatz (z.B. größerer Abschäumer) nach oben verschoben werden. Bitte setzen Sie nicht zu viele Fische ein und kompensieren den Schadstoffeintrag durch Hungerzeiten. Nur gut und abwechslungsreich ernährte Fische sind gegenüber Krankheiten stabil und zeigen nur wenige Aggressionen gegenüber Artgenossen oder verwandten Arten. Halten Sie die meisten Fische paarweise, in Trios oder kleinen Gruppen (je nach Art) - die meisten Fische sind ausgesprochen gesellig (wenn sie keinen Kohldampf schieben!!!) und fühlen sich bei Einzelhaft unwohl.
Und: wenn etwas nicht stimmt, fragen Sie kompetente
Aquarianer, Händler und Hersteller. Informieren Sie sich gründlich: leider
wird sehr viel Unsinn - zumeist aus Unwissenheit - erzählt und geschrieben -
auch im Internet!!!
Wir werden Ihre Fragen ebenfalls beantworten.