Phosphatadsorption mit Phosphat-Xglobuli aus Meerwasser 

Versuche und Text: Burkhard Ramsch

Inhalt:

1. Problematik

2. Versuchsdurchführung

3. Absenken der Phosphatkonzentration

4. Konkurrenzprodukte auf Eisenbasis und Zeolithe

5. Langfristig niedrige Phosphatwerte

verwandte Themen:

Verwendete Materialien und Methoden

 Bestimmung der Phosphatmenge im Abtauwasser von diversen Frostfuttersorten

Phosphat im Meerwasseraquarium

Füttern von Meerwassertieren

 

verwandte Produkte:

Phosphat-minus-Reaktor PMR

Phosphat-Xglobuli

Phosphat-Photometer

1. Problematik


Zu hohe Phosphatkonzentrationen zerstören schnell Steinkorallen. Die lebende Schicht zersetzt sich und das bleiche Skelett bleibt übrig. Foto: AquaCare

Phosphat ist für alle Organismen ein lebensnotwendiger Stoff aus dem z.B. Proteine synthetisiert werden. In Riffaquarien, in den Fische gut gefüttert werden, führt es jedoch bei zu hohen Konzentrationen zu übermäßigem Algenwuchs, der feingliedrige Korallen schnell überwuchert. Die Kalksynthese von Steinkorallen wird behindert und führt letztendlich zum Absterben der Koralle. Für Steinkorallenaquarien gilt, dass eine Phosphatkonzentration von ca. 0,20 mg/l nicht überschritten werden sollte (je nach Art). Ein Unterschreitung von 0,05 mg/l kann jedoch zu Mangelerscheinungen führen, da die Korallen nicht mehr ihren Phosphatbedarf decken können. In natürlichen Riffen werden zwar erheblich niedrigere Werte gemessen (wenige µg/l), jedoch können die Korallenpolypen durch das Fangen von Plankton ihren Bedarf an Phosphat decken. Im Hobby-Riffaquarium steht diese Möglichkeit nicht oder nur unzureichend zur Verfügung.

Bei Weichkorallen ist diese Problematik nicht gegeben. Erhöhte Phosphatkonzentrationen in Kombination mit ebenfalls erhöhten Nitratkonzentrationen führen bei den meisten Tieren zu einem verstärktem Wachstum. Phosphat und Nitrat können regelrecht als Dünger eingesetzt werden. Phosphat-Messungen in einem AquaCare-Weichkorallen-Aquarium ergaben dauerhaft Werte von über 2 mg/l - die Weichkorallen wucherten regelrecht.

Phosphat kann auf unterschiedliche Art und Weisen aus dem Wasser entfernt werden. 

2. Versuchsdurchführung Langzeittest

Es stand ein 400-Liter Riffaquarium, vorwiegend mit Weich- und Lederkorallen besetzt, zur Verfügung. Der hohe Fischbesatz (4 x Zebrasoma flavescens, 2 x Centropyge loriculus, 1 x Centropyge eibli, 1 x Premnas biaculeatus, einige Demoisellen, später noch 1 x Zebrasoma veliferum) und die starke Fütterung (5-7mal pro Tag, ca. 3-5 g/d Trockenfutter) führten im Laufe der langen Betriebszeit - obwohl regelmäßig ein Wasserwechsel (alle 1-2 Wochen ca. 4%) durchgeführt wurde - zu Phosphatkonzentrationen von bis zu 2,6 mg/l. 
Die allgemeinen Wasserwerte betrugen bei Versuchsstart: 
Karbonathärte = 12°dH, 
Calcium = 580 mg/l (Turbo-Kalkreaktor in Betrieb), 
Magnesium = 1420 mg/l (Turbo-Magnesium-Granulat von Zeit zu Zeit im Turbo-Kalkreaktor), 
Nitrat = 12,8 mg/l (ADN-Filter in Betrieb), 
Salzgehalt = 35,5/1000.


5 g Trockenfutter 
entsprechen ca. 40 ml



Das Versuchsaquarium zum Zeitpunkt des Starts: den Weichkorallen geht's gut,
doch Grünalgen müssen regelmäßig entnommen werden.

Für die Versuche wurde der Phosphat-minus-Reaktor PMR 75 von AquaCare benutzt, als Adsorbens die Phosphat-Xglobuli; die Filterfüllung betrug 0,5 Liter. Der Wasserzulauf kam als Bypass von der Hauptversorgungspumpe und wurde auf ca. 50 l/h eingestellt, das entspricht einer Umwälzleistung von ca. 0,125/d. Um die Zulaufleistung für lange Zeit konstant zu halten, wurde ein mit Filterwatte gefüllter Kleinvorfilter benutzt. Die Wasserproben wurden jeweils vor einer Fütterung gezogen, um zu verhindern, dass kleinste Futterpartikel in die Probe gelangen und den Messwert verfälschen.

Die Konzentration des gelösten Phosphats wurde mittels Hanna-Photometer bestimmt. Siehe Methodik.

3. Absenken der Phosphatkonzentration

Der erste Versuch startete mit einer Phosphatkonzentration von 0,87 mg/l (blaue Rauten). Nach Versuchsstart sank die Konzentration innerhalb von 2,5 Tagen auf unter 0,2 mg/l ab. Danach wurde der Filter außer Betrieb genommen und so lange gewartet, bis die Phosphatkonzentration wieder annähernd auf den ursprünglichen Wert angestiegen ist. Der 2. Versuch (lila Quadrate) startete mit neuer Phosphat-Xglobuli-Füllung bei 1,04 mg/l. Ebenfalls nach 2,5 Tagen sank die Phosphatkonzentration auf unter 0,2 mg/l. Bei niedrigeren Anfangswerten (siehe orange Dreiecke) sinkt die Phosphatkonzentration schneller unter eine kritische Marke.

4. Konkurrenzprodukte auf Eisenbasis und Zeolith

Im selben sehr stark mit Phosphat belastetem Aquarium wurden hintereinander ein Eisenprodukte ("RWR", sehr staubig, 2-4 mm Körnung) und ein Zeolith (3-7 mm Körnung) in gleichen Mengen (Volumen) benutzt. Es ist deutlich zu sehen, dass das Konkurrenzprodukte auf Eisenbasis (orange Linien) erheblich langsamer die Phosphatkonzentration senken kann als das AquaCare Produkt Phosphat-Xglobuli (lila Linien, 2 Versuche). Ab Tag 7 (nicht in der Grafik enthalten) lag die Phosphatkonzentration bei 0,44 mg/l und stieg dann langsam wieder an: Tag 23 mit 0,59 mg/l.  

Beim Zeolith-Produkt (braune Linie) konnte keine Senkung der Phosphatkonzentration ermittelt werden. Nach 10 Versuchstagen (nicht in der Grafik enthalten) lag die Phosphatkonzentration bei 1,07 mg/l

Um ein stark mit Phosphat belastetes Aquarium zu behandeln, ist es nicht sinnvoll Zeolithe oder einfache Eisenadsorber zu benutzen. Entweder müssen sehr große Mengen dieser Mittel benutzt werden oder die Wirkung ist nicht ausreichend. In sehr schwach mit Phosphat belasteten Systemen können diese Produkte eventuell die Phosphatkonzentration auf ein niedriges Maß halten. 

5. Langfristig niedrige Phosphatwerte

Nachdem einmal hohe Phosphatkonzentrationen gesenkt wurden, besteht die Notwendigkeit, die erreichen niedrigen Konzentrationen beizubehalten. Die Phosphatfilterfüllung sollte immer dann gewechselt werden, wenn die Phosphatkonzentration wieder über das definierte Maximum ansteigt.

Unserer Empfehlung:

Steinkorallenaquarium:  0,05...0,20 mg/l der kritische Maximalwert ist abhängig von den gepflegten Steinkorallen
Weichkorallenaquarium:  0,05...0,50 mg/l
Fischaquarium  0,05...0,70 mg/l

Was aber, wenn bei Erreichen der maximalen Phosphatkonzentration keine neue Füllung Phosphat-Xglobuli verfügbar ist. Soll der Filter mit dem beladenen Material weiterhin betrieben oder sollte die Füllung entfernt werden?


Langfristiger Verlauf der Phosphatkonzentrationen mit (blau) und ohne (lila) Phosphat-Xglobuli

Das oben beschriebene Aquarium wurde mit Phosphat-Xglobuli behandelt. Als die Phosphatkonzentration wieder auf 0,20 mg/l angestiegen war - in einem Steinkorallenaquarium sollte dann spätestens die Filterfüllung erneuert werden -, wurde beim ersten Versuch das Material entnommen (lila Kurve); beim zweiten Versuch verblieb das Material weiterhin im Filter (blau). Deutlich ist zu sehen, dass die Phosphatkonzentration ohne Phosphat-Xglobuli erheblich schneller ansteigt als mit Material. In dem Kontrollversuch stieg die Phosphatkonzentration doppelt so schnell an wie beim Phosphat-Xglobuli-Versuch.