Die Firma AquaCare sollte für den bekannten Künstler Igor Sacharow-Ross ein kleines Aquarium konstruieren, dass für die noch sehr selten vorkommenden Brachsenkräuter (Isoetiden) eine kleine Heimat bietet. Das Aquarium sollte für die Ausstellung REANIMATION fertiggestellt werden. Bedingung war eine fast geräuschlose Kühlung. Die Isoetiden brauchen Wasser mit deutlich unter 20°C.
TECHNIK:
Um die Wärmezufuhr von außen zu minimieren, wurde das Aquarium (50 x 50 x 50 cm) aus Plexiglas gebaut. Die beiden nicht einsehbaren Seiten wurden zusätzlich mit doppelten Wänden zur Isolation gebaut. Die Kühlung erfolgte mit Peltiertechnik, so dass kein lärmende Kühlaggregat benutzt werden musste. Lediglich die Lüfter für die Warmseite der Peltier-Elemente verursachten ein geringes Geräusch. Die Umwälzung erfolgte mit einer nur 5 W starken Pumpe. Die Temperatur wurde mit dem AquaCare digital MASTER Temperaturbaustein geregelt.

Isoetiden = Brachsenkräuter
ZUR AUSSTELLUNG:
Die Welten von Igor Sacharow-Ross. Die Natur um uns - die Natur in uns
von Ernst Pöppel
Wer ist nicht überwältigt von dem Blick in den sternenklaren Himmel. Nachts in
den Bergen, wenn ich in den Himmel hineinschaue, erschrecke ich vor der ungeheuren Weite.
Und doch ist diese Weite gleichzeitig Nähe. Ich bin einsam und verloren und dennoch
geborgen und ruhig. Das eine Gefühl beschreibt Pascal in seiner Pensées (Nr. 205).
"Wenn ich die kurze Dauer meines Lebens betrachte, verschlungen in die Ewigkeit, die
ihm vorausgeht und folgt, den kleinen Raum, den ich ausfülle, und selbst jenen, den ich
erblicke, der in der grenzenlosen Weite der Räume versinkt, von denen ich nichts weiß
und die von mir nichts wissen, erschrecke ich."
Und nun wendet Igor Sacharow-Ross plötzlich den Blick. Wer ist es eigentlich, der in der
Natur um uns schaut? Der Blick wendet sich auf den Menschen selber und damit auf sein
Gehirn. Mit diesem Blick auf unser eignes Gehirn ist nicht nur eine künstlerische
Aussage
gemacht, auch eine philosophische. Wir geben mit diesem Blick die Trennung auf zwischen
Körper und Geist. Wir sehen uns als eine leib-seelische Einheit, wir überwinden damit
die kartesische Trennung in die räumlichen Welt - das Gehirn als Körper - und die
geistige Welt - die Seele als nicht-fassbare Substanz.
Mit dieser Installation erfasst der Künstler einen parigmatischen Wechsel, der sich in
den Wissenschaften vollzieht und unsere ganze Kultur kennzeichnet. Auch wenn die Natur um
uns noch so faszinierend erscheint - und immer wieder werden wir von der eigenen
Neugier getrieben - so richtet sich dieser Neugier nun auf uns selbst, auf unsere
genetische Ausstattung und vor allem unser Gehirn. Dieser Blick ist begleitet von einer
merkwürdigen Scheu. Sollten wir wirklich den Blick auf uns richten? Erfassen wir
vielleicht nicht zu viel über uns? Verletzen wir ein Geheimnis, das als Geheimnis
erhalten bleiben muß, wenn wir uns selber in den Blick nehmen? Essen wir wieder einmal
vom Baum der Erkenntnis mit seinen fatalen Konsequenzen?
Ich meine nur wenn wir diese Scheu haben, dürfen wir uns selbst, unser Gehirn, in den
Blick nehmen, es zu verstehen suchen. Wenn wir forschen, dann entdecken wir einen Kosmos,
ein Universum in uns selber, das unvorstellbar reich ist. Das Gehirn mit seinen
Abermilliarden Zellen und noch viel mehr Verschaltungen ist von unendlicher Komplexität
und dennoch ganz einfach. Unendlich sind die elementaren Prozesse auf chemischer und
elektrischer Ebene - ganz einfach das Ergebnis: Ich sehe ein Gesicht, höre eine
Stimme, empfinde einen Schmerz. Die Maschinerie des Gehirns zielt immer auf einen
Zweck: Einen Inhalt es Bewusstseins zu gestalten, einen Gedanken zu
denken, das Verstreute also zur Einheit zu binden. Eine Erkenntnis moderner Hirnforschung
ist, dass wir die Trennung, die man üblicherweise zwischen Gedanken und Gefühlen,
zwischen Rationalität und Emotionalität, vornimmt, aufgeben müssen. Diese Trennung
kommt aus der Tradition des neuzeitlichen Denkens - aber sie entspricht nicht der
Arbeitsweise unseres Gehirns. Gefühle und Gedanken, Erinnerungen und Handlungen sind
alle engsten miteinander verknüpft und aufeinander bezogen. Erst im Rückblick, aus der
zeitlichen Distanz, führen wir eine künstliche Trennung ein. Im künstlerischen
Prozess
wie im naturwissenschaftlichen Handeln sind wir noch in der ursprünglichen Situation des
Verbundenseins der Elemente - und dies spiegelt sich machtvoll in den Werken von Igor
Sacharow-Ross. Sie sind eine Einheit. Die Themen, die wir behandeln, als Künstler und als
Wissenschaftler, beziehen sich aber oft auf Teilbereiche, auf das Gehirn getrennt von
Leib, auf mikroskopische Vorgänge im Gehirn. Diese sind aber nur als Teil des Ganzen zu
verstehen. Diese künstlerischen und wissenschaftlichen Darstellungen erzwingen Distanz
der Betrachtung, sie können aber nur vollzogen werden, wenn es einen inneren Bezug gibt,
die mikroskopische Analyse. Beides zusammen, Distanz und Nähe, die Betrachtung von
außen und das Erleben von innen, die Welt um uns und die in uns,
vereinen sich im Werk von Igor Sacharow-Ross.
Unikat III: Die Isoetiden
von Eberhard Stengel
Im Laufe der Entwicklung des Lebens auf der Erde entstanden im Süßwasser
einzigartige pflanzliche Lebensformen, die sich auf extrem nährstoffarme Bedingungen
eingestellt haben. Sie gehören heute zu den am stärksten gefährdeten Organismen auf
unserem Planten. In Mitteleuropa sind sie an den meisten Stätten ihres ehemaligen
Vorkommens erloschen und letztendlich vom Aussterben bedroht. Viele ihrer Gewässer wurden
vernichtet oder durch Überdüngung aus der Landwirtschaft und aus der Atmosphäre völlig
verändert, sie sind heute als Lebensorte für sie ungeeignet. Deshalb sind die Isoetiden
(Isoetes, Lobelia und Littorella, auch als Grundrosettenpflanzen bezeichnet) überall auf
dem Rückzug, wie Kartenausschnitte ihrer einstigen und heutigen Verbreitung schon am
Beispiel Nordwestdeutschlands vielfach dokumentieren.
Isoetes lacustris, das See-Brachsenkraut, der Prototyp der Isoetiden, gehört zu
der erdgeschichtlich sehr alten Verwandtschaft farnartiger Gewächse, deren Vorläufer -
wenn nicht Isoetes selbst - schon vor gut 250 Millionen Jahren existierten, während
die
jüngeren, zu den Blütenpflanzen gehörigen Isoetiden (hier Littorella und
Lobelia)
vermutlich nach der Kreidezeit (vor weniger als 65 Millionen Jahren) entstanden. Sie alle
können je nach Umgebungsbedingungen gemeinschaftlich in enger Verflechtung rasenartig
wachsen oder aufgrund ihrer teils ähnlichen, teils aber verschiedenen Ansprüchen
und Fähigkeiten sich mehr oder weniger als monospezifische Bestände entwickeln. Diese
Pflanzen, die charakteristische Vegetationsgestalten nährstoffarmer Seen, Tümpel,
Moore und Sümpfe bilden, sind in unmittelbarer Gefahr, endgültig zu verschwinden.
Isoetes, Littorella und Lobelia stammen aus Skandinavien, wo sie - noch! -relativ
zahlreich vorkommen. In der Aquarien-Säule der Installation von Igor Sacharow-Ross wird
versucht, ihren natürlichen Ansprüchen (niedrige Nährstoffkonzentration in weichem
Wasser bei Temperaturen zwischen 6°C im Winter und 18°C im Sommer) so weit wie technisch
mit vertretbarem Aufwand möglich, zu entsprechen. Das natürliche Lichtklima kann aber
bei weitem nicht erreichte werden, ähnliches gilt für Wasserbewegung und
Wasserqualität. Die hier präsentierten Pflanzen lassen durch den sichtbaren
Algen-Aufwuchs auf den älteren Blättern (so wurden sie an ihrem Standort angetroffen)
schon ihre starke Gefährdung durch die meist schneller wachsenden, den Lichtzutritt
schmälernden Algen erkennen.